Rückfälliger Gauner: Spendengelder eingesackt

Dieses Jahr hätte die Stiftung Glückspforte ihre Arbeit für Tiere aufnehmen sollen. Doch hinter dem Stiftungsgründer steckt ein altbekannter Gauner. Bereits ist viel Geld verschwunden.

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Rückfälliger Gauner: Spendengelder eingesackt

6:27 min, aus Kassensturz vom 1.12.2015

Dr. Claudius Alder ist ein hervorragender Lügner und ein dreister Betrüger. Jahrelang hatte er ganz Adelboden genarrt und den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen. Sein grösster Coup: Er erfand die fiktive «Schweiz Chemie AG» und verkaufte deren Aktien. Die Aktien hatte er selber gebastelt.

Anlegern versprach er sagenhafte Renditen innerhalb weniger Monate. Damit der Schwindel nicht aufflog, zahlte er mit von Investoren neu angelegtem Geld immer wieder Renditen aus. Ein klassisches Schneeballsystem.

Name von Parlamentarier geklaut

13 Jahre lang zog Dr. Alder mehrere Hundert Menschen über den Tisch und kassierte dabei 11 Millionen Franken. 1988 wurde er verhaftet. Es stellt sich heraus: Den Doktortitel hat Claudius Alder erfunden. Und den Namen auch: Er entlehnte ihn beim damaligen Baselbieter Nationalrat Claudius Alder. In Wirklichkeit hiess der Hochstapler Hans-Peter Streit.

Zwei Männer an einer Bar.

Bildlegende: Hans-Peter Streit mit dem Schauspieler Roeland Wiesnekker. Er spielt Streit im Film «Der Fürsorger». srf

Streit wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Gefängnis schrieb er zusammen mit dem Journalisten Philipp Probst seine Memoiren. Dieses Buch wiederum wurde mit dem Schweizer Star-Schauspieler Roeland Wiesnekker verfilmt («Der Fürsorger», Fama Film AG, 2010). Am Schluss des Filmes bereut Streit seine Taten.

Und er trickst wieder

Ende gut – alles gut? Mitnichten: Ein Vierteljahrhundert nach seiner Verhaftung 1988 ist Streit diesen Frühling rückfällig geworden. Er gründete die fiktive Tierstiftung Glückspforte. Dazu gründete er das fiktive Restaurant Rico. Für dieses Restaurant suchte er Servicepersonal und versprach lukrative Löhne. Mindestens ein Dutzend Leute haben sich täuschen lassen.

Weit schlimmer: Er versprach den zukünftigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eine grossartige Altersvorsorge, wenn sie zusätzlich Geld in die Stiftung einzahlen würden.

«Ich kenne Leute, die haben 25'000 oder 50'000 Franken einbezahlt. Auf 100'000 Franken ist Streit sicher gekommen. Aber ich denke, es war noch mehr, weil von den anderen Leuten kann ich nicht sagen, wieviel sie einbezahlt haben», sagt eine Servicefachfrau.

Im Sommer flog auch Streits – vorläufig – letzter Bschiss auf. Vor zwei Wochen wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Nächstes Jahr wird Streit wieder einmal vor dem Richter stehen. Bis zu einer allfälligen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Tipp: Seriös oder nicht?

Wer wissen möchte, ob eine Stiftung seriös ist, kann im zentralen Firmenregister Zefix nach ihrem Namen suchen. Ist die Sitftung aufgeführt, ist sie notariell beglaubigt und im Handelsregister eingetragen. Kommt eine Stiftung im Zefix nicht vor, kann man davon ausgehen, dass sie nicht existiert und somit auch keine Spenden sammeln darf.