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Konsum Schlagring-Handyhülle: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Ein Teenager bestellte im Internet ein Handy-Accessoire und musste darauf bei der Polizei zum Verhör antraben. Dieser «Espresso»-Bericht über eine billige Handyhülle, die aussieht wie ein Schlagring, sorgte für viel Kopfschütteln. Jetzt kann die junge Frau aufatmen. Das Verfahren wurde eingestellt.

Legende: Audio «Schlagring-Handyhülle: Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein» abspielen. Laufzeit 2:26 Minuten.
2:26 min, aus Espresso vom 24.02.2016.

Der 20-jährigen Sophie fiel ein riesen Stein vom Herzen: Sie erhielt Post von der Staatsanwaltschaft Schaffhausen. Darin steht: Das Verfahren gegen sie – wegen Verstoss gegen das Waffengesetz – wurde eingestellt.

Voraus gingen einige schlaflose Nächte. Und alles nur, weil Sophie im Internet eine Handyhülle aus billigem Plastik bestellt hatte. Das Problem: Das Handy-Accessoire sieht aus wie ein Schlagring. Die Schaffhauser Polizei zitierte die junge Frau deshalb zum Verhör, weil sie dachte, Sophie hätte versucht, sich eine verbotene Waffe zu besorgen. Die besorgte Mutter erzählte damals dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Meine Tochter hat sich überhaupt nichts Böses dabei gedacht. Sie war einfach nur der Meinung, das sei ein lustiges Accessoire, und das Handy sei erst noch geschützt.» Hinzu kommt: Die kultige Handyhülle hat die Tochter gar nie erhalten.

Kein Vorsatz erkennbar

Der Beitrag löste damals viele Reaktionen aus. Lachhaft sei das. Absurd. So die Kommentare im Internet. Einige Forumsteilnehmer fragten sich, ob die Polizei nichts Besseres zu tun habe.

Glücklicherweise fand die Geschichte aber ein Happy End. Das Verfahren wurde eingestellt. Sophies Mutter ist erleichtert: «Wir sind einfach nur froh; jetzt können wir aufatmen.» Und auch andere könnten vielleicht von dieser Geschichte profitieren. Denn: «Wer denkt denn schon daran, etwas Illegales zu tun, wenn er so etwas bestellt.»

Auf Anfrage von «Espresso» begründet die zuständige Staatsanwältin Monika Jehli ihren Entscheid: Sie habe das Verfahren wegen mangelndem Vorsatz eingestellt. Sie scheint Sophie also zu glauben, dass sie sich nur ein modernes Handy-Accessoire besorgen wollte.

Trotzdem ist Vorsicht geboten

Anders hat übrigens kürzlich die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau entschieden. Sie hat eine junge Frau in einem sehr ähnlichen Fall zu einer Geldbusse verknurrt. Diese zog vor Gericht, bekam Recht und wurde schliesslich freigesprochen.

Auch für sie ist die Sache also gut ausgegangen. Aber Achtung: Auch weiterhin sollte man solche Handyhüllen nicht ohne Bedenken bestellen. Die Schaffhauser Staatsanwältin erklärt, dass immer der Einzelfall betrachtet werde und es durchaus auch in Zukunft zu Strafverfahren kommen könne. Nämlich dann, wenn das Gericht oder der Staatsanwalt ein vorsätzliches Handeln sieht oder die Handyhülle wirklich als Waffe und nicht als Mode-Gag betrachtet.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Bärchtold, 8706 Meilen
    Die Storry ist super. Ein Lauffeuer ist aber sehr gut möglich nun, da sehr attraktiv für die Jungs! So wird ev. viel unbeabsichtigtes Geschirr zerbrechen, durch die allerseits einsehbare Info. M.E. sollte für solch Jugendgefährdendes ein Loggin erforderlich sein, dass nur über 20Jährige zugriff darauf haben. Man siehe sich nur mal den Anstieg von Jugendagression, Mobbing, Konkurrenz, Gewalt, Drogenkonsum, etc. an. Die Gesellschaft sollte endlich demokrat. debatieren (können)! Pflicht der Presse?
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  • Kommentar von Peter G., Spreitenbach
    Sonderbare Gesetzgebung bei uns. Das sieht man schon im Artikel vom 25. 11. 14. (http://www.srf.ch/konsum/themen/familie-und-freizeit/steinschleuder-spielzeugpistole-was-als-waffe-gilt). Während das eine 'nur' als gefährlich gilt ist ein anderes bereits verboten. Ein Kendo-Schwert (aber auch ein Taiji-Schwert) zum Vergleich mit einer Schlagrute. Beide können von den falschen Personen als Schlaginstrument missbraucht werden sollte je ein solches gestohlen worden sein. Auch ein Einbeinstativ.
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    1. Antwort von Thomas Bärchtold, 8706 Meilen
      Sehr gut bemerkt. Vielmehr sollte die Gewaltverherrlichung bzw. die extrem häufige Gewaltdarstellung in TV, Kino, Comics + Co reguliert werden. Die Politiker machen es sich sehr, sehr einfach. Sie fragen nichtmal einmal alle 2 Jahre nach, ob es für den Rest des Landes stimmt, was sie da zusammenkücheln! Bei den Lehrer ist das längst standart. Die Schüler bewerten den Lehrer. Das entspricht dem Demokratieprinzip. Die Politik ist anno xy, aber sicher nicht zeitgemäss. Polizei ist von denen abhängi
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Vielleicht könnte SRF einmal ein Bild des kleinen Instruments zeigen, womit man Autoscheiben einschlagen kann. Ich hörte Glas splittern, und als ich vor den Täter stand, der neben meinem Auto stand, und ihn fragte was er hier tue, meinte ich, er hätte eine Stange "Täfeli" in der Hand und gab das so der Polizei an. Diese bemühte sich nicht einmal mich aufzuklären. Ich erfuhr dann von einer Nachbarin, dass mit einem solchen kleinen Eisenstängeli eine Autoscheibe leicht einzuschlagen sei.
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