Sprudelflasche explodiert: Frau im Gesicht verletzt

Plötzlich wird aus dem Sprudelton ein lauter Knall: Die Sodastream-Flasche explodiert in der Küche und verletzt die Kundin. Sind die Sprudelflaschen gefährlich? «Kassensturz» lässt die Flasche im Labor testen. Jetzt untersucht auch die zuständige Bundesbehörde den Fall.

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Sprudelflasche explodiert: Frau im Gesicht verletzt

6:17 min, aus Kassensturz vom 24.6.2014

Der Schreck sitzt heute noch tief. Kathrin Molinari kaufte sich ein Sprudelgerät von der Firma Sodastream, weil sie das Prinzip toll fand: Keine Flaschen aus dem Laden schleppen und trotzdem Sprudelwasser zu Hause.

Doch ein Jahr später passierte es beim Sprudeln: «Es hat geknallt und ich verspürte starke Schmerzen am Auge», erzählt Kathrin Molinari in der Sendung «Kassensturz». Die Flasche war geborsten, die Sprudelstation zerrissen. Über dem Auge klaffte eine Wunde.

Explodierende Flaschen auch in Deutschland und USA

Nahaufnahme eines blauen Auges.

Bildlegende: Das ging ins Auge: Teile der explodierenden Sprudelflasche verletzten das Gesicht. SRF

Kathrin Molinari musste sofort zum Arzt: Eine Rissquetschwunde an der linken Augenbraue musste genäht werden. «Man kann sich gut vorstellen, was passiert wäre, wenn das Hartplastikteil das Auge getroffen hätte», sagt ihr Arzt Otto Scherer.

Eine Internet-Recherche zeigt: Dieser Knall ist kein Einzelfall. Auch in Deutschland und den USA melden Konsumenten, dass ihre Sodastream-Flaschen explodiert seien. Sind die Sprudelgeräte, die weltweit millionenfach verkauft werden, gefährlich?

Härtetest in der EMPA

Ingenieure der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt Empa testen im Auftrag von «Kassensturz» neue Flaschen von Sodastream in einer speziell entwickelten Anlage. Sie lassen Druckluft in die Flasche, bis diese explodiert.

Laut Hersteller erreichen Sodastream-Maschinen bei normaler Anwendung in der Küche 8 bar. Bei 11,5 bar greift ein Sicherheitsventil. Die Empa-Ingenieure unterziehen die Sodastream-Flasche einem Belastungstest. Resultat: Die neuen Flaschen explodieren in der Empa erst bei über 20 bar, das heisst: Die Flaschen halten im Labor mehr als doppelt so viel Druck aus, als bei normaler Anwendung in der Küche entsteht. «Es ist allerdings möglich, dass die Flaschen versagen, wenn sie eine Vorschädigung aufweisen. Das wäre auch bei einem Druck, der weit unter 20 bar liegt, möglich», sagt Empa-Ingenieur Michael Koster im «Kassensturz».

Beschädigte Flaschen können offensichtlich gefährlich sein. Sodastream warnt darum auf jeder Flasche mit Hinweisen:

  • Nicht in die Geschirrspülmaschine
  • Nicht zu kalt werden lassen
  • Nicht über 50 Grad erhitzen
  • Zudem haben die Flaschen ein Ablaufdatum.

Die explodierte Flasche von Frau Molinari wäre noch ein Jahr gültig gewesen.

Seco untersucht den Fall

«Kassensturz» meldet den Unfall dem zuständigen Bundesamt. Franz Schild, Produktesicherheitsexperte vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco, sagt, Sodastream sei ein kompliziertes Produkt. Er kritisiert, für Konsumenten sei nicht ersichtlich, dass die Flaschen explodieren können, wenn die Warnhinweise nicht eingehalten werden. Er wird den Fall prüfen lassen: «Dann werden wir entscheiden: Darf man das Produkt so weiterverkaufen, muss man nachbessern oder allenfalls bereits verkaufte Produkte vom Markt nehmen», sagt Franz Schild im «Kassensturz».

Zwei Verletzte in fünf Jahren

«Kassensturz» konfrontiert die Firma Sodastream mit dem Fall. Sodastram-Manager Henner Rinsche betont, sein Produkt sei sicher. Es hätte in der Schweiz in den letzten fünf Jahren bei 1,5 Millionen verkauften Plastikflaschen nur zwei Verletzungen durch Explosionen gegeben. Die Flasche von Kathrin Molinari wurde von internen Experten untersucht. Das Ergebnis: «Die Flasche von Frau Molinari war eindeutig über einen längeren Zeitraum hoher Hitze ausgesetzt gewesen. Die einzige plausible Erklärung ist eine Spülmaschine», sagt Rinsche im «Kassensturz». Man bedauere die Verletzungen der Kundin sehr.

Die explodierte Flasche weist zwar eine Deformation auf. Woher diese kommt, kann sich Kathrin Molinari aber nicht erklären. Sie bestreitet vehement, dass sie einen Fehler gemacht und sich nicht an die Warnhinweise der Firma gehalten habe: «Die Flasche war nicht abgelaufen. Ich habe sie nicht in die Geschirrspühlmaschine getan. Alles habe ich richtig gemacht und trotzdem ist die Flasche explodiert. Das darf nicht sein.»

Auch Sie können etwas tun

Auch Sie können etwas tun

Laut Produktesicherheitsgesetz sind Händler verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte im Auge zu behalten. Allerdings müssen sie nicht alle Gefahren melden. Deshalb sollten Konsumenten bei gefährliche Produkten aktiv werden und diese dem Seco melden. Hier geht es zum Formular.