Sture Bauern: Sie produzieren unnötig teuer

Nahrungsmittel in der Schweiz sind teuer, weil hierzulande Bauern hohe Kosten haben. Doch mit simplen Massnahmen könnten Landwirte massiv Kosten sparen. Deutsche Bauern machen es vor. Sie teilen schon lange teure Maschinen und Traktoren, während Schweizer Bauern auf stur schalten.

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Sture Bauern: Sie produzieren unnötig teuer

16 min, aus Kassensturz vom 28.4.2009

Der Hof von Rene Gubler liegt bei Frauenfeld im Thurgau. Gubler betreibt ihn zusammen mit seiner Frau und einem Lehrling. Mit 37 Hektar Land ist sein Hof gross für Schweizer Verhältnisse. Trotzdem produziert er teuer. Die Gründe dafür seien verschieden, sagt Gubler. «Wir sind ein Hochpreisland. Das ganze Umfeld und die Produktionsmittel – speziell Dünger, Pflanzenschutz und Kraftfutter – sind teurer.» Das summiere sich.

Kleine Grösse der Bauernbetriebe

Doch das alleine erklärt die hohen Produktionskosten nicht. Ein wichtiger Grund ist, dass viele Bauernbetriebe nur kleine Parzellen bearbeiten. Das schmälert die Effizienz und macht die Schweizer Landwirtschaft darum so teuer. René Gubler hält 38 Milchkühe. Er melkt sie zusammen mit seinem Lehrling. Dafür benötigen sie täglich vier Stunden. Pro Jahr produziert er 230 000 Liter Milch.

Ganz anders arbeitet Bauer Josef Göppel in Baden-Württemberg. Die klimatischen und topografischen Verhältnisse sind dort vergleichbar mit dem Thurgau. Aber Göppels Hof bewirtschaftet 118 Hektar Land und 120 Kühen. Er ist dreimal so gross wie der Schweizer Betrieb. Die 120 Kühe melkt er ebenfalls zusammen mit einem Lehrling. Dafür benötigen sie täglich drei Stunden. Weniger als der Schweizer Bauer. Göppels Hof produziert mehr als die dreifache Menge Milch, pro Jahr 900 000 Liter – mit einem kleineren Aufwand.

Zusammenarbeit senkt Kosten

Die Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope wollte herausfinden, wie gross die Kostenunterschiede bei Ackerbaubetrieben sind und wo die Bauern Kosten vermeiden könnten. Die Studie zeigt: Die durchschnittlichen Produktionskosten betragen in Baden-Württemberg 2502 Franken pro Hektar. In der Schweiz liegen sie hingegen bei 4151 Franken pro Hektar. 66 Prozent mehr als in Deutschland.

Das müsste nicht sein, lautet das Fazit von Forschungsleiter Markus Lipps: Wenn die Bauern stärker zusammenarbeiten würden, könnten sie auch mit den jetzigen kleinräumigen Strukturen viel kostengünstiger arbeiten. In Bezug auf den Ackerbau gehe er davon aus, dass mittelfristig die Hälfte der Differenz zwischen Baden-Württemberg und der Schweiz eingespart werden könnte. Lipps:

« Der wichtigste Punkt sind die Maschinen, dass man dort mehr zusammenarbeitet. »

Das tun Deutsche Bauern schon lange. Josef Göppels Hof ist dreimal so gross wie der Hof seines Schweizer Kollegen. Trotzdem teilt er alle Maschinen mit einem anderen Bauern, deren Hof ebenso gross ist. An diesem Tag kommt der Betriebsleiter vom Partnerhof, um mit seinem Traktor die Wiese von Göppel zu düngen. Göppel wird dafür mit seinem Traktor den Mais des Kollegen säen. Der stärkste Traktor von Josef Göppel kostete umgerechnet 100‘000 Franken. Er ist pro Jahr mindestens 500 Stunden im Einsatz.

Ganz anders in der Schweiz: Der stärkste Traktor von René Gubler kostete 81‘000 Franken und ist pro Jahr nicht einmal 200 Stunden im Einsatz. Und dies, obwohl Gubler sich bemüht, seine Maschinen mit Nachbarn gemeinsam zu nutzen. Doch viele seiner Berufskollegen halten nichts von überbetrieblicher Zusammenarbeit. Der Traktor sei ein Prestigeobjekt, das man nicht gern teile, weiss Gubler.

Teure Maschinen zu wenig ausgelastet

Die Vergleichsstudie Schweiz-Baden-Württemberg zeigt: In Deutschland ist ein Traktor im Schnitt während 625 Stunden im Einsatz, in der Schweiz nur 373 Stunden. Die Deutschen nutzen den Traktor 67 Prozent mehr.

Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter weiss, dass Bauern mit Kooperationen massiv Kosten sparen könnten. Er selber hat vor zehn Jahren im Thurgau einen Maschinenring aufgebaut. Walter betont, dass immerhin die Jungbauern vermehrt überbetrieblich zusammen arbeiten wollen, räumt aber ein, dass sich viele Bauern damit noch schwer tun. Deshalb brauche es mehr Sozialkompetenz. Walter: «Man muss Rücksicht nehmen auf seinen Partner und beim eigenen Vorteil zurückstecken können.» Dazu brauche es eine gesunde Einstellung.

Avenir Suisse kritisiert seit Jahren die ineffiziente Schweizer Landwirtschaft. Agrarexperte Hans Rentsch sagt, dass der Leidensdruck bei den Schweizer Bauern zu klein sei. Dank der milliardenhohen Direktzahlungen und dem abgeschotteten Markt könnten es sich viele Bauern leisten, inneffizient zu arbeiten. Sie würden staatlich über Wasser gehalten. Rentsch:

« Das führt dazu, dass der ganze Strukturwandel abgebremst wird. »