Überteuerte Markenprodukte – so wird abkassiert

Viele Markenprodukte sind in der Schweiz massiv teurer als im Ausland. Ein Grund: Schweizer Detailhändler müssen im Einkauf mehr bezahlen als Deutsche im Supermarkt. «Kassensturz» nennt extreme Beispiele.

Kasse

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Der Haarspray «Diamond Gloss» von Nivea kostet bei DM in Deutschland 2.75 Euro. Umgerechnet und ohne Mehrwertsteuer sind das 2.84 Franken.

Pikant ist, dass Schweizer Detailhändler für dieses Produkt im Einkauf mehr bezahlen müssen als Verbraucher in Deutschland, nämlich 3.30 Franken.

Auch für einen Haarspray von L’Oréal oder für ein Puzzle von Ravensburger sind die Einkaufspreise für Schweizer Detailhändler höher als die Ladenpreise in Deutschland

Kritik der Migros

Derart hohe Einkaufspreise für Detailhändler sind ein wichtiger Grund dafür, dass Konsumenten in der Schweiz für viele Markenprodukte deutlich mehr bezahlen müssen als im Ausland.

Martin Schläpfer, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik bei der Migros, kritisiert gegenüber «Kassensturz»: «Unsere Ankaufspreise sind bei vielen internationalen Markenprodukten noch immer höher als die Verkaufspreise in Deutschland.»

Einkaufstourismus für 8 Milliarden Franken

Die hohen Schweizer Preise sind für die Detailhändler zunehmend ein Problem. Die IG Detailhandel, der Migros, Coop oder Coop angehören, geht davon aus, dass die Gesamtsumme des Einkaufstourismus jährlich über 8 Milliarden beträgt.

Gemäss einer noch unveröffentlichten Studie des Marktforschungsinstituts GfK kauften Schweizer Konsumenten im Jahr 2012 Körper-, Haar- und Mundpflegeprodukte, Hygieneartikel sowie Parfüm in der Höhe von 640 Mio. Franken im Ausland ein.

Nivea-Hersteller Beiersdorf wehrt sich

Die Markenartikel-Konzerne weisen den Vorwurf zurück, in der Schweiz überhöhte Preise zu verlangen. Nivea-Hersteller Beiersdorf betont gegenüber «Kassensturz», dass die Kosten in der Schweiz für Löhne, Mieten oder Werbung deutlich höher seien.

Beim Haarspray verteure zudem eine Lenkungsabgabe das Produkt. Gleichzeitig erklärt Beiersdorf, dass die Margen des Detailhandels in Deutschland deutlich tiefer seien als in der Schweiz.

Zum Preisvergleich des 3D Puzzle Brandenburger Tor sagt die Carlit+Ravensburger AG, dass der genannte Ladenverkaufspreis in Deutschland (umgerechnet 25.41 Franken exkl. Mehrwertsteuer) ein sehr «aggressiver Preis» sei, der unter dem deutschen Listenpreis liege.

Änderung des Kartellrechts

In der Regel sind Grossverteiler gezwungen, bei der Schweizer Vertretung des Markenartikel-Herstellers Waren zu beziehen. Wenden sie sich an ausländische Vertriebsfirmen, werden sie nicht beliefert. So können Grosskonzerne in der Schweiz höhere Preise durchsetzen.

Eine Änderung des Kartellrechts, für die eine Motion von SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo den Anstoss gegeben hat, soll den Schweizer Unternehmen mehr Möglichkeiten geben, günstiger im Ausland einzukaufen.