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Konsum Versteckte Kamera: Im Ausland beliebt, in der Schweiz verboten

TV-Sendungen in aller Welt verwenden versteckte Bild- und Tonaufnahmen, um Missstände zu belegen und dubiose Geschäftemacher zu überführen. Schweizer Medien können seit einiger Zeit kaum mehr zu diesem wichtigen Mittel greifen. Denn das Bundesgericht hat «Kassensturz» zurückgepfiffen.

Ein übergewichtiger Mann sitzt an einem Pult und spricht mit jemandem.
Legende: Der ahnungslose Pferdehändler wird mit der versteckten Kamera überführt. BBC

In England, Italien oder Deutschland setzten Fernsehjournalisten die versteckte Kamera ein. In der Sondersendung «Kassensturz international» konnte man ein Beispiel des Fernsehsenders BBC sehen: Dank der verdeckten Aufnahmen verfügte die englische Konsumentensendung «Watchdog» über unmittelbare Beweise, dass ein Pferdehändler falsche Angaben machte.

Auch «Kassensturz» deckte mit Hilfe der versteckten Kamera zahlreiche Missstände auf: So zogen Versicherungsvertreter einer Kundin das Geld aus der Tasche und schwatzten ihr unnötige Produkte auf.

Nur dank der verdeckten Aufnahmen konnte «Kassensturz» zweifelsfrei beweisen, wie schlecht diese Vertreter wirklich arbeiteten. In solchen Fällen sei die versteckte Kamera gerechtfertigt, sagen namhafte Medienjuristen.

Jetzt beim Europäischen Gerichtshof

Das Bundesgericht sah dies im Jahr 2008 anders. Gemäss dem höchsten Schweizer Gericht war das Filmen mit versteckter Kamera nicht nötig. Die Missstände hätten auch mit anderen Mitteln nachgewiesen werden können.

Mit diesem umstrittenen Urteil erschwerte das Bundesgericht die Arbeit von investigativen Fernsehjournalisten.

Gegen den Entscheid des Bundesgerichts hat SRF beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde eingereicht.

Legende: Video «6 Jahre Warten auf Urteil aus Strassburg zur Versteckten Kamera» abspielen. Laufzeit 0:18 Minuten.
Aus Kassensturz vom 06.01.2015.

«Kassensturz international»

«Kassensturz international»

In einer Sondersendung zeigte «Kassensturz» spannende Beiträge von Konsumenten-Sendungen aus aller Welt. Mehr

5 Kommentare

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  • Kommentar von Nemo Tenetur, Bern
    Damit in unserem Land Polizei und Staatsanwaltschaft mit versteckter Kamera ermitteln können, sieht das Gesetz (StPO, kant. Polizeigesetze) sehr hohe Hürden und ein streng justizförmiges Verfahren vor (Katalogtaten, Zwangsmassnahmengericht, ...). Und das zu Recht. Gehe ich richtig in der Annahme, dass wenn nun der Kassensturz den Entscheid des Bundesgerichtes weiterzieht, man davon ausgeht, Journalisten hätten in diesem Land mehr Rechte, als die Strafverfolgungsbehörden? Spannend...
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    1. Antwort von Johannes Doessegger, Adligenswil
      Sehr geehrter Herr Tenetur, Als erstes möchte ich Ihnen versichern, dass ich die mit Ironie überdeckte grundsätzliche Empörung, welche von Ihrem Statement entweicht, vollkommen verstehe und auch mit Ihnen teile. Allerdings muss ich Ihnen als zweites trotzdem eine gesunde Portion Naivität zuschreiben. Worauf basiert Ihre Erwartungshaltung, dass dem nicht so wäre?
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    2. Antwort von Johannes Doessegger, Adligenswil
      Oder dominiert in der Aussage doch der Ton einer utopischen Wunschvorstellung Ihrer Ideale, an die Sie aber im Grunde genommen selber nicht mehr glauben? (Was Sie im Prinzip schon zum Zyniker befördern würde.) Oder sind Sie nur negativ überrascht und auch enttäuscht darüber, dass "man davon ausgeht" und nicht alle noch rational denken wie Sie und Ich?
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    3. Antwort von Johannes Doessegger, Adligenswil
      Zurück zur Naivität. Journalismus ist nicht vergleichbar mit einer Rechtsordnung. Recht basiert, zumindest bei uns, soweit ich das verstanden habe, auf gesetzlich verankerter Moral. Was bitte hat der heutige Journalismus mit Moral zu tun? Seien wir ehrlich: Medienethik hat seine Bedeutung im Jahr 2015 weitgehend verloren. Oder nicht? Bitte um Aufklärung. Besten Dank. Johannes Doessegger
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    4. Antwort von Nemo Tenetur, Bern
      Kurz und knapp: ich bin nicht naiv, nur zynisch... (und Strafrechtler...)
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