Verwirrend: Schon wieder neue Beschwerde-Plattform

Beschwerde-Plattformen schiessen momentan scheinbar wie Pilze aus dem Boden. Kaum hat die Stiftung für Konsumentenschutz ihre Plattform vorgestellt, kommt nun auch noch die Zeitschrift K-Tipp mit einem ähnlichen Produkt.

Immer häufiger möchten Konsumenten nicht mehr selber zum Telefonhörer oder dem Schreibstift greifen, wenn sie sich über schlechte Dienstleister ärgern. Beschwerde-Plattformen versprechen, die Reklamation an den richtigen Adressaten weiterzuleiten. Das neuste Angebot lanciert die Zeitschrift K-Tipp. Ihre Gratis-Plattform im Internet heisst «reklamation.ch». Der Kunde schreibt seine Beschwerde öffentlich auf, das Unternehmen wird automatisiert aufgefordert, Stellung zu nehmen. Ist der Fall abgeschlossen, bewertet der Kunde den Umgang mit seinem Ärger.

Wer hat‘s erfunden?

Erst kürzlich hat die Stiftung für Konsumentenschutz SKS ganz ähnliches präsentiert. Ihr Onlineportal heisst «beschwerdeleicht.ch» und leitet die Reklamation anonym an den Adressaten weiter. SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder zeigt sich überrascht von der Konkurrenz des K-Tipp: «Wir wussten nichts davon, dass eine zweite solche Plattform entwickelt wird. Für die Konsumentinnen und Konsumenten ist das sehr verwirrend. Schade, dass man nicht mit uns Kontakt aufgenommen hat.» Schliesslich sei seit Monaten bekannt gewesen, dass die SKS eine solche Plattform lanciere.

Peter Salvisberg, Mitglied der Geschäftsleitung des K-Tipp, reagiert gelassen. Man habe die Idee schon kopiert, gibt er zu. Jedoch nicht von der Stiftung für Konsumentenschutz, sondern von einer Organisation in Holland: «Das kommt halt vor, dass verschiedene Leute mit derselben Idee zur gleichen Zeit auf den Markt eintreten. Wir hatten unsere Planungsarbeiten schon im Winter gestartet.»

Eine grosse Plattform wäre besser

Bereits seit 2012 ist der selbständige Unternehmer Reto Puma auf dem Markt. Seine «reklamationszentrale.ch» berät frustrierte Kunden am Telefon oder schreibt für sie einen Brief an das kritisierte Unternehmen. Diese kostenpflichtige Dienstleistung werde immer beliebter: «Als ich damals Kontakt aufnahm mit dem K-Kipp und dem Konsumentenschutz, da wurde ich belächelt. Dass sie jetzt auch mit einem solchen Angebot kommen, macht mich sehr stolz.»

Allerdings findet auch Puma, dass eine gute, grosse Internet-Reklamierseite konsumentenfreundlicher wäre, als viele kleine. Aber vielleicht komme das ja irgendwann zustande. Die Stiftung für Konsumentenschutz sagt, sie wolle diesbezüglich Kontakt aufnehmen mit dem K-Tipp.