Weko nimmt «Harley-Davidson» ins Visier

Bei der Wettbewerbskommission läuft seit Dezember eine Vorabklärung gegen den Schweizer Generalimporteur von «Harley-Davidson»-Motorrädern. Er soll verhindert haben, dass im Ausland den Schweizer Kunden Töffs für den Import in die Schweiz verkauft wurden.

Harley-Davidson

Bildlegende: Konsumenten war es nicht möglich, Motorräder direkt aus den USA oder dem EU-Raum zu importieren Colourbox

Wie der stellvertretende Weko-Direktor Patrik Ducret im Konsummagazin «Espresso» auf DRS1 sagt, seien Beschwerden von mehreren Konsumenten eingegangen.

Sie beklagten sich, dass sie probiert hätten, Motorräder direkt aus den USA oder dem EU-Raum zu importieren. Dort sei ihnen gesagt worden, dass man nicht an Schweizer Kunden liefern dürfe. Die Wettbewerbskommission sei deshalb im Gespräch mit dem Schweizer Generalimporteur.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, könnte gegen diesen eine Untersuchung eingeleitet und Massnahmen angeordnet werden. «Harley-Davidson Schweiz» wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Es handle sich um ein laufendes Verfahren.

Über 20 Prozent billiger

Die Kult-Motorräder sind zur Zeit wegen des starken Frankens im Ausland bedeutend günstiger als in der Schweiz. So kostet eine Harley «Sportster Iron 883» in Deutschland rund 8200.- Euro (inklusive 19 % Deutscher Mehrwertsteuer). In der Schweiz kostet das gleiche Modell 11'200.- Franken (inklusive 8 % Schweizer MWSt.).

Beim Import in die Schweiz erhalten private Importeure die Deutsche Mehrwertsteuer zurück und müssen an der Zollstelle die Schweizer Mehrwertsteuer zahlen. Zusätzlich kostet ein Motorrad noch 37.- Franken Zoll pro 100 kg Brutto-Gewicht. Bei einem Eurokurs von 1.20 Franken wird das Motorrad somit über 20 Prozent billiger.

«Damit die Weko ein Verfahren einleiten kann, muss eine Wettbewerbsabrede vorhanden sein,» erklärt Patrik Ducret. «Es reicht nicht allein, wenn ein Produkt im Ausland bedeutend günstiger ist, als in der Schweiz.»

«Kassensturz» deckte vor zwei Jahren auf, dass BMW in Deutschland Schweizern keine Autos verkaufte. Nach Einschreiten und einem Verfahren der Weko wurde diese Diskriminierung aufgehoben.

Zur Zeit hat die Weko ein Verfahren gegen den Elektrogeräte-Hersteller «Jura» und den Kosmetik-Produzenten «Care On Skin» am Laufen. Resultate sind noch keine bekannt.

Import für Private wurde erleichtert

Der Import wurde für Neufahrzeuge vor ein paar Jahren bedeutend erleichtert, seitdem mit dem Fahrzeug ein europakonformes sogenanntes COC-Formular mitgeliefert wird. Das Dokument beurkundet, dass europaweit der gleiche Fahrzeugtyp mit denselben Abgas- und Lärmgemmissionen ausgeliefert wird.

Schweizer Strassenverkehrsämter immatrikulieren Neufahrzeuge mit COC-Formular direkt nach dem Import in der Regel problemlos.

Euro-Abzocke der Weko melden

Wenn beim Import Währungsvorteile nicht an Konsumenten weitergegeben werden, kann dies der Weko direkt gemeldet werden. Die Kommission hat dazu ein Merkblatt und ein Meldeformular (siehe Box «Mehr zum Thema») bereit gestellt. Dieses muss gesendet werden an weko@weko.admin.ch oder per Post an Wettbewerbskommission Sekretariat, Monbijoustrasse 43, CH 3003 Bern.