Werbung für Schlankheitspille ist unlauter

«8 Pfund weg in 10 Tagen», das verspricht die Pille «Feigenkaktus Medoslim» in ganzseitigen Zeitungsinseraten. «Espresso» hat gegen diese Werbung Beschwerde eingereicht. Urteil der Lauterkeitskommission: Die Werbung ist unlauter und verstösst vermutlich auch gegen das Heilmittelgesetz.

Inserat

Bildlegende: Das Inserat wurde ganzseitig in Zeitungen geschaltet. zvg

«Sie dürfen essen, soviel Sie wollen» und «8 Pfund weg in 10 Tagen»: So bewarb die Firma Alpha Polaris aus Schaan in Liechtenstein ihre Schlankheitspillen «Feigenkaktus Medoslim»  in ganzseitigen Inseraten im «Blick» und anderen Zeitungen.

«Espresso» hatte im November darüber berichtet, dass solche Schlankheitspillen, welche die Fettaufnahme vermindern, kaum wirksam sind. Der Fettleibigkeitspezialist Renward Hauser sagt: «Diese Tabletten suggerieren, dass man dank ihnen einfach abnehmen kann. Doch die Wirkung ist sehr bescheiden.»

Klage von «Espresso»

Abnehmen würde vor allem das Portmonee. Eine Packung mit 60 Tabletten kostet über 50 Franken und reicht gerade mal für zwei Wochen.

Nach dem Bericht reichte «Espresso» Klage ein bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission für faire Werbung. Und bekam Recht! Diese Werbung ist unlauter, beschloss die Kommission. Gegen den Beschluss ist noch bis Anfang März ein Rekurs möglich.

Die Begründung der dritten Kammer der Lauterkeitskommission ist klar: «Die Aussage, ‹Sie dürfen essen, so viel Sie wollen› ist offensichtlich unrichtig, wird doch in der Gebrauchsinformation zum Produkt aufgeführt, dass das Produkt nur bei kalorienarmer Ernährung und Bewegung beim Abnehmen hilft.»

Das Inserat suggeriert aber genau das Gegenteil, dank der Tablette könne man einfach so überflüssige Pfunde verlieren.

Keine Beweise der Wirkung

Die Firma Alpha Polaris schrieb, dass es Studien zur Wirksamkeit der Schlankheitspillen gebe. Belege zu dieser Behauptung blieb Alpha Polaris jedoch der Lauterkeitskommission schuldig.

Inserat

Bildlegende: Das Inserat. zvg

Die Lauterkeitskommission empfiehlt der Firma Alpha Polaris, künftig darauf zu verzichten, in Inseraten zu schreiben, «Sie dürfen essen, so viel Sie wollen».

Zudem soll die Firma in Zukunft auch in Inseraten darauf hinweisen, dass die Schlankheitspillen nur bei kalorienreduzierter Ernährung und Sport ein Hilfsmittel zur Gewichtsabnahme seien.

Die Lauterkeitskommission vermutet bei den «Feigenkaktus-Medoslim-Tabletten» eine mögliche Verletzung des Heilmittelgesetzes. Dies weil in der «Medoslim»-Werbung von «Anweisungen an die Fettzellen» die Rede ist. Das ist ein arzneimittelrechtlicher Stoffwechsel-Vorgang, so die Lauterkeitskommission.

Diese Behauptung könnte zusätzlich eine Verletzung des Heilmittelgesetzes darstellen. Darum wird die Lauterkeitskommission das Feigenkaktus-Dossier zur weitern Abklärung an Swissmedic weiterleiten.

Der «Espresso»-Beitrag vom 15.11.2012: