0900er-Nummern: Hohe Grundgebühren fördern Missbrauch

Der Missbrauch von 0900er-Nummern sorgt immer wieder für Ärger: Erst möglich machen den Missbrauch die hohen Preisobergrenzen. Geschützt ist nur, wer die sogenannten Mehrwertdienstnummern auf seinem Handy oder Festnetz sperrt.

Der Bericht des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» sorgte wohl bei vielen für Stirnrunzeln: Einem Wirt ist seine Hilfsbereitschaft zum Verhängnis geworden. Er hatte einer jungen Frau sein Telefon geliehen, weil diese angeblich aufgrund eines Notfalls zuhause anrufen musste. Stattdessen telefonierte die Frau auf eine 0900er-Nummer – für insgesamt 800 Franken.

Dass es mit 0900er-Nummern immer wieder zu Missbrauch kommt, bestätigt Reto Hügli vom Bundesamt für Kommunikation. Von den derzeit rund 17‘000 Mehrwertdienstnummern würden aber nur wenige missbräuchlich genutzt. Wer Opfer solcher Betrügereien geworden sei, müsse sich bei der Polizei melden und Anzeige erstatten. Auch eine Meldung ans Bakom sei sinnvoll. Missbräuchlich genutzte 0900er-Nummern würden gelöscht.

Sind die Maximal-Preise noch zeitgemäss?

Gefördert wird der Missbrauch von 0900er-Nummern durch die hohen Preisobergrenzen. Das Parlament hatte 2006 unter anderem beschlossenen,

  • dass eine Grundgebühr von bis zu 100 Franken erhoben werden kann.
  • Eine Minute darf mit bis zu 10 Franken in Rechnung gestellt werden.
  • Und eine Verbindung darf maximal 400 Franken kosten.

Beim Bundesamt für Kommunikation heisst es, diese Obergrenzen seien sinnvoll, da so auch teure Dienstleistungen wie Beratungen via Telefon in Anspruch genommen werden könnten. «Wenn das Parlament jetzt zum Schluss kommen würde, dass diese Obergrenzen nicht mehr zeitgemäss seien, könnte man die Limiten natürlich ändern», sagt Sprecher Reto Hügli.

Mehrwertdienste sperren

Das Bundesamt für Kommunikation apelliert an die Eigenverantwortung der Konsumenten. Beim Anwählen von Telefonnummern mit speziellen Tarifen gelte es besondere Vorsicht walten zu lassen. Ausserdem solle man das eigene Telefon nicht fremden Leuten in die Hände geben.

Auf der ganz sicheren Seite ist, wer die Mehrwertdienstnummern auf dem eigenen Handy und Festnetz sperre. Das ist bei den meisten Anbietern online möglich – oder aber über den telefonischen Kundendienst. Übrigens: Sperren lassen sich beispielsweise nur 0906-Nummern (meist Angebote im erotischen oder pornografischen Bereich).

Zur Erinnerung:

Die Spezialnummern und ihre Kosten

TelefonnummerGebühren
0800Gratis. Mögliche Kosten entstehen bei Anrufen von öffentlichen
Apparaten, aus dem Ausland und bei Anrufen mit dem Handy.
18xy (Auskunftsdienste)Grundgebühr plus Minutenpreis. Anrufe von Mobilgeräten teilweise mit
Zusatzgebühr.
084x (Gebührenteilungsnummern)Höchstens 7,5 Rappen pro Minute.
090x (Mehrwertdienste)Von 10 Rp. bis mehreren Franken pro Minute.
112 (Notruf)Immer gratis.
117 (Polizei)Immer gratis.
118 (Feuerwehr)
Immer gratis.
144 (Sanität)
Immer gratis.
143 (Dargebotene Hand)Max. 20 Rp. pro Anruf (70 Rp. von öffentlichen Apparaten aus).
147 (Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche)Immer gratis.
162, 163, 140, 187 usw. (Informationsdienste)Zwischen 20. Rp. und 2 Franken pro Minute.

«Espresso» vom 07.03.2016:

«Espresso» vom 07.03.2016:

Erneuter Betrug mit teurer 0900er-Nummer

090x-Nummern sperren:

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann teure Nummern für Anrufe sperren. Hier erfahren Sie, wie es geht: