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Multimedia 1818 - die teure Verbindung

Wer sich vomTelefon-Auskunftsdienst 1818 direkt zu einer Nummer verbinden lässt, kann eine böse Überraschung erleben. Die Telefonrechnung Ende Monat ist plötzlich so hoch wie nie. Schuld sind die teuren Verbindungstarife. Dessen sind sich vor allem ältere Menschen nicht bewusst.

telefonierende Frau mit Headset
Legende: Verbindet die freundliche Auskunft-Stimme direkt, kann es teuer werden. Colourbox

«Espresso»-Hörer Stefan Bracher aus Bern erzählt von seiner 85-jährigen Mutter: «Sie brauchte eine Nummer, die nicht im regionalen Telefonbuch war und hat sich gefreut, als eine freundliche Stimme von 1818 gefragt hat, ob sie sie gleich verbinden soll.» Als sie Ende Monat gesehen habe, dass 51 Minuten telefonieren sie fast 110 Franken gekostet haben, sei sie «furchtbar erschrocken.»

Legal dank Computeransage

In der Hitze des Gefechts überhören viele Leute die Computer-Durchsage, dass eine Verbindung einen gewissen Preis pro Minute kostet. Oder sie hören die Durchsage, verstehen aber nicht, dass das nicht nur der Preis für die Verbindung ist, sondern dass das ganze folgende Gespräch damit gemeint ist. Oliver Sidler, Ombudsmann Telekommunikation, versteht, dass es zu Missverständnissen kommen kann. Er sagt aber: «Solange der Auskunftsdienst mit einer Computerdurchsage auf den Preis hinweist, ist das vollkommen legal.»

Grosse Preisunterschiede

Bei den zwei Schweizer Auskunftsdiensten hört man eine solche Computerdurchsage, wenn man verbunden wird. Auffallend ist dabei, dass eine Verbindung mit Swisscom-1811 wesentlich günstiger ist als bei 1818. Bei 1811 zahlt man 22 Rappen pro Minute, bei 1818 sind es 1 Franken 99 Rappen pro Minute, also rund 9 Mal mehr. Bei der Firma Conduit, Betreiberin des Auskunftsdienstes 1818, heisst es zum grossen Preisunterschied in einer schriftlichen Stellungnahme:  «Durch unsere Preisgestaltung stellen wir sicher, dass 1818 auch in Zukunft der führende Spezialist im Bereich Auskunftsdienst bleibt.»  Eine Preis-Obergrenze gibt es laut Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nicht.

Auskunftsdienste nicht mehr so gefragt

Bei der 1818-Konkurrenz von Swisscom weist Mediensprecher Olaf Schulze darauf hin, dass die Zahl der Anrufe bei Auskunfsdiensten seit Jahren rückläufig ist. «Mit den Computern und Smartphones gibt es viele Alternativen zum Telefon-Auskunftsdienst», sagt er. Deshalb würden auch die Kosten steigen. Offenbar kann ein Auskunftsdienst nur so noch rentieren.

4 Kommentare

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  • Kommentar von buda, SZ
    Schlimm ist, dass besonders ältere Leute hier bewusst abgezockt werden. Diese hören oft nicht mehr gut, verstehen auch nicht um was es geht und trauen sich kaum zu wehren. Das ist dann meist Sache der Kinder, wenn noch welche da sind die helfen. Die Jungen suchen die Nummer über local od search da bald jedes Handy Internetzugang hat. Für die Jungen selbstverständlich zu deutlich geringeren Preisen (bis 27 Jahre). Die Alten bezahlen die Differenz. Faire Umlagerung oder einfach billige Abzock...
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  • Kommentar von K. Räschter, Schweiz
    Wieso wird hier nicht vom Gesetz vorgeschrieben, dass eine Ansage kommt, welche einem den Preis nennt, welches es kostet pro Minute. Dann ist man wenigstens vorgewarnt. Ich habe das Gefühl, dass unser Konsumentenschutz und die zuständigen Politiker nichts unternehmen, um uns Konsumenten vor der Willkür vor solchen Abzocker und/oder Gauner besser zu schützen.
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    1. Antwort von Martin, SZ
      Ich bin politisch ziemlich links und habe deshalb grundsätzlich nichts gegen einen starken Staat. Wenn man aber anfangen würde für solch spezifische (und bei allem Respekt sehr unbedeutende) Probleme Gesetzte aufzustellen, führt das deutlich zu weit. Man kann ja schliesslich nicht überall Gesetze erinführen, ein wenig darf man sich auch auf die Vernunft und die Vorsicht jedes einzelnen verlassen. Den älteren Mitbrürgern zu helfen ist in diesem Fall sicherlich nicht Aufgabe des Staates.
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  • Kommentar von Marianne R., Gwatt
    Es kann ja nicht sein, dass bei uns offiziell und legal "Betrogen" wird. Es wird wohl kein normaler Mensch eine direkte Verbindung wollen, wenn er wüsste, dass der angegebene Preis dann auch noch pro Minute während dem ganzen Gespräch kosten wird. Es ist sehr schlimm bei uns in der Schweiz. Unternehmer und auch Politiker befürworten es, dass Leute ausgenommen werden. Das ist "Betrug" vom schönsten. Ich hoffe, dass dies sofort geändert wird.
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