Zum Inhalt springen

Multimedia Bärenstark AG: Schlechte Leistung und unfaire Methoden

Und plötzlich ist man nicht mehr Herr über seine eigene Internetseite: Der Webdesigner Bärenstark AG verspricht viel und liefert wenig. Die Firma sperrt die Internetseite eines Kunden und lässt sich sogar als Inhaber des Domainnamens eintragen. Der Experte sagt: «So geht das nicht!»

Legende: Audio Bärenstark AG: Schlechte Leistung und unfaire Methoden abspielen. Laufzeit 5:24 Minuten.
5:24 min, aus Espresso vom 18.06.2015.

Larissa Rebetez führt seit sieben Jahren ein Kosmetikgeschäft in Basel. Zu diesem Geschäft gehört auch die Internetseite larissaspa.ch. Eine einfache Seite zwar, aber sie funktionierte immer. Bis die Firma Bärenstark AG auftauchte.

Was die Webdesign-Firma versprach, klang vielversprechend: Man werde Frau Rebetez‘ Internetseite optimieren, die Texte professionell und verkaufspsychologisch gestalten, die Bilder verbessern und dafür sorgen, dass larissaspa.ch bei Google zu den Top-Suchresultaten gehöre. Larissa Rebetez und ihr Mann fanden Gefallen an diesem Angebot und unterschrieben einen Dreijahresvertrag für rund 18‘000 Franken.

Nichts, als eine Verschlimmbesserung

Bald tat sich etwas auf larissaspa.ch. Von einer Optimierung konnte allerdings keine Rede sein: «Überhaupt nicht!», erzählt Larissa Rebetez, «zuerst war die Internetseite nicht mehr abrufbar, und erst nach unzähligen Anrufen wurde sie nach fünf Monaten wieder aufgeschaltet. Was ich dann gesehen habe, war eine grosse Enttäuschung.» Auf der Webseite wurde nämlich praktisch nichts geändert. Und was geändert wurde, überzeugte nicht: Die Texte waren gespickt mit Schreibfehlern, die Bilder verpixelt, der E-Mail-Button funktionierte nicht. Der Kosmetiksalon war per E-Mail nicht mehr erreichbar. Dann war seitens Bärenstark sogar Funktstille – für ganze zwei Monate.

Die Rebetez‘ hatten genug. 18‘000 Franken für so etwas? Da sie nicht die vereinbarte Leistung erhielten, bezahlten sie die nächste Rechnung nicht. Und prompt tauchte Bärenstark wieder aus der Versenkung auf – und fuhr die Krallen aus: Kurzerhand nahmen sie die Internetseite larissaspa.ch vom Netz. Der Kosmetiksalon war aus der digitalen Welt verschwunden. Schlecht fürs Geschäft, sagt Frau Rebetez: «Das bedeutet für mich Umsatz- und Imageverlust. Ich gewinne keine neuen Kunden, stehe gegenüber der Konkurrenz schlecht da, und sogar meine Stammkunden können mich nicht mehr per Internet erreichen.»

Seite darf nicht als Druckmittel benutzt werden

Auf Anfrage von «Espresso», dem Konsumentenmagazin von Radio SRF 1, bestätigt Bärenstark, dass die Seite gesperrt wurde. Per Mail schreibt die Firma, man werde sie wieder aufschalten, sobald die Rebetez‘ ihre Rechnung bezahlten. Natürlich hat ein Webdesigner die technischen Möglichkeiten, eine Seite zu sperren. Das Vorgehen ist allerdings sehr aussergewöhnlich, findet David Vasella, Experte für IT und Datenschutz: «Das darf ein Webdesigner natürlich nicht tun. Er hat kein Retentionsrecht an einer Seite und darf eine Sperrung auch nicht als Druckmittel einsetzen.» Bezahle ein Kunde nicht, müsse man anders vorgehen.

Nun könnte man ja annehmen, dass die Rebetez‘ als Inhaber des Domainnamens die Seite beim Webhoster wieder aufschalten lassen können. Weit gefehlt: Bärenstark liess sich nämlich klammheimlich als neuer Inhaber von larissaspa.ch eintragen. Möglich war das, weil Domainnamen-Inhaberschaften regelmässig verlängert werden müssen. Passiert das nicht, ist der Name wieder frei auf dem Markt und ein anderer kann ihn sich krallen. Und genau das machte Bärenstark. Am gleichen Tag, als die Rechte für den Namen ausliefen.

Zwar kann Bärenstark grundsätzlich einen abgelaufenen Domainnamen übernehmen, aber das sei definitiv nicht die feine Art, sagt David Vasella: «Es ist extrem unschön, wenn sich ein Webdesigner, der ja eine vertragliche Vereinbarung mit seinem Kunden hat, einfach dessen Domain verschafft. Zudem dürfte das auch gegen den Vertrag verstossen, den Bärenstark mit dem Kunden hat.»

Es bleibt der Weg vor Gericht

Der Webdesigner wäscht seine Hände in Unschuld und schreibt «Espresso», er hätte mit diesem Halterwechsel nichts zu tun: «Wir können nur davon ausgehen, dass diese Änderung seitens Larissa Spa vorgenommen wurde.» Das stimmt nicht. «Espresso» liegt die Bestätigung vor, dass Bärenstark sich als neuer Inhaber eintragen liess. Ausserdem sind der Redaktion weitere Kunden bekannt, die erstaunt feststellen mussten, dass sie nicht mehr Herr ihrer eigenen Seite sind.

Bärenstark schreibt weiter, man hätte überhaupt keinen Nutzen von einem solchen Wechsel. Doch auch das ist nicht richtig: Die Firma hat so ihre Kunden in der Hand und kann mit deren Seiten anstellen, was sie will. Wie im Fall von Larissa und Laurent Rebetez.

Für sie hält der David Vasella hält keine allzu rosigen Aussichten bereit. Zwar sei nicht ausgeschlossen, dass es sich bei diesem Vorgehen von Bärenstark um Nötigung handle. In einem solchen Fall könnte Strafanzeige erstattet werden. «Und sonst bleibt leider nur der Weg vor’s Gericht, und das ist aufwändig und teuer.»

Diese Mühe ersparen sich Larissa und Laurent Rebetez. Sie eröffnen nächstens eine andere Internetseite mit neuem Namen. Den Gang vor Gericht überlassen Sie der Firma Bärenstark AG. Mittlerweise hat diese nämlich eine Betreibung eingeleitet, und die Rebetez‘ haben umgehend Rechtsvorschlag erhoben. Somit liegt es an Bärenstark, vor Gericht zu beweisen, dass die Forderung berechtigt ist. Und das könnte schwierig werden.

Zusammenarbeit mit einem Webdesigner:

Die wichtigsten Tipps vom Experten David Vasella

Wählen Sie Ihren Vertragspartner sehr sorgfältig aus. Webdesigner ist kein geschützter Titel, deshalb sollte man vorher Referenzen einholen oder Bekannte nach deren Erfahrungen fragen.

Achten Sie darauf, dass klare Abmachungen und transparente Verträge vorliegen.
Beugen Sie Missbrauchspotenzial mit Logindaten vor. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, dass ein Webdesigner die Seite auf seiner eigenen Infrastruktur gestaltet und nach der Abnahme auf den Server des Kunden überträgt und alle Logindaten übergibt.

Die Handhabung der Logindaten sollte auf jeden Fall mit dem Webdesigner angesprochen werden. Macht seine Reaktion Sie stutzig, verzichten Sie lieber auf eine Zusammenarbeit.

Behalten Sie immer ein Backup Ihrer Daten.
Verlangt der Webdesigner Ihre Logindaten, fragen Sie ruhig nach, wofür er das genau braucht und lassen Sie es sich erklären.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Christoph Geraets, 4144 Arlesheim
    Das wenige was Sie ablieferten war absolut unqualifiziert. Das Logo hatte zB. 46 schwere grafik-technische Fehler, wurde 2 x nachgebessert und war noch immer unbrauchbar. Uns wurden absolute Leien als Grafiker aus Polen vorgeführt. Diese verstanden nicht einmal das 1 x 1 von Grafik. Telefonisch und per Email seit Februar 15 nicht mehr erreichbar. Homepage nie abgeliefert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Peter Hassler, 8600 Dübendorf
    Das Vorgehen der Webfirma ist total unüblich. Aber man sollte ich auch einmal überlegen WARUM man einen Vertrag für monatlich 500.- auf 3 Jahre, zur Pflege einer EINFACHEN Website, unterschreiben soll. Im weiteren wäre es sicher auch nicht falsch sich die Erneuerung der Domäne im Kalender einzutragen. Normalerweise versendet der Registrar auch vorgängig eine Rechnung für die Verlängerung. Dieses Dileman hätte man, mit etwas gesunden Menschenverstand, vermeiden können.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Beat Emch, Eglisau
    Die Firma Bärenstark hat auch in unserer Firma nicht der Usanz entsprechende Leistung geliefert. Die Orthographie und Grammatik war auf einem derart erbärmlichen Niveau, dass eine Veröffentlichung undenkbar war. Die mittlerweile konkursite Frima, respektive deren verantwortlichen Funktionäre werden wir vor Gericht soweit wie möglich zur Rechenschaft ziehen. Davon erhoffen wir uns zwar nicht viel, nur, wenn nicht konsequent gegen solche Organisationen vorgegangen wird, tauchen sie wieder auf.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten