Deutscher Webshop liefert nicht an Schweizer

Auf der Schweizer Internetseite des Onlinehändlers Waschbär sind die Preise deutlich höher als in Deutschland. Waschbär.de verweigert generell die Lieferung an Kunden mit Schweizer Wohnsitz.

Ein Baby-Overall kostet auf Waschbaer.de umgerechnet rund 49 Franken. Auf Waschbaer.ch kostet der genau gleiche Overall 74.90 Franken. Ein weiteres Beispiel: Im deutschen Onlineshop kostet eine Baby-Mütze umgerechnet 11.55 Franken – Im Schweizer Shop müssen Kunden 17.50 Franken hinblättern.

Auch hier ein Preisaufschlag von über 50 Prozent! «Espresso» vergleicht weitere Artikel und stellt fest: Aufschläge in diesem Ausmass sind im Shop eher die Regel als die Ausnahme.

«Risikoaufschlag» als Rechtfertigung

Der deutsche Online-Händler rechtfertigt sich auf Anfrage von «Espresso» mit einem «Risikoaufschlag wegen Kursschwankungen» sowie generell höheren Preisen für Dienstleistungen, die man in der Schweiz in Anspruch nehmen müsse.

Es sind also dieselben Argumente, die meistens angeführt werden, wenn es um Preisunterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland geht.

«Espresso»-Hörer Gabriel Brombacher aus Binningen (BL) wird bald Vater und wollte bei «Waschbär» Baby-Sachen bestellen. Er weiss um die grosse Preisdifferenz und hat deshalb bewusst beim deutschen Onlineshop bestellt.

Mit einer Lieferadresse in Grenznähe ist das normalerweise kein Problem. Gabriel Brombacher bestellt Waren jeweils an die Lieferadresse in Deutschland und holt sie dort ab.

«Erheblicher manueller Mehraufwand»

Nicht so bei der Bestellung auf Waschbaer.de. Ein paar Tage nach der Online-Bestellung erhält Gabriel Brombacher einen Anruf. Eine Lieferung sei nicht möglich, heisst es.

Er solle doch den Schweizer Onlineshop benutzen, erklärt ihm eine «Waschbär»-Mitarbeiterin. Gabriel Brombacher ist verdutzt und erwidert, er habe ja an eine deutsche Adresse bestellt. Eine befriedigende Antwort bekommt er nicht.

«Espresso» fragt bei Waschbär nach. Die Verantwortlichen nehmen schriftlich Stellung: «Es ist uns nicht möglich, eine Rechnungsadresse in dem einen Land einzurichten und die Lieferung in das andere Land zu schicken.

Eine solche Art der Auftragsabwicklung ist für uns mit einem erheblichen manuellen Mehraufwand verbunden.» Wie dieser Mehraufwand aussehen soll, bleibt unklar.

Ein weiterer Trick ist nötig…

Immerhin: Ein Hintertürchen bleibt offen. Wer als Rechnungs- oder Wohnadresse ebenfalls die Lieferadresse in Deutschland angibt, wird als deutscher Kunde registriert und dementsprechend beliefert. Dies setzt jedoch voraus, dass dies der Betreiber der Lieferadresse auch akzeptiert.

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