Internet-Kauf: Die neuen Tricks der Betrüger

Tausende kaufen täglich über die Internetplattformen Ricardo oder Ebay ein. Doch immer mehr Betrüger treiben dort ihr Unwesen und täuschen mit unverfrorenen Tricks selbst erfahrene Internetnutzer. «Kassensturz» sagt, wie sich Käufer wappnen können.

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Internet-Kauf: Die neuen Tricks der Betrüger

8:13 min, aus Kassensturz vom 25.11.2008

Urs Fellmanns Traum sind Dekorationsfelgen für seinen Renault. Im Internet sucht er danach. Im Online-Auktionshaus Ricardo wird er fündig. Fellmann ist begeistert, der Preis stimmt: 200 Franken pro Felge. Zwei Drittel muss er im Voraus bezahlen – beim Internet-Kauf nicht unüblich.

Konto plötzlich blockiert

Als Verkäuferin der Felgen erscheint die Firma Exclusive-Wheels in Österreich. Normalerweise haben auf Internetplattformen seriöse Firmen gute Bewertungen. Hier sind keine vorhanden, die Firma scheint neu zu sein.

Doch wenig später ist das Firmenkonto auf der Seite von Ricardo plötzlich blockiert. Geprellte Kunden beschreiben ihre Erfahrung. Viele haben wie Urs Fehlmann im Voraus bezahlt, die Felgen jedoch nie erhalten. Fehlmann ist wütend: «Das ist eine Schweinerei.»

Das Geld ist weg, doch die Ware wird nie geliefert. Auch Monika Egger wurde Opfer von dubiosen Internetverkäufern. Sie fand im Internetauktionshaus Ricardo eine verlockende Garnitur Teakholzmöbel für den Garten. Preis: 651 Franken plus Lieferkosten.

Fingierte Bewertungen

Der Anbieter: Handelspunkt Zueri. Verkäufer ist angeblich ein gewisser Özdemir Ibra. Auch dieser fordert eine Vorauszahlung. Monika Egger zahlt. Die Bewertungen sind durchwegs positiv. Doch sie erhält ihre Möbel nicht. Was sie nicht wissen kann: Handelspunkt Zueri hat seine Kunden mit einem Vorwand dazu gebracht, ihn positiv zu bewerten.

Wer steckt hinter Handelspunkt Zueri? Nach der Versteigerung meldet sich die Firma Tradepoint/Reichmacher, eingetragen an der ehemaligen Privatadresse eines Herrn Guido Reichmacher. Der Verdacht: Reichmacher hat Özdemir Ibra nur vorgeschoben.

Denn Reichmacher ist kein unbeschriebenes Blatt: Unter dem Verkäufernamen gsmmtc123 hat er bereits 2007 für Waren kassiert, die er nicht lieferte. Guido Reichmacher schreibt: Bei Monika Egger sei es zu einer Verstrickung von Umständen gekommen.

AGBs nicht durchgesetzt

Die Staatsanwaltschaft St. Gallen ermittelt gegen Guido Reichmacher wegen gewerbsmässigen Betruges. Wir bitten den Untersuchungsrichter um ein Interview – vergebens. Der Anwalt von Guido Reichmacher schreibt «Kassensturz», es habe bei den Verkäufen mehrheitlich keine Beanstandungen von Käufern gegeben. Zudem habe Reichmacher ab einem gewissen Zeitpunkt wegen behördlicher Interventionen keinen Zugriff mehr auf seine Konten gehabt.

Manfred Murer betreibt eine Internetplattform für Kunden, die auf Ebay, Ricardo und anderen Online-Auktionshäusern Opfer von Gaunern geworden sind. Er sagt, Ricardo hätte bei den langen Lieferfristen von Handelspunkt Zueri reagieren müssen. Denn Ware, die zum Zeitpunkt des Verkaufes nicht verfügbar ist, dürfe gar nicht angeboten werden. «Ricardo unterliess es, die eigenen Geschäftsbestimmungen (AGB) durchzusetzen», stellt Murer fest.

Limitierter Käuferschutz

Ricardo weist jede Schuld von sich. Insgesamt seien 15 Kunden Opfer von Handelspunkt Zueri betroffen. Alle haben bis zu 1000 Franken bezahlt – und ihre Möbel nie erhalten. Trotzdem: Ricardo sei kein Tummelfeld für unseriöse Geschäftemacher, solche Fälle würden im Promillebereich liegen. Marcel Sennhauser: «Wir haben einen limitierten Käuferschutz, der genau dann zum Greifen kommt.»

Ricardo zahlt höchstens 250 Franken – bis spätestens zwei Monate nach Verkaufsdatum. Pech für die Opfer: Wegen der langen Lieferfristen haben sie zu spät gemerkt, dass sie über den Tisch gezogen worden sind. Urs Fehlmann jedoch hat von Ricardo 250 Franken erhalten. Auf das restliche Geld und die Felgen wartet er noch heute.

Gewerbsmässiger Betrug

Verkäuferin ist die Firma Exclusive-Wheels an der Höfelgasse 16 in der Wiener Neustadt. Die Firmenadresse ist die Privatadresse der Familie Reishofer. Die Österreicher Justiz ermittelt gegen Martin Reishofer, der seit Kurzem Konkurs angemeldet hat. Das Ehepaar Reishofer bot übers Internet Felgen an, kassierte und lieferte nicht.

Die Wiener Staatsanwaltschaft erhob einen Strafantrag wegen gewerbsmässigem und auch wegen schweren Betruges in insgesamt 21 Fällen. Bis ein Urteil gefällt ist, gilt wie bei Guido Reichmacher die Unschuldsvermutung. Martin Reishofer schreibt, er möchte das Geld zurückzahlen. Doch bis jetzt hat Exclusive-Wheels keinen Rappen zurückbezahlt.

Auch Urs Fellmann hat Anzeige erstattet. Dies bringt ihm zwar seine Felgen nicht, er hofft aber, dass sich wenigstens ein Gauner weniger im Internet tummelt.