Lösung gegen unerwünschte Werbeanrufe nicht in Sicht

Die Stiftung für Konsumentenschutz und andere Organisationen fordern die grossen Netzwerkbetreiber auf, endliche ihre Kunden zu schützen. Eine technische Lösung gebe es, wie kleine Netzbetreiber in der Westschweiz zeigten. «Espresso» weiss: Das funktioniert im grossen Stil nicht.

Wer einen Sterneintrag im Telefonbuch hat, der sollte eigentlich von unerwünschten Werbeanrufen verschont bleiben. Das sieht das Gesetz seit 2012 so vor.

Die Praxis zeigt: Viele Callcenter scheren sich einen Deut um den Sterneintrag und belästigen Kunden nach wie vor. Nun soll eine technische Lösung auf dem Tisch liegen, behaupten Schweizer Konsumentenschutzorganisationen.

Kleinen Telekomanbietern in der Westschweiz sei es seit Monaten möglich, mit technischen Mitteln die illegalen Anrufe zu blockieren.

Ihnen gelingt es, Nummern aus Callcentern zu registrieren und diese auf eine schwarze Liste zu setzen. Schliesslich werden Anrufe von diesen Nummern gar nicht mehr weitergeleitet.

Weshalb wenden Swisscom, UPC Cablecom und Sunrise das nicht an?

Telekom-Experte beim Vergleichsdienst Comparis, Ralf Beyeler, erklärt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Schweizer Radio SRF 1, weshalb das System bei den grössten Anbietern so nicht funktionieren würde.

«Es funktioniert nur so lange, wie nur wenige Leute an ein solches System angeschlossen sind. Wenn aber mit den grossen Anbietern fast 85 Prozent diese Technologie verwenden würden, würden die Callcenter das System umgehen,» sagt Beyeler.

Dies gelinge, indem sie ihre Computer so programmierten, dass bei jedem Anruf aus dem Callcenter eine andere Nummer angezeigt werde. Sie würden also das System austricksen. Das heisst, solange nur ein paar kleine Anbieter diese Sperren aktivieren, ist es den Callcentern schlicht egal.

«Unsere Profis arbeiten an einer Lösung»

Wie es auf Anfrage von «Espresso» bei der grössten Anbieterin, bei der Swisscom heisst, prüfe man das System zurzeit. Es seien aber noch viele Fragen offen.

Und bei UPC Cablecom erklärt Mediensprecher Bernard Strapp, man sei sehr interessiert, eine Lösung zu finden, die für jeden Kunden angewendet werden könne: «Unsere Profis sind daran, eine Lösung zu entwickeln».

Das System aus der Westschweiz sei allerdings nur für Unternehmen geeignet, welche eine kleine Anzahl Kunden bedienten. «Für Millionen von Kunden ist das so nicht adaptierbar.»