Neues Swisscom-TV mit Macken

Das neue Digital-Angebot Swisscom TV 2.0 bereitet seinen Abonnenten viel Ärger: Sendungen aufnehmen funktioniert nicht, das zeitversetzte Fernsehen stockt, und das System stürzt immer wieder ab. Swisscom kennt die Probleme und verlangt dennoch den vollen Abo-Preis.

«Das neue Fernseherlebnis». So bewirbt Swisscom ihr seit April erhältliches Swisscom TV 2.0. Einer der Vorteile, den Swisscom anpreist: Viel mehr Speicherplatz für Aufnahmen und zeitversetztes Fernsehen über sieben Tage hinweg, viel mehr als bisher möglich war.

Immer wieder Neustart nötig

Doch das System funktioniert nicht. Das musste «Espresso»-Hörer Patrick Huber aus dem aargauischen Unterkulm erfahren. Seit zwei Monaten hat er Probleme mit Swisscom TV 2.0: «Häufig ist das zeitversetzte Fernsehen nicht voll verfügbar oder aufgenommene Sendungen lassen sich nicht starten.» Immer wieder müsse er seine TV-Box herunterfahren und neu starten. «Das System ist einfach nicht stabil», so Patrick Huber.

Seine Vermutung: Es liegt daran, dass Aufnahmen nicht mehr auf der Set-Top-Box im Wohnzimmer gespeichert werden. Neu zeichnet Swisscom die Sendungen in einer sogenannten Cloud auf, einem zentralen Server, von dem aus die Sendungen bei einer Abfrage in die Haushalte gespielt werden.

Swisscom gibt Probleme zu

Auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 räumt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze ein, dass die Probleme mit Swisscom TV 2.0 bekannt seien. Er begründet sie so: «Wir sind vom Kundeninteresse überrascht worden.» Neben der grossen Zahl der Kunden bringe auch die häufige Nutzung von zeitversetztem Fernsehen das System an die Leistungsgrenzen.

Auffällig: Es ist nicht das erste Mal, dass ein neues Digital-TV-Angebot auf den Markt kommt, aber noch nicht voll funktioniert (siehe Box). Für den Fachmann Albrecht Gasteiner vom unabhängigen HDTV-Forum Schweiz liegt dies am Konkurrenzdruck in der Branche: «Fernsehapparate sind heute eigentlich Computer mit grossen Bildschirmen und können immer mehr. Die Konkurrenz drängt Firmen dazu, neue Produkte so rasch wie möglich auf den Markt zu bringen.» Da komme es vor, dass gewisse Funktionen noch nicht ausgetestet, ausgereift und manchmal unzuverlässig seien.

Für das neue Angebot bezahlt Patrick Huber 129 Franken pro Monat. Das Preis-Leistungs-Verhätlinis stimmt für ihn nicht: «Ich erhalte nicht die volle Leistung. Das erwarte ich aber, wenn ich schon voll bezahle.» Swisscom habe ihn mit einem Gutschein über 50 Franken entschädigen wollen. Doch er erwartet ein Entgegenkommen beim Abo-Preis. «Derzeit wird der zahlende Kunde als Testperson missbraucht», so Huber.

Kunden als Versuchskaninchen

Patrick Huber ist einer von vielen Kunden, die sich über Swisscom TV 2.0 ärgern. Viele verschaffen sich auch im Internet-Forum der Swisscom Luft. Dass Swisscom die Kunden als Versuchkaninchen benutze und das Produkt nicht ausgereift sei, weist Swisscom-Sprecher Olaf Schulze zurück. «Wir haben das Produkt über sechs Monate intensiv getestet und ein fertiges Produkt auf den Markt gebracht.»

Obwohl Swisscom die technischen Macken ihres neuen Digital-Abos kennt, will sie Kunden nicht entgegenkommen. Die Techniker würden derzeit mit Hochdruck an Lösungen arbeiten, sagt Olaf Schulze. Das habe Priorität. Über mögliche Rabatte oder Entschädigungen an betroffene Kunden habe man noch nicht nachgedacht. Pech für Kunden, die sich auf die Werbeversprechen von Swisscom verlassen haben.