Singlebörse Parship: Kundenfang mit Psychotest

Parship wirbt mit einem kostenlosen Persönlichkeitstest. Hunderttausende Singles hoffen, so ihr Glück zu finden. Ein Versuch zeigt: Parship trickst mit den Kontaktchancen. Und wer einsteigt, gerät schnell in die Abofalle. «Kassensturz» über die unromantische Seite des Geschäfts mit den Singles.

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Singlebörse Parship: Kundenfang mit Psychotest

8:08 min, aus Kassensturz vom 19.5.2009

Bei der Partnersuche im Netz ist Parship führend. In der Werbung wird versprochen: «Parship vergleicht auf Grund wissenschaftlicher Erfahrung 30 Persönlichkeitsmerkmale. Finden Sie den Partner, der wirklich passt.» Martin Dobner von Parship Schweiz erklärt: «Wir können aus den Profilen individuell für jeden persönlich den richtigen Menschen vorschlagen.» Es gehe nicht um Äusserlichkeiten, sondern um Persönlichkeitsmerkmale. «Und hier können wir eben die berühmte Nadel aus dem Heuhaufen heraussuchen und die Richtigen vorschlagen», ergänzt Dobner.

Trügerische Glücksgarantie

Basis ist ein Persönlichkeitstest: Singles füllen per Internet einen Fragebogen aus. Parship erstellt daraus ein Persönlichkeitsprofil. Der Computer vergleicht die Profile von Single-Frauen und Single-Männern. Aus dem Vergleich errechnet der Computer die «Matching-Zahl». Sie sagt, wie gut Mann und Frau zusammenpassen. Je höher die Zahl, umso grösser scheinen die Chancen, die Liebe des Lebens zu finden.

Für Markus Fäh, Psychoanalytiker und Buchautor, führen diese Zahlen zu einem Trugschluss: Es werde eine Art Proportionalität suggeriert. «50 Prozent heisst halbes Glück, 75 Prozent dreiviertel Glück. Das zu einer Glücksuche-Garantie herauf zu spielen, finde ich verwegen», sagt Fäh.

Auch Psychologe Lorenzo Medici hat Parship ausprobiert. Dabei ist ihm aufgefallen, dass er auf Mails öfters keine Antwort erhielt. Bei «Kassensturz» melden sich regelmässig Leute mit einem bösen Verdacht: «Ich zweifle daran, dass die vorgeschlagenen Kontakte jeweils echt waren. Man kann 20 Kontaktanfragen schreiben, vielleicht bekommt man eine Antwort.»

Nichtmitglieder vorgeschlagen

Parship vermittelt im Test eines «Kassensturz»-Redaktors den Eindruck, es gäbe für ihn 538 potentielle Partnerinnen. Das stimmt nicht. Unter den Vorschlägen sind Leute, die gar nicht aktiv Parship-Mitglied sind. Sie haben nur den unverbindlichen Persönlichkeitstest gemacht. Nur wer zahlt kann antworten. In der Datei tummeln sich auch Leute, die die Mitgliedschaft bereits gekündigt haben. Wer sie anschreibt, erhält keine Antwort. Das ist aber nirgends deklariert.

Parship widerspricht. Jedes Mitglied wisse sehr wohl, dass unter den Vorschlägen auch Leute sind, die nur auf der Single-Börse schnuppern wollen. Martin Dobner: «Es ist doch nicht in unserem Sinn und es kann auch nicht im Sinne des Konsumentenschutzes sein, dass wir eine Zweiklassengesellschaft haben. Wir wollen allen, die zu Parship kommen, die Möglichkeit geben, Parship voll inhaltlich zu testen.» Und Parship ermögliche das.

Es werde nicht mit der Hoffnung der Menschen gespielt. Auch dann nicht, wenn jemand ein Mail schickt und keine Antwort kriegt, weil der Interessent nicht bezahlt hat und nicht Mitglied ist. Dobner: «Der andere kann zu jeder Zeit, wenn er ein Mail erhalten hat, eine Mitgliedschaft lösen und antworten.» Es stimme nicht, dass er nicht antworten könne, er müsse es nur wollen.

Ausgerechnet zahlende Kunden haben Pech. Sie erfahren nicht, ob ihr Wunschpartner kein Interesse hat oder nicht antwortet, weil er nicht bezahlt hat. 300 000 Singles sollen bei Parship abonniert sein, behauptet Parship. Ein dreimonatiges Abo kostet 240 Franken.

Automatische Verlängerung

Parship lockt Leute mit vielversprechenden Mails zum Kauf eines Abos. Die Firma informiert jedoch nicht, bevor das Abo abläuft, sondern verlängert es automatisch. Die Abo-Verlängerung merken die Kunden erst, wenn die Abrechnung ins Haus flattert. Parship verteidigt die automatische Verlängerung fadenscheinig: «Parship ist eine Kommunikationsplattform. Wir ermöglichen über unsere Plattform, dass sich die Leute kennenlernen und in einen Kommunikationsprozess einsteigen. Da ist es natürlich wichtig, dass dieser Prozess nicht abbricht.»

Rechtsprofessor Ivo Schwander ist auf Privat- und Obligationenrecht spezialisiert. Er kritisiert die Abo-Verlängerung. Nach schweizerischem Obligationenrecht sei sie in diesem Fall unzulässig. Schwander: «Da geht es um eine Ehe- und Partnerschaftsvermittlung. Und das Gesetz sieht vor, dass man einen derartigen Vertrag jederzeit kündigen kann.»

Obwohl dieses Kündigungsrecht der automatischen Abo-Verlängerung vorgeht, droht Parship mit Inkasso, Anwalt und gerichtlichen Schritten. Doch vor Gericht wären Konsumenten wohl am längeren Hebel. Schwander: «Die Chancen des Kunden wären sehr intakt. Es ist allerdings zu sagen, dass es offensichtlich ein grösseres Missverhältnis gibt zwischen den Prozesskosten und dem Streitwert. Folglich werden die meisten Kunden von einer Klage absehen.»

Parship ist anderer Ansicht: Die Bestimmungen würden in ihrem Fall nicht gelten, weil sie keine Partnervermittlung sei. Ausserdem würden die Kündigungsfristen den Interessenten unter anderem in den allgemeinen Geschäftsbedingungen deutlich mitgeteilt.