Swisscoms Geschäft mit dem Notfall

Sofort-Hilfe per Knopfdruck: Wenn Senioren stürzen oder sich unwohl fühlen, können sie per Funk einen Alarm-Telefonanruf auslösen. Swisscom macht ein gutes Geschäft mit einem entsprechenden Telefon für 699.- Franken. Doch es geht auch 9 Mal billiger.

Swisscom bietet seine Alarmuhr für 699.- Franken.

Bildlegende: Swisscom bietet seine Alarmuhr für 699.- Franken. SRF

Im Notfall sind Senioren gut bedient, wenn sie einen Sender am Handgelenk tragen. Drücken sie die rote Taste für mehrere Sekunden, löst die Basisstation Alarm aus. Sie ruft per Festnetzleitung der Reihe nach vorprogrammierte Telefonnummern an. Bis jemand abnimmt. Dann spielt sie eine aufgenommene Not-Nachricht und informiert so über die Notlage.

Ein praktischer Dienst, der Leben retten kann. Dafür sind Angehörige bereit, viel Geld zu zahlen. Das weiss auch die Swisscom: In einer Werbekampagne bewirbt sie zur Zeit ihr «TeleAlarmS12»-Telefon. Das Gerät kostet satte 699.- Franken. Oder 35.- Franken Miete monatlich, wobei das Abo der Telefonleitung nicht inklusive ist.

Vergleichbares Telefon neun Mal billiger

Doch es geht auch billiger. Telefone mit einem Alarmsender fürs Handgelenk sind bei Conrad oder Pearl ab 79.95 Franken zu kaufen. Sie unterscheiden sich nur wenig: So bietet zum Beispiel das «Bigtel 50 Plus» von Audioline nur drei programmierbare Nummern, welche im Notfall angerufen werden. Im «TeleAlarm S12ۛ» von Swisscom können acht Notnummern gespeichert werden.

Dafür ist das günstige «Bigtel 50 Plus» zusätzlich ein altersgerechtes Telefon mit extra grossen Tasten, Blinklampe bei Anruf, überlautem Lautsprecher auf Knopfdruck und Unterstützung für Hörgeräte. Mit der Basisstation des Swisscom-Telefons kann nicht telefoniert werden.

Ein anderes günstiges Modell ist das «Amplicom Powertel 680» für rund 150.- Franken. Es besteht neben dem Tasten-Basistelefon und dem Alarmsender noch aus einem Funktelefon mit Ladestation.

Swisscom rechtfertigt den neunmal höheren Preis: «Die Preise sind jeweils von einer Vielzahl verschiedener Faktoren abhängig. Dazu gehören neben dem Einkaufspreis auch Logistik- und Lagerkosten. Diese sind bei reinen Webshops meist viel tiefer.» «TeleAlarm S12» werde von der Schweizer Firma Bosch Telealarm SA in der Schweiz entwickelt, hergestellt und bei Bedarf repariert», schreibt Swisscom-Sprecherin Annina Merk.

«Nur zuverlässig an Swisscom-Leitung »

Swisscom traut den Telefonleitungen von anderen Anbietern nicht. Sie empfiehlt in der Produktebeschreibung ausdrücklich, «das TeleAlarm S12-Telefon ausschliesslich an eine Direktleitung des Swisscom-Netzes anzuschliessen.» Begründung: «Bevor wir ein Gerät vertreiben, wird es sehr intensiv getestet. Die Tests werden auf dem Swisscom-Netz durchgeführt. Die Qualität und Funktionalität des Services kann somit nur für unser Netz garantiert werden», schreibt Swisscom-Sprecherin Annina Merk.

Nur bei Stromausfall ein Vorteil.

Entscheidend für eine sehr hohe Sicherheit ist, dass das Gerät auch bei einem Stromausfall z.B. bei Erdbeben oder Brand einen Notruf absetzen kann. Dies ist beim Anschluss ans Swisscom-Festnetz garantiert, da das Telefon den Strom durch die Telefonsteckdose erhält.

Funktioniert ein Festnetz-Telefon jedoch mit einer Set-Up-Box, ist die Leitung bei einem Stromausfall tot. Dies ist bei allen Cablecom-Festnetz-Diensten und auch bei einigen Sunrise-Diensten der Fall. Was die Swisscom nicht sagt: Der Anschluss des «TeleAlarm S12» ist genau so Stromausfall-resistent, wenn man für die letzte Meile die Telecomprovider Orange oder Sunrise ohne Set-Up-Box hat.

Cablecom-Setupbox verboten für Notfall-Telefone

UPC-Cablecom weiss um die Stromausfall-Unsicherheit ihrer Festnetz-Dienste. Sie schreibt in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen: «Bei Unterbrüchen der Stromversorgung ist die Nutzung der Dienstleistungen nicht möglich. Daher raten wir Ihnen vom Einsatz unserer Telefonie-Dienstleistung für sicherheitskritische Anwendungen ab.» Insbesondere TeleAlarm® und andere automatisierte Mobilisierungsaufgebote können bislang nicht unterstützt werden, führt Cablecom in den AGBs unter Absatz 5 weiter aus.

Hightech gibt es erst in den USA

Ein anderes, neuartiges Alarmsystem hat Philips entwickelt. Der Alarmsender des «Lifeline Medical AutoAlert» wird wie ein Anhänger um den Hals getragen. Er ist nicht nur Alarmknopf, sondern registriert und analysiert jede Bewegung seines Trägers. Kommt es zum einem Sturz, erkennt der Anhänger das aprupte Bewegungsmuster und schlägt nach 30 Sekunden automatisch Alarm. Dieses Telefon ist jedoch erst in den USA erhältlich. Es ist nicht käuflich zu erwerben, sondern muss für rund 50.- Dollar monatlich gemietet werden.