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Multimedia Telefon-Falle: Überflüssiges Abo gegen Werbeanrufe

Die Firma Datacom ködert Kunden mit einem vollmundigen Versprechen: Ihre Werbesperrliste sei das Ende lästiger Telefonwerbung. Absurd: Dazu macht das Callcenter der Firma selber Werbeanrufe. «Kassensturz» zeigt, die Methoden von Datacom sind zweifelhaft und der Nutzen ist nicht erwiesen.

Legende: Video Telefon-Falle: Überflüssiges Abo gegen Werbeanrufe abspielen. Laufzeit 7:49 Minuten.
Aus Kassensturz vom 27.01.2015.

Die 86-jährige Henriette W. war eine der ersten im Dorf, die nach dem zweiten Weltkrieg ein Telefon zu Hause hatten. All die Jahre leistete das Gerät gute Dienste. In letzter Zeit aber empfand sie das Telefon immer öfter als Störung, wegen der vielen Werbe-Anrufe.

Darum konnte sie nicht widerstehen, als ihr eine Telefonverkäuferin versprach, die Firma «Datacom Schweiz GmbH» könne die Telefon-Belästigungen stoppen. Der Eintrag in der angeblich sehr wirkungsvollen Werbesperrliste kostet «nur» 99 Franken für 10 Jahre.

Stern-Eintrag bei Swisscom: Gratis und wirkungsvoller

Doch seit ihr Sohn sie aufklärte, dass die gängige Massnahme gegen Werbeanrufe - der Stern-Eintrag bei Swisscom - gratis gewesen wäre, will Henriette W. die Rechnungen und Mahnungen von Datacom nicht mehr bezahlen.

Ein Nachbar schrieb für die 86-Jährige Briefe an Datacom: Die Firma solle eine Aufnahme des Werbegesprächs schicken. Sie solle so beweisen, dass am Telefon überhaupt ein Vertrag zustande gekommen sei. Doch Datacom ignoriert alle Schreiben.

Datacom hiess früher Swisscall

Die Sendung «Espresso» von Radio SRF 1 berichtete bereits im vergangenen Februar über das zweifelhafte Angebot von Datacom. Damals trat die Firma unter dem Namen «Swisscall» auf.

Derselbe Geschäftsführer Patrick Dütschler rechtfertigte sich zum Vorwurf, der Eintrag in die Werbesperrliste sei nutzlos: «Mit dem Eintrag hat der Kunde die Möglichkeit, bei uns die Löschung seiner Daten bei einzelnen Unternehmungen beantragen zu lassen. Das ist dann effektiv der beste Schutz gegen unerwünschte Werbeanrufe überhaupt.»

Die Telefonverkäuferin sagte, dieser Service sei gratis. Doch nicht für Frau W.: Ohne Computer muss sie über eine teure 0900er Nummer mit Datacom Kontakt aufnehmen. So ist das Datacom-Abo für sie teuer und nutzlos.

Datacom mit Swisscom in Verbindung gebracht

Auch die 94-jährige Heidi S. aus Basel hat der Telefonverkäuferin von Datacom geglaubt. Die Frau am Telefon sei freundlich gewesen, habe etwas über Datacom, Swisscom oder Swisscall und den Sterneintrag erzählt. Und dass dann Schluss mit lästiger Werbung sei.

Frau S. erklärt sich: «Auf jeden Fall hab ich dann zugesagt. Erst dann sagte die Telefonverkäuferin, die Werbeanrufe seien sehr umständlich zu unterbinden. Die Nummern-Verzeichnisse seien bei der Swisscom, und Änderungen kosten dann Geld.»

Datacom flunkert

Der Verdacht: Datacom und Swisscall suchen in ihrem Auftritt die Nähe zu etablierten Firmen, um so die Kunden in die Irre zu führen. «Kassensturz» stösst auf etliche Beispiele.

Eine Auswahl:

  • Datacom nennt das Abo für die Werbesperrliste «Sterneintrag plus». Der Begriff «Sterneintrag» ist jedoch fest mit Swisscom verbunden – Das kann Kunden täuschen.
  • Das gemeinsame Logo von Datacom und Swisscall: «Kassensturz» findet auf einer Design-Seite im Internet die Bestellung für das Logo: Geschäftsführer Patrick Dütschler bestellte explizit ein Logo, welches dem von Swisscom oder Cablecom ähnlich ist.
  • Irreführend sind auch die Angaben auf der Homepage: Dütschlers Firma Swisscall wirbt mit einer langjährigen Firmengeschichte seit 1997. Seltsam: Laut Handelsregister-Eintrag von Datacom, Link öffnet in einem neuen Fenster wurde Dütschlers Firma erst 2004 gegründet. Nochmals fünf Jahre später nennt er sie Swisscall.
  • Und schliesslich: Die behauptete Zusammenarbeit mit Swisscom-Tochter Local.ch gibt es nicht. Local.ch distanziert sich: «Gerne bestätigen wir Ihnen hiermit, dass wir mit der Firma Datacom nicht in Verbindung stehen und auch nicht in Zusammenhang gebracht werden möchten.»

«Kassensturz» will von Patrick Dütschler, dem Chef von Datacom und Swisscall wissen: Warum dreht Datacom älteren Personen ausgerechnet per Telefonwerbung ein Abo gegen Telefonwerbung an?

Screenshot
Legende: Screenshot von datacom.ch SRF

Was sagt er zu all den irreführenden Angaben seiner Firmen? Warum beantwortet Datacom eingeschriebene Post ihrer Kunden nicht?

Patrick Dütschler bestreitet alle Vorwürfe: Die Werbe-Anrufe von Datacom seien korrekt. Die Telefonverkäufer müssten ein Script einhalten. Eine Verwechslung mit andern Firmen sei ausgeschlossen. Die Verträge mit Frau W. und Frau S. seien gültig.

«Ja» bedeutet nicht unbedingt Zustimmung

Gabriela Baumgartner, die Rechtsexpertin «Kassensturz» und «Espresso», sagt dazu: Auch wenn die Kunden am Telefon deutlich «ja» sagen, heisst das noch lange nicht, dass damit auch ein Vertrag zustande kommt.

«Wenn ich beim Abschluss eines Vertrags getäuscht worden bin, dann kann ich sagen, den will ich nicht halten, der ist unverbindlich. Dann kann ich auch aus diesem Vertrag raus. Getäuscht werde ich eben dann, wenn eine Firma schreibt, es bestehe eine Zusammenarbeit mit einer etablierten Firma oder es gibt Produkte, die ganz ähnlich zu etablierten Produkten sind, aber es ist nicht das Gleiche».

Zusammengefasst: Wenn sich eine Firma so präsentiert und so verhält, und alles drauf anlegt um zu täuschen, dann ist ein solcher Vertrag sicherlich anfechtbar.

Heidi S. sieht sich von Datacom getäuscht und will auf jeden Fall vom Vertrag zurücktreten. «Das ist ein absoluter Bschiss. Denen sollte man das Handwerk legen können. Besonders die älteren Leute kommen nicht mehr so draus. Sie hören nicht mehr so gut und sind im Glauben, man habe ihnen etwas richtig Gutes angeboten. Und das ist einfach nicht wahr»

28 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Rudolf Sägesser, Rothrist
    Soben habe ich einen Anruf von denen erhalten. Die Nummer war 062 588 01 64. Ich habe einen * bei meinen Nummern. Das nützt auch nichts. Was kann man denn noch machen ??? Da muss etwas geschehen, nötigenfalls über die Gesetzgeber.
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  • Kommentar von Valeria Cocard, 3014 Bern
    Ich bekam ein ähnliches Angebot, meine Daten wüden gelöscht und auch Werbesendungen per Post könnten über diese Firma gesperrt werden. Die Firma nennt sich "Geminis GmbH" und soll es seit 2013 geben. Ist das etwas Ähnliches wie die Datacom? Für ein Jahr würde es Fr. 6.50 kosten. Mich wundert der Werbeanruf der Firma gegen Werbeanrufe - geht doch irgendwie nicht auf... Zudem finde ich keinen Eintrag bei local.ch unter der Nr. 062 588 01 44 (von dieser Nr. wurde ich angerufen). Wie weiter?
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  • Kommentar von Ursula Schaad, 2563 Ipsach
    Auch ich habe mich übertölpeln lassen. Die versprochene Dienstleistung ist aber äusserst fragwürdig, bekomme ich doch nach wie vor Werbeanrufe. Nun flatterte mir vor einigen Tagen noch eine zusätzliche Rechnung über den Betrag von Fr. 17.50 ins Haus für angebliche Löschung von Personendaten (Art. 15, Abs.1 DSG)auf Antrag (p.Qu). Ich habe nie ein Datenlöschungsbegehren gestellt.
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    1. Antwort von Daniel Schaer, Derendingen
      Nicht bezahlen rät mir meine Rechtschutzversicherung. Nicht anrufen, Kosten von Fr 2.90 / Min! Auf keine Forderung, auch nicht vom beauftragen Inkassobüro eintreten. Bei Betreibung, sofort Rechtsvorschlag erheben. K-Tipp hat auf ihrer Seite einen Musterbrief zur Kündigung, siehe unter https://www.ktipp.ch/service/musterbriefe/detail/d/widerruf-datacom/ Sammelkage über SECO möglich, Meldeformular finden sie bei SECO. Wehren sie sich, dass ist schlicht Betrug!
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    2. Antwort von Laura Rathler, 8590 Romanshorn
      Nach der Rechnung von Fr. 17.50, die ich nicht bezahlte, kam jetzt eine Vertragsänderung, mit der mir mitgeteilt wurde, dass ich jetzt jährlich fast Fr. 70.-- zu zahlen habe. Mit Stillschweigen hätte ich die Aenderung akzeptiert. Wäre das vor dem Gesetz überhaupt korrekt??????
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