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Multimedia Teure Warteschlaufe: Es geht auch anders!

Von der SBB bis zur Ärztezentrale: Bei vielen teuren 0900er-Nummern müssen die Kunden selbst in der Warteschlaufe bezahlen. Oft schieben diese Anbieter technische Gründe vor. Doch Recherchen von «Espresso» zeigen, das Gratis-Warten ist sehr wohl möglich.

Legende: Audio Teure Warteschlaufe: Es geht auch anders! abspielen. Laufzeit 4:14 Minuten.
4:14 min, aus Espresso vom 16.03.2015.

Ein Anruf auf eine 0900er-Nummer kostet – und zwar nicht wenig. Je nach Dienst blättern Anrufer mehrere Franken pro Minute hin. So auch beim bei der telefonischen Notfallzentrale Medphone. Diese verlangt von Anrufern im Kanton Bern knapp zwei Franken in der Minute. Und der Zähler läuft bereits in der Warteschlaufe.

Zu spüren bekam dies ein Anrufer, der Ende Dezember letztes Jahr wegen eines medizinischen Problems auf die kostenpflichtige Nummer angerufen hatte. Für knapp 30 Minuten in der Warteschlaufe bezahlte er 72 Franken.

«Gratis-Warten» ist technisch möglich

Gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 sagte ein Verantwortlicher des medizinischen Callcenters, es sei technisch nicht möglich, die Warteschlaufe gratis zu machen.

Stimmt nicht: «Es gibt heute die Möglichkeit, die Warteschlaufe kostenlos anzubieten», sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Grundsätzlich sei der Halter einer 0900er-Nummer frei in der Gestaltung der Tarife.

Technisch ist «Gratis-Warten» also durchaus möglich – ist für den Dienst-Anbieter aber mit Kosten verbunden. Über die Preise gibt Swisscom keine Auskunft. Es gäbe verschiedene Varianten, erklärt Sprecherin Merk: «Früher war das sehr aufwändig. Heute gibt es auch einfachere Lösungen.»

Ticketcorner hat investiert

Kostenpflichtig ist auch die Hotline von Ticketcorner. Und bis vor einigen Jahren war auch dort das Warten noch kostenpflichtig, was dem Unternehmen viel Kritik einbrachte: Bei grossem Ansturm auf ein Konzert konnte es sein, dass man am Ende ohne Ticket dastand – dafür mit einer gesalzenen Rechnung für die Zeit in der Warteschlaufe.

Der Ticket-Verkäufer sah sich vor bald vier Jahren gezwungen, die Praxis zu ändern. Sprecher Stefan Epli sagt, das Unternehmen habe damals erkannt, dass es unfair sei, für das Warten Geld zu verlangen. «Wir haben mehrere hunderttausend Franken investiert und die Telefonanlagen ersetzt.»

Anders die SBB: Ein Anruf auf die Hotline kostet auch in der Warteschlaufe 1.19 Franken pro Minute. Auf Anfrage teilt die SBB mit, die Wartezeit betrage im Durchschnitt 25 Sekunden.

In Deutschland muss Warten gratis sein

Hotlines, die bereits in der Warteschlaufe ins Geld gehen, sind ein Ärger für Kundinnen und Kunden. Vor einigen Jahren gab es in der Schweiz einen parlamentarischen Vorstoss, der diese Kostenfalle verbieten wollte.

So wie es seit drei Jahren in Deutschland der Fall ist: Dort dürfen Warteschlaufen nichts kosten. In der Schweiz entschied der Bundesrat jedoch, es genüge, den Anrufern transparent zu machen, wie viel sie pro Minute bezahlen müssten.

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