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«Bio vs. Konventionell» Der Milliardenmarkt Bio treibt seltsame Blüten

Welche Lebensmittel dürfen als Bio verkauft werden? Nicht in allem, was im Laden als Bio angepriesen wird, steckt die unbefleckte Natur, wie es sich die Konsumenten vorstellen. «Espresso» zeigt fünf Kategorien, die auch in der Bio-Szene umstritten sind.

Legende: Audio Der Milliardenmarkt Bio treibt seltsame Blüten abspielen. Laufzeit 5:29 Minuten.
5:29 min, aus Espresso vom 22.10.2015.

Streitpunkt 1: Bio aus aller Welt

Biologische Lebensmittel sollten regional und saisonal produziert werden – Dieser Grundsatz scheint nicht mehr überall gültig zu sein. Importe aus dem Ausland erlauben es, auch ausserhalb der Saison in der Schweiz zum Beispiel Bio-Tomaten anzubieten. Bei Bio-Erdbeeren aus Südspanien zeigte «Kassensturz» 2012 auf, dass der hohe Wasserverbrauch problematisch ist.

Auch sonst schüttelt mancher Bio-Konsument den Kopf über das Angebot an Produkten: Bio-Sonnenblumenkerne stammen zu einem Grossteil aus China. Und ob ein Crevetten-Spiessli mit Crevetten aus ecuadorianischer Bio-Zucht und Bio-Gewürzen aus dem Ausland dem ursprünglichen Gedanken von Bio entspricht, ist ebenso fraglich.

Streitpunkt 2: Fertigprodukte

Convenience Food hat auch vor Bio nicht Halt gemacht: Bio-Pizza, Bio-Lasagne, Bio-Sandwiches – das Angebot an Bio-Fertigprodukten ist gross. Grundsätzlich dürfen weniger Zusatzstoffe gebraucht werden als in konventionellen Lebensmitteln. Wenn es keine gleichwertigen Alternativen gibt, dürfen jedoch teils auch Nicht-Bio-Zusatzstoffe verwendet werden.

Ernährungsexperten warnen seit Jahren vor dem gesunden Anschein, den Bio-Fertigprodukte erwecken können. Denn: Eine Fertigpizza bleibt eine Fertigpizza, auch wenn die Zutaten grösstenteils aus biologischer Produktion stammen. Zu viel Salz, zu viel Fett, zu viel Zucker: Das ist auch bei vielen Bio-Fertigprodukten so.

Streitpunkt 3: Wann ist eine Milch eine Bio-Milch?

2002 entbrannte innerhalb der Knospen-Vereinigung Bio Suisse ein Streit: Soll auch UHT-Milch bio-zertifiziert werden? In den Bestimmungen von Bio Suisse steht nämlich: «Knospe-Produkte werden schonend hergestellt.» Die wenig schonende Ultrahocherhitzung versprach jedoch einen sprunghaften Anstieg des Milchabsatzes. So entschieden die Mitglieder knapp für UHT-Milch.

Erstaunlich: Milch, welche mit dem Hochpast-Verfahren unter weniger hohen Temperaturen verarbeitet wird, erhält kein Knospe-Label. Keinerlei Vorschriften zum Verfahren macht die Bioverordnung des Bundes.

Streitpunkt 4: Nachhaltigkeit von Bio-Fischen

Die Organisation Greenpeace stellt einzelnen Labels wie Bio-Suisse oder M-Bio gute Noten aus, was die Nachhaltigkeit beim Fisch angeht. Es gibt jedoch einen Makel: Alle biozertifizierten Fische stammen aus Zuchten. Besser wäre es, auf nachhaltigen Wildfang zu setzen.

In der Bio-Verordnung des Bundes werden Fische oder Aquakulturen nicht explizit erwähnt. Theoretisch könnte also jeder Fisch als biologisch vermarktet werden. Beim zuständigen Bundesamt für Landwirtschaft heisst es jedoch auf Anfrage, gemäss Lebensmittelverordnung dürften beim Konsumenten keine falschen Vorstellungen über Produktionsart oder Herkunft erweckt werden.

Streitpunkt 5: Ist Plastik auch Bio?

Biogemüse wird bei den Grossverteilern oft in Plastik verpackt. Dies, obwohl zum Beispiel Bio Suisse verlangt, dass die umweltschonendste Verpackung gewählt werden muss. Dass Bio-Gemüse überhaupt verpackt werden muss, erklären die Grossverteiler mit der Bio-Verordnung, die explizit vorschreibt, dass Bio-Produkte klar erkennbar und getrennt von konventionellen Produkten angeboten werden müssen.

Ausserdem sei Plastik betreffend ökologischem Fussabdruck besser als zum Beispiel Karton oder Papier. Keine Alternative ist sogenannter Bio-Kunststoff. Dieser wird auf Basis nachwachsender organischer Rohstoffe wie zum Beispiel Mais produziert und gilt deshalb als wenig nachhaltig.

«Kassensturz» vom 24.04.12

Bio vs konventionell

Bio vs konventionell

«Espresso» und «Kassen- sturz» vergleichen Bio-Food mit konventionellen Lebens- mitteln. Hier geht's zur Übersicht

19 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Frei, Wettingen
    Unter dem Begriff "Bio" wird heutzutage viel zu viel reingepackt. Für mich heisst "Bio", dass es unter natürlicher Umgebung mit natürlichen Hilfsstoffen aufgezogen wird. Aspekte wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, ökologischer Fussabdruck Menschenrechte und was denn noch alles gehören hier nicht hinein. Das solle anders deklariert werden, wie zB mit "Max Havelaar". Wenn "Bio" zu sektenhaft wird, verliert es an Glaubwürdigkeit.
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  • Kommentar von Rochus Schmid, Bonfol
    Vor 25 Jahren waren wir 1000 Biobauern aus Überzeugung . Mit Absatz über Bioläden und Wochenmarkt. Unterdessen sind 5000 neue Betriebe und Coop, mit Verspätung auch Migros dazugekommen. Die Motivation ist jetzt vor allem Marktanteil und Marge. Dies hat Einfluss auf die Qualität, denn wer nicht ganz überzeugt ist geht an die Grenzen des erlaubten. Knospe ist gut, doch wer überdurchschnittliche Qualität sucht sollte Demeter kaufen, ab Wochenmarkt oder ab Hof. Wir brauchen euch, wache Konsumenten!
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    1. Antwort von Andreas Meier, Zürich
      @Rochus Schmid: völlig Ihrer Meinung. Nur: Wie kann es in der neusten Studie sein, dass Demeter mit Biotrend (Lidl) und Migros Bio gleichgestellt ist und sogar tiefer als Naturaplan (Coop)? Wo Demeter doch das Label ist, das am wenigsten chemische Zusatzstoffe erlaubt, die Enthornung von Kühen verbietet, keine Plastikverpackungen bei frischem Gemüse und Früchten verwendet (Verkauf im Bioladen/Reformhaus oder Markt) und noch Mehrwegbehälter aus Glas bei Milch, Joghurt und Quark hat, etc.
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    2. Antwort von Rochus Schmid, Bonfol
      Warum ist Demeter nicht an der Spitze des Rakings? Man müsste im Detail schauen. Ein Punkt könnte sei, dass behornte Kühe noch eher im Anbindestall (mit Winterauslauf und Weide) gehalten werden. Laufstall führt häufig leider zum Enthornen. Auch suchen die div. Player nach unbearbeiteten Gärten, wie Migros mit Vogelwarte Sempach zusammenspannt, um dann diese (an sich gute)Spezialgebiete gezielt werbetechnisch aufzubauschen.Typ: mit Bauern sprechen, kritische Fragen stellen.
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  • Kommentar von Andrea Müller, Thunersee
    @Fischer, Buchs: Sie schreiben: "...Es gibt zu viele Menschen. Wen wir zu-viele Insekten haben, wissen wir wie wir das Problem lösen. " Was wollen Sie damit ausdrücken? Wie lösen wir das Problem mit zu vielen Insekten? Insekten werden vergiftet, vergast …, wenn es zu viele sind. Wollen Sie diese Lösungsverfahren auf Menschen anwenden? Oder wie sollen wir Ihre Aussage sonst verstehen?
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