Reisen früher: «Konsument kann sich nicht wehren, nur zahlen!»

Die Konsumentensendung «Index 5 vor 12» hat ab 1975 regelmässig Reisethemen behandelt. Wer die Beiträge von damals hört, bekommt den Eindruck, Reisende seien damals oft abgezockt und getäuscht worden. Sich zu wehren, scheint zudem ein Ding der Unmöglichkeit gewesen zu sein.

Eine Reise nach Florida für 880 Franken: auch 1980 ein Schnäppchen. Dieses relativierte sich indes, als das Reiseunternehmen zunächst zusätzlich 80 Franken Treibstoffzuschlag verlangte, und dann drei Tage vor Abflug noch einmal 80 Franken Währungszuschlag.

Konsumentenfreundlich – was ist das?

Insgesamt fast 20 Prozent Aufschlag nach der Buchung. Ein Sprecher des Reiseunternehmens gab sich gegenüber der Radiosendung «Index 5 vor 12» gelassen: «Der Dollar ist teurer geworden, dass das bei einem günstigen Angebot nicht mehr vom Veranstalter übernommen werden kann, ist klar.»

Auch «Index»-Reporter Hans Räz wurde vor über 30 Jahren zum Opfer einer konsumenten-unfreundlichen Praxis: Sein Swissair-Flug nach New York war überbucht und flog ohne ihn ab. Dies kommt zwar noch heute vor, von einer Entschädigung war damals jedoch noch keine Rede.

Falsche Angaben in Prospekten – Heute kaum mehr möglich

Schlecht weg kommen bei «Index 5 vor 12» auch Reiseführer und Reiseprospekte. Reiseführer waren schlecht recherchiert, unvollständig und voller falscher Angaben. Reiseprospekte der Veranstalter versprachen dafür das blaue vom Himmel – ein Augenschein vor Ort ergab dann ein komplett anderes Bild.

Gerade bei falschen Versprechen von Hotels ist in der Zwischenzeit einiges gegangen, dem Internet sei Dank. Der heutige Reiseombudsmann, Franco Muff, präzisiert: «Blumige Versprechen wird es immer geben. Heutzutage ist es für den Anbieter jedoch sehr wichtig, keine falschen Angaben zu machen. Auf Bewertungsportalen kommt er sonst schnell ins Kreuzfeuer.»

Auch sonst werde heute den Anbietern mehr auf die Finger geschaut, sagt Franco Muff: «Alles ist transparenter geworden, gerade was die Preise angeht. Zudem wissen Reisende heute mehr, sie können zum Beispiel auch mehr Fremdsprachen. So können sie sich besser wehren.»

«Index» berechnet Prominentendichte

Dass bei «Index 5 vor 12» auch der Humor nicht zu kurz kam, zeigt eine Glosse von 1980. Grundlage war ein Werbetext des Verkehrsvereins St. Moritz: «Kein anderer Ferienort der Welt» erreiche nur annähernd den Imagewert und die Prominentendichte von St. Moritz. «Index» erklärt die Prominentendichte mit amüsanten Rechenspielen.

Nachts an der Autobahn tanken? Schwierig!

Ein weiterer «Index»-Beitrag von 1980 illustriert die Schwierigkeit, nachts an einer Schweizer Autobahn-Tankstelle zu tanken. Ein französischer Tourist fand von Lausanne bis Bern keine offene Tankstelle. Für ein Land wie die Schweiz sei das «bedauerlich».

«Espresso retro»

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