Schwarzenegger war ihr Vorbild

Bodybuilder trainieren hart und stählen ihre Muskeln bis zur Schmerzgrenze. Die Attraktivität dieser Körpergestaltung ist Geschmackssache. Und der Blick in die Archive von SRF zeigt: So richtig ernst genommen wurde die Bodybuilder-Szene nie.

1967 berichtete die Schweizer Filmwochenschau von den Meisterschaften des schönsten Muskelmanns in Genf. Die Bilder zeigten Frauen, die den Männern halb belustigt, halb schmachtend zuschauten, gestrenge Juroren und natürlich eingeölte Männer, die ihre Muskeln spielen liessen. Der Kommentar zu den Bildern liess indessen keinen Zweifel darüber offen, wie die Wochenschau-Macher über den Anlass dachten:

«Die Schönheit liegt im Auge des Beschauers. Was aber nützt das pfauenhafte Gebahren, wenn die Lust zum Hinschauen damit gründlich verdorben wird? Beim Genfer Final des Wettbewerbs um den schönsten Muskelmann des Jahres, setzte es für den Sieger tatsächlich Beifall ab. Er gilt wohl weniger der zweifelhaften Ästhetik der Muskelpakete als den jahrelangen Übungen, die ihre Heranzüchtung voraussetzt.»

Otto Tanner und eine Pfanne voll Fleisch

1977 portraitierte das Vorabendmagazin «Karussell» des Schweizer Fernsehens, wie sich die Bodybuilder in engen Kellern mit hartem Training auf die Schweizermeisterschaften vorbereiten. Einer der Champions war der Zürcher Otto Tanner. Die Reporter begleiteten ihn zum Training, an die Meisterschaften und in seine Wohnung. Tanner und seine Kollegen verteidigten sich dabei immer wieder gegen Vorwürfe, Bodybuilder seien dumm, würden zu unerlaubten Mitteln greifen und seien häufig impotent. Dem widersprach Otto Tanners Frau im Film, während sie ihrem Gemahl in der Küche einen ganzen Berg von Fleisch-Koteletts zubereitete:

«Mir gefällt es, wenn der Otti so athletisch ist. Besonders in der Badeanstalt, wenn ich die neidischen Blicke der anderen Männer mit ihren dicken Bäuchen sehe. Ich finde das schön.»

Bodybuilder Tanner gab auch Einblick in seinen Speiseplan:

«Ich esse pro Tag rund 800 Gramm Fleisch. Ich ass auch schon 16 Schnitzel am Tag, das ging problemlos runter. Zusätzlich nehme ich einige Proteindrinks zu mir, die mir einen hohen Eiweissgehalt ohne Ballasstoffe garantieren.»

«Wie ein Ochsenfrosch wenn das Weibchen kommt»

1979 schickte das Regionaljournal Zürich-Schaffhausen den Reporter und späteren Verleger Norbert Neininger an die Bodybuilding-Schweizermeisterschaften im Zürcher Kongresshaus. Und Neininger sparte in seinem Bericht nicht mit scharfen und spitzen Bemerkungen:

Video «Schweizer Filmwochenschau "Apollo Helveticus " vom 8.12.1967» abspielen

Schweizer Filmwochenschau "Apollo Helveticus " vom 8.12.1967

0:34 min, vom 24.8.2015

«Wenn diese Muskelberge auf der Bühne ihre eingeölten Bizepse spielen liessen, blieb einem vor Lachen der Schnauf weg. Denn es schaut halt schon komisch aus, wenn sich diese Muskelberge –Nur mit einem winzigen Slip bekleidet - zu der Musik aufblasen, wie ein Ochsenfrosch wenn das Weibchen kommt…»

Die Bodybuilder-Körperkultur wurde in den 1970er-Jahren zunehmend auch von Frauen entdeckt. Bei den Meisterschaften in Zürich wurden sie in einem Referat bestärkt, weiter zu trainieren. Reporter Neininger berichtete trocken:

«Die Damen wurden von einem Sportmediziner in einem Referat beruhigt. Er sagte, sie müssten keine Angst haben, dass sie vom Training überdimensionierte Brüste bekämen.»

Vom Mägerli-Muck zum Muskelprotz

Auch die Konsumentensendung «Index 5 vor 12» von Radio DRS berichtete über Bodybuilding. 1983 kritisierte die Index-Redaktorin Rita Schwarzer die unlautere Werbung einer Liechtensteiner Firma für Hanteln und Krafttrainingsnahrung. Sie wurde in ihrer Kritik sogar vom Verband der Schweizer Bodybuilder unterstützt. Denn die Firma suggerierte in grossen Bildergeschichten in der Boulevardpresse, dass man sich dank dieser Nahrung, praktisch ohne Training vom Klappergestell zum Muskelpaket verwandle. Ein Mediziner erklärte:

«Diese Werbung ist sehr diffus. Sie verspricht 35 Zentimeter Muskelzuwachs in kurzer Zeit. Es steht aber nicht, wie das gemeint ist und es fehlt auch jeder Beleg dafür.»

Die Firma erklärte darauf, man müsse nur sämtlichen Muskelzuwachs an den Beinen, Armen und am Rumpf zusammenzählen, dann käme man schnell auf die sagenhafte Muskelvermehrung.

Video ««Karussell» vom 13.10.1977: Passion Bodybuilding» abspielen

«Karussell» vom 13.10.1977: Passion Bodybuilding

9:30 min, vom 13.10.1977

«Espresso retro»

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