Reise gewonnen – Geld verlocht

An einer Messe gewinnt eine 21-jährige Bernerin eine Wellness-Rundreise in die Südtürkei. Als sie beim Umsteigen den Anschlussflug verpasst, lässt sie der Reiseveranstalter kläglich hängen. Experten raten: Vorsicht bei gewonnenen Reisen!

Als Nathalie R. an der BEA am Glücksrad des deutschen Reiseveranstalters Revo eine achttägige Wellness-Gruppenreise in die Südtürkei gewinnt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Bei der kurzen Recherche im Internet findet sie keine negativen Feedbacks zum Veranstalter, und auch die Hotels existieren. Sie und ihr Freund beschliessen deshalb, die Reise zu buchen.

Reisebüro im Notfall nicht erreichbar

Bereits am Flughafen in Istanbul ist die Freude jedoch dahin. Wegen der schier endlosen Schlange an der Passkontrolle verpassen die beiden den Anschlussflug. Was tun?
Verzweifelt zückt die 21-jährige Bernerin das Handy und versucht, den Reiseveranstalter zu erreichen. Statt Hilfe gibt es dort jedoch eine Bandansage: Das Büro ist nur von Montag bis Freitag von neun bis zwölf Uhr geöffnet. Und auf der Notfallnummer beim türkischen Reisepartner versteht niemand Deutsch oder Englisch. «Nur Türkisch, und das kann ich leider nicht!», meint Nathalie R. Als letzte Hoffnung bleibt der Anruf im gebuchten Hotel in Antalya. Doch dort heisst es, das Hotel sei geschlossen.

«Das war wie ein Schlag ins Gesicht»

Für Nathalie R. platzt in diesem Moment ein Traum: «Ich sass am Flughafen in Istanbul am Boden und heulte nur noch.» Die beiden wollen jetzt nur noch eines: nach Hause. Und nehmen den nächsten Flieger zurück in die Schweiz.

Revo schiebt Schuld auf Kunden

Auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 schiebt Revo die Schuld auf die Kunden. Sie hätten die Reise nicht selbständig abbrechen dürfen, sondern einen späteren Flug nehmen und sich selber ein Hotel und einen Flughafentransfer organisieren sollen – notabene in einer wildfremden Stadt, mitten in der Nacht.

Zur miserablen Erreichbarkeit will sich Revo nicht äussern. Dass der lokale Partner in der Türkei kein Englisch versteht, bestreitet das Unternehmen: «Unser Partner DSC empfängt täglich viele Kunden aus aller Welt und hat uns versichert, dass die Sprache kein Problem sein kann.»

1000 Franken haben Nathalie R. und ihr Freund insgesamt für die vermasselten Ferien ausgegeben: Fürs Ticket des Freundes, für die beiden Rückflüge in die Schweiz und für die saftige Handyrechnung. Revo erstattet gerade mal 125 Euro zurück. «Für mich eine bodenlose Frechheit. Man hat uns einfach im Stich gelassen, es war dem Veranstalter egal, was mit uns passiert», ärgert sich N.R.

«Das ist unterirdisch»

Ein Reiseveranstalter, der im Notfall für seine Kunden nicht erreichbar ist – für Reiseombudsmann Franco Muff ist das unhaltbar. «Als seriöser Touroperator muss man eine 24-Stunden-Notfallnummer haben. So etwas darf nicht passieren.» Auch Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz findet die mangelnde Erreichbarkeit «inakzeptabel».

Experten warnen vor gewonnenen Reisen

Dennoch sind Konsumentenschützerin und Ombudsmann nicht erstaunt. Solche gewonnenen Reisen hätten häufig einen Haken. «Man muss sich vorgängig wirklich sehr gut informieren, sonst gibt es unter Umständen ein böses Erwachen», so Stalder.

Was tun mit einer gewonnenen Reise?

Recherche: Was genau hat man gewonnen? Unbedingt detaillierte Unterlangen verlangen. Denn immer wieder erleben Reise-Gewinner böse Überraschungen mit verschwiegenen Zusatzkosten oder unerwünschten Verkaufsveranstaltungen vor Ort.
Internet: Was wird über den Veranstalter geschrieben? Feedbacks?
Kontaktpersonen notieren, vor Reisebeginn erkundigen, wer im Notfall wie erreichbar ist.
Falls das Angebot diffus ist und man nicht an die gewünschten Informationen herankommt: Finger weg!

«Ferien ohne Ärger»

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