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Umwelt und Verkehr Auch Zuchtfisch gefährlich für Öko-System

Weltweit essen immer mehr Menschen Fisch: Der Verzehr pro Kopf und Jahr ist 2012 auf mehr als 19 Kilogramm gestiegen. Auch Fischaufzuchten boomen und decken laut UNO nahezu die Hälfte des Bedarfs ab. Nur: Aufzucht bedeutet noch lange nicht Nachhaltigkeit.

Legende: Audio Auch Zuchtfisch gefährlich für Öko-System abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
1:52 min, aus Espresso vom 20.05.2014.

Die Zunahme der Weltbevölkerung, höhere Einkommen und auch bessere Verteilungskanäle für Fische aller Art treiben die Nachfrage an. So steht es im Jahresbericht der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zur Fischerei und Aufzucht. 19 Kilogramm Fisch verzehrt weltweit ein Mensch pro Jahr im Durchschnitt.

Knapp die Hälfte des Bedarfs durch Aufzucht abgedeckt

Ein grosser Teil dieser Fische stammt aus Aufzuchten. So kann der weltweite Bedarf zu fast 50 Prozent gedeckt werden, wie die FAO in ihrem Jahresbericht schreibt. Allerdings warnen Umweltschutzorganisationen wie fair-fish oder WWF im SRF Konsumentenmagazin «Espresso»: Auch Zuchten können das Ökosystem empfindlich belasten.

Ökonomischer Irrsinn: Zuchtfische werden mit Fischen aus den Meeren gefüttert

Corina Gyssler vom WWF Schweiz warnt: «Die Nutzungseffizienz ist häufig schlecht bei Zuchten, das heisst, für ein Kilo Zuchtfisch braucht es bis zu vier Kilo Futterfisch aus dem Meer. Die Zucht senkt also nicht per se den Druck auf die Wildbestände in den Meeren.»

Dazu komme, dass bei Zuchten häufig sehr viel Medikamente wie Antibiotika eingesetzt werden: «Die Fische leben so dicht beieinander, dass es gar nicht ohne Medikamente gehen würde», so Gyssler. Ein weiteres Problem: Für die Zuchten an Küsten werden Mangrovenwälder zerstört. Die Mangrovenwälder sind aber gemäss der Umweltschutzorganisation die Kinderstube für Jungfische im Meer.

Fischessen mit gutem Gewissen? Nur mit Bio-Label

WWF Schweiz empfiehlt deshalb, Fisch als Delikatesse zu betrachten und höchsten zwei Mal pro Monat Fisch zu essen. «Und dann sollten die Fische aus Zuchten mit dem Bio-Label kommen», erklärt Corina Gyssler gegenüber «Espresso» auf Radio SRF 1.

«Das stellt sicher, dass die Zuchtfische mit Abfällen aus der Speisefischindustrie gefüttert werden, dass die Mangrovenwälder geschützt und nur ganz zurückhaltend Medikamente eingesetzt werden.» Laut WWF unterstehen solche Bio-Zuchten externen, unabhängigen Kontrollen, die die Einhaltung dieser Regeln sicherstellen.

Radio-Tipp

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Mehr dazu hören Sie am Dienstag im «Espresso» auf Radio SRF 1.

3 Kommentare

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  • Kommentar von M. Fischer, Buchs
    Also ich finde das schon interessant. Interessant deswegen weil man sich inzwischen fragen muss, wass denn mit gutem gewissen noch gegessen werden darf. Immerhin geht der WWF -wie auch andere NGOs- davon aus, das wir die Ressourcen von 2-2,5 Erden brauchen, um die Bedürfnisse der aktuellen Weltbevölkerung zu decken. Angesicht des Klimawandels wäre ich mal gespannt wie das gehen soll. 50-60% der Mensch im ansteigenden Meeresspiegel versinken lassen dürfte wohl kaum einen Option sein. ..oder!?
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    1. Antwort von M. Bolder, Muhen
      Ich habe das Modell des WWF und anderer Organisationen so verstanden, dass wir hier in der Schweiz pro Kopf etwa das Zwei- bis Dreifache der vorhandenen Ressourcen ausschöpfen (andere Länder noch mehr), während andere Länder und Kontinente unseren Überkonsum kompensieren (müssen), indem sie pro Kopf (bisher) bloss Bruchteile der Ressourcen verbrauchen, die zur Verfügung stehen. Aber jedes Modell hat wohl auch seine Grenzen.
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  • Kommentar von M. Bolder, Muhen
    Dort, wo das Meer bereits überfischt ist, ist der Fischfang nicht ökologisch. Zuchten und die Neuerschliessung von "nachhaltig befischten Fanggründen" sind in der Regel eine zusätzliche Belastung, denn der Gesamtbedarf an Fisch ist in den letzten Jahren gestiegen. Da frage ich mich schon, ob es überhaupt Fisch aus nachhaltigen Quellen geben kann. Ich fürchte, man hat lediglich die Wahl zwischen "schlimm" und "sehr schlimm" fürs ökologische Gleichgewicht. Leider.
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