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Umwelt und Verkehr Bio-Benzin: Vorsicht beim Tanken im Ausland

Wer in Frankreich oder Deutschland tanken muss, steht an der Zapfsäule oft vor einem Rätsel: E85 oder E10? Die Länder setzen auf Treibstoff mit Bio-Ethanol. Doch welche Modelle dürfen mit dem Bio-Treibstoff betankt werden? Selbst auf die Liste des TCS scheint nicht immer Verlass zu sein.

Legende: Audio Bio-Benzin: Vorsicht beim Tanken im Ausland abspielen.
6:00 min, aus Espresso vom 08.07.2014.

Als der Tank von «Espresso»-Hörerin Sarah Christen auf ihrer Frankreich-Reise gefährlich leer wird, beschliesst sie, an einer Raststätte anzuhalten und aufzufüllen. Doch vor der Zapfsäule steht sie vor einem Rätsel: Es stehen nur «E85», «SP95-E10» und «Gazole» zur Auswahl.

Keiner dieser Treibstoffe ist Sarah Christen ein Begriff. Via Smartphone findet sie im Internet auf einer Liste des TCS die Information, dass sie mit ihrem Ford Fiesta ST das Bio-Ethanol E10 tanken kann. Nur das Ford-Modell «Mondeo» sei für Bio-Ethanol nicht zugelassen.

Auf den TCS verlassen

Zwei Tage später fängt der Motor an zu stottern und spucken und es wird am Bordcomputer ein Fehler bei der Benzineinspritzung angezeigt. «Ein klares Indiz, dass es am Bio-Ethanol lag», sagt der Garagist von Sarah Christen, der seiner Kundin per Handy aus der Schweiz Support leistet.

In einer Garage in Frankreich wird das Benzin ausgepumpt und alle Kerzen gewechselt. Kostenpunkt: 535 Euro. Sarah Christen ärgert sich im Nachhinein nicht nur über die horrenden Reparaturkosten, sondern auch, dass sie sich auf die Information des TCS verlassen hat.

Verunreinigtes Benzin als Pannen-Ursache

Auf Nachfrage zeigt man sich sowohl beim TCS wie auch beim Autohersteller Ford erstaunt. «Wir sind überzeugt, dass unsere Liste stimmt», so Erich Schwizer, Leiter Mobilitätsberatung beim TCS.

Wie Recherchen von «Espresso» zeigen, hat das Auto von Hörerin Sarah Christen zwar den gleichen Motor wie das Schwestermodell Ford «Mondeo» - welches nicht für Bio-Ethanol zugelassen ist.

Wegen Unterschieden bei der Bauart bestünde beim Ford Fiesta ST beim Tanken von Ethanol trotzdem kein Problem, so die Stellungnahme von Ford gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF1. «Wir gehen davon aus, dass der getankte Treibstoff verunreinigt war», erklärt Ford-Sprecher Kaspar Haffner die Panne.

Lagerung ist heikel

Wie Brancheninsider wissen, ist das Bio-Ethanol wegen seinem grossen Alkohol-Anteil heikler bei der Lagerung als normales Benzin. Bei der Erdöl-Vereinigung ist man sich dieses Problems bewusst.

«Bio-Ethanol ist bei der Lagerung anspruchsvoller», bestätigt Verbandspräsident Rolf Hartl. Dennoch seien Probleme mit diesem Treibstoff «äusserst selten».

E10 kann zu Schäden führen

Seit 2009 ist das Bio-Ethanol in Frankreich, seit 2011 auch in Deutschland und Finnland erhältlich. Für Ferienfahrer sei häufig das Problem, dass das normale Bleifrei 95 in Frankreich kaum mehr zu finden sei. Auch sei lange nicht an allen Tankstellen Bleifrei 98 verfügbar, sagt Rolf Hartl von der Erdöl-Vereinigung.

Wer den Bio-Treibstoff mit einem Automodell tankt, das dafür nicht tauglich ist, riskiert Schäden. Dass die Tankstelle in Frankreich verunreinigtes Benzin verkauft hat, kann «Espresso»-Hörerin Sarah Christen im Nachhinein nicht mehr beweisen.

Sie muss den entstandenen Schaden von über 500 Euro nun selber berappen. Für Sarah Christen ist klar: Sie wird bei einem nächsten Mal um den Bio-Treibstoff einen grossen Bogen machen und lieber eine Tankstelle suchen, die normales Benzin anbietet.

Tipps im Umgang mit Tanken im Ausland

  • Nicht bis zum letzten Tropfen warten mit Tanken! So ist man flexibel und kann im Notfall auch auf eine andere Tankstelle ausweichen.
  • Bei Unsicherheit bezüglich Kompatibilität des eigenen Autos mit dem Bio-Treibstoff E10 am besten Bleifrei 95 tanken.
  • Falls kein Bleifrei 95 auffindbar ist, sollte man auf das teurere «Super Plus 98» ausweichen, so die Empfehlung des TCS.

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Benzin- & Diesel-Bezeichnung in 32 europäischen Ländern
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9 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Hauser, Dübendorf
    Alle Motoren welche auf bleifreies Benzin ausgelegt sind, können E10 gefahrlos tanken. Denn Alkohol war schon immer ein Benzin-Zusatz. Unter anderem im Aral Benzin, wie im Werbespot von 1968: "Tanken Sie einen!". Die Erdöl-Lobby macht trotzdem eine "Gefahr" daraus. Wie im Artikel treffend beschrieben, Frau Christens Ford stotterte und spuckte, was auf E85 im Tank schliessen lässt. Tank leeren und mit Benzin oder E10 wieder auffüllen, fertig. Wie wenn es Diesel gewesen wäre.
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  • Kommentar von Dr. Boris Hinz, Diplom-Chemiker, Leonberg
    Ich fahre einen Audi quattro - tanke seit 2 Jahren nur E10 (125.000 km) - ohne Probleme und ohne Mehrverbrauch. Ethanol wirkt als Desinfektionsmittel. Lagerprobleme können demnach nicht auftreten. Ethanol hat den Vorteil, dass es Kondensat aus dem Tank führt. Es dürften mehr Autos stehen bleiben, wie Sie nicht E10 getankt haben und Wasser im Tank sich ansammelt. Daher tanke ich nur E10. Zudem verbrennt Ethanol ablagerungsfrei (siehe Ethanolkamine).
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  • Kommentar von Duro Gutz, Mittelland
    Das ist ja unglaublich.... nachdem jetzt endlich in Deutschland (fast) alle begriffen haben, dass E10 weder Teufelszeug noch Hexenwerk ist, fängt die Diskussion in der Schweiz an? Praktisch alle Fahrzeuge, bis auf gaaaaaanz wenige Ausnahmen, die einen geregelten Katalysator haben, können mit E10 gefahren werden. Hoffentlich wird das Zeug bald auch in der Schweiz verkauft!
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