Brandneues Auto defekt: Garage lässt Kunden hängen

Ein Neuwagen für 32‘000 Franken steht zwei Tage nach dem Kauf still. Schon bald zeigt sich: Der Wagen lässt sich nicht reparieren. Unglaublich: Garage und Autofirma verweigern dem Käufer monatelang die Rückzahlung des Kaufpreises. «Kassensturz» sagt, welche Rechte Autokäufer haben.

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Brandneues Auto defekt: Garage lässt Kunden hängen

5:51 min, aus Kassensturz vom 11.11.2014

Zum ersten Mal seit über neun Monaten sieht Alfred Emmenegger aus dem Kanton Zug sein Auto wieder. Der eigentlich fabrikneue Nissan Juke Tekna steht noch immer in Reparatur in der Garage Galliker im luzernischen Kriens. Viele Einzelteile des Autos wurden abmontiert.

Emmenegger bedauert, dass er sein Auto kaum benutzen konnte: «Es ist ein wunderbar auf meine Bedürfnisse ausgerichtetes Auto, und es ist wirklich schade, dass es so lange nicht repariert werden konnte.»

Zahlt Mehrpreis für guten Service

Alles begann im Sommer vor einem Jahr, als Alfred Emmenegger einen neuen Nissan Juke Tekna kaufen wollte. Er entscheidet sich, das Auto bei einem regionalen Nissan-Händler im Kanton Zug zu kaufen, bei der Blau-Weiss Autohandels AG in Steinhausen.

Alfred Emmenegger: «Das Auto ist nicht so billig wie über den Direktimport, aber ich hatte bei der Garage das Gefühl, dass ich auch den entsprechenden Service erwarten kann.»

Auto fährt nur zwei Tage

Im letzten Januar kann Alfred Emmenegger seinen Nissan Juke schliesslich in der Garage abholen. 32‘000 Franken kostet der fabrikneue Wagen. Nur wenige Fahrten im Raum Zugersee unternimmt Emmenegger am selben und folgenden Tag.

Lenkrad

Bildlegende: Das Problem liegt in der Elektronik der Wegfahrsperre. SRF

Doch bereits am dritten Tag lässt sich das Auto nicht mehr starten. Emmenegger muss den Abschleppdienst rufen. Die Verkäuferin, die Garage Blau-Weiss AG in Steinhausen, versucht das Auto als Erste zu reparieren. Vergeblich. Auch eine andere Nissan-Garage hat keinen Erfolg.

Monatelanges Vertrösten

Alfred Emmenegger erhält Ersatzwagen um Ersatzwagen und wird Monat um Monat vertröstet. Im April hat der Nissan-Kunde genug. Und verlangt von der Verkäuferin, der Blau-Weiss-Autohandels AG und von Nissan Schweiz die Wandelung.

Das heisst: den Kaufpreis zurück, oder aber einen funktionstüchtigen Neuwagen. Doch es tut sich noch immer nichts. Emmenegger ärgert sich: «Und sogar jetzt nach neun Monaten weiss ich noch nicht, was mit dem Auto los ist.»

Hochkomplexer unreparierbarer Fall

Auf Geheiss von Nissan Schweiz sollte die Garage Galliker im luzernischen Kriens den kaputten Neuwagen wieder auf Touren bringen. Trotz intensiver Zusammenarbeit mit dem technischen Dienst von Nissan Deutschland steht das Auto aber bis heute still.

Der Geschäftsführer der Reparaturgarage, Gabriel Galliker, erklärt, weshalb der Fall so speziell ist: «Das Grundproblem oder das Ausgabeproblem liegt im Bereich der Wegfahrsperre, sprich Elektronik.» Der Fall sei so hochkomplex, so Galliker weiter, dass das Auto bis heute nicht fahrbar ist.

Vertrags-Partnerin hat Verantwortung

Obschon das Auto offenkundig nicht reparierbar ist, schieben sich die Verkaufsgarage und Nissan Schweiz gegenseitig die Verantwortung zu. Das Nachsehen hat der Kunde. Wer muss für den Schaden aufkommen?

Für «Kassensturz»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner ist klar: Die Vertragspartnerin sei die Verkaufs-Garage Blau-Weiss AG, und sie schulde das Geld dem Kunden. «Der Kunde hat mit der Garage einen Vertrag, und die Garage ist verpflichtet, ihre Leistungen nach dem Vertrag zu erbringen, unabhängig davon welche Abrede sie mit dem Importeur hat, oder mit einem Hersteller.»

Immer noch kein Geld

Erst nachdem sich «Kassensturz» eingeschaltet hat, reagiert die Verkäuferin, die Blau-Weiss-Autohandels AG. Geschäftsführer Bruno Zehnder verspricht nun, den ganzen Verkaufspreis zurückzubezahlen.

Zehnder betont, dass er bereits anfangs Mai bei Nissan einen Wandlungsantrag gestellt hätte. Dieser sei aber wegen Ferienabwesenheit und Umstrukturierung nicht weiter verfolgt worden. «Wir selbst sind ein Kleinbetrieb und haben sehr begrenzte Mittel. Uns ist es wichtig, dass wir Zusagen bekommen, bevor wir das Geld zurückbezahlen.»

Die Garage Blau-Weiss AG habe nun aber die Zusage von Nissan Schweiz erhalten, und Alfred Emmenegger bekomme in den nächsten Tagen das Geld vollumfänglich zurück, verspricht Bruno Zehnder vor der Kamera.

Doch: Trotz Zusicherung hat Alfred Emmenegger bis heute noch kein Geld von der Garage Blau-Weiss in Steinhausen erhalten. Alfred Emmenegger ärgert sich: «Es ist eine absolute Zumutung, nach neun Monaten noch keine Lösung gefunden zu haben.» Nun erwägt Emmenegger rechtliche Schritte.

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