Der Kampf ums Kunststoff-Recycling

In immer mehr Schweizer Gemeinden können die Einwohner ihre Kunststoff-Abfälle in separaten Gebührensäcken sammeln. An den zum Teil sehr unterschiedlichen Recycling-Modellen gibt es Kritik: Der Verband Swiss Recycling spricht von «Wildwuchs».

Papier, Glas, PET-Flaschen, Aludosen: Dass man diese Abfälle für die Wiederverwertung sammelt, ist für viele Schweizer Haushalte selbstverständlich. Kunststoff-Abfälle landen jedoch vielerorts noch immer im Abfall. Das soll sich ändern: In vielen Gemeinden ist es bereits möglich, in speziellen Gebührensäcken Plastik zu sammeln – zum Beispiel Verpackungen oder kaputtes Spielzeug.

Teilweise stehen private Firmen hinter diesen Sammelsystemen, teilweise die Gemeinden. Und je nach Anbieter können in den Säcken nicht dieselben Kunststoffe gesammelt werden. Dies stört den Verband Swiss Recycling, der sich für möglichst sortenreine Separatsammlungen einsetzt.

Geschäftsführer Patrik Geisselhardt findet: «Das ist Wildwuchs. Wir müssen schweizweit einheitliche Standards und Anforderungen etablieren können, damit es bei den Konsumenten nicht zu einer Verwirrung kommt.»

Statt einem Gemisch von Kunststoffen würde Swiss Recycling gezielt nur diejenigen Kunststoffe separat sammeln, die sich gut wiederverwerten lassen. Vergleichbar mit den PE-Plastikflaschen bei den Grossverteilern und den PET-Getränkeflaschen. Finanziert werden solle dies durch eine vorgezogene Gebühr.

Bund will kein einheitliches Kunststoff-Recycling

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist gegen eine Vereinheitlichung beim Kunststoff-Recycling. Nicht alle Regionen hätten die gleichen Voraussetzungen für ein solches Sammelsystem, sagt Michael Hügi, stv. Sektionsleiter beim Bafu. Deshalb mache es auch keinen Sinn, die ganze Schweiz über einen Leist zu schlagen und landesweite Vorschriften zu machen: «Wir wollen beim Kunststoff-Recycling den Ball bewusst der Branche und der Industrie überlassen, damit sie mit freiwilligen Massnahmen ökologisch und ökonomisch rentable Systeme aufziehen können.»

Diese Haltung begrüsst Markus Model, Verwaltungsratspräsident der Thurgauer Innorecycling, welche als private Firma in Säcken Kunststoffabfälle sammelt. Ebenso ist er Geschäftsführer der Innoplastics, welche rezyklierte Kunststoffe verwertet. Die Konkurrenz verschiedener Sammelsysteme bringe Wettbewerb statt ein Monopol. Das sei gut für die Konsumenten. Die Gefahr einer Verwirrung sieht er nicht: «Da wird der Konsument für blöd verkauft. Und das ist er nicht.»

Nur 50 Prozent werden wiederverwertet

Von verschiedener Seite wird kritisiert, dass bei gemischten Kunststoffsammlungen bis zu 50 Prozent des Sammelgutes am Schluss trotzdem in Verbrennungsanlagen landen. «Man muss aufpassen, dass man den Konsumenten nicht suggeriert, dass 100 Prozent wiederverwertet werden», sagt Patrik Geisselhardt von Swiss Recycling.

Markus Model von Innorecycling kontert, dass diese Verwertungsquote nichts Schlechtes sei: «Die anderen 50 Prozent sind ein alternativer Brennstoff, der in der Zementindustrie Braunkohle ersetzt. Und die ist nun wirklich dreckig.»

Innorecycling lässt den Kunststoff aus den Sammelsäcken in Österreich sortieren. In der Schweiz rentiere eine solche Anlage im Moment nicht. Auch hier gibt es Kritik. Diesmal vom Verband der Kehrichtverbrennungsanlagen. Geschäftsführer Robin Quartier würde den Kunststoff lieber in der Schweiz verwerten und zur Energiegewinnung verbrennen: «Wenn wir diese Abfälle in einer öffentlichen KVA verbrennen und verwerten, fliessen die Erträge aus der Energieproduktion an die Bevölkerung zurück.» Ansonsten fliesse der Gewinn in private Kassen.

Beim Kampf ums Kunststoffrecycling prallen also verschiedenste Interessen aufeinander. Private Firmen, Interessenverbände, Gemeinden und KVAs wollen in diesem relativ jungen Wirtschaftszweig mitverdienen. Der Kampf ist entbrannt. Welches System sich am Schluss durchsetzt, ist noch nicht entschieden.