Deutschlands Innenstädte: Nicht ohne Feinstaubplakette

Deutschland ist ein beliebtes Reiseziel für Schweizer. Was viele aber nicht wissen: In vielen deutschen Städten braucht man eine Feinstaubplakette, um mit dem Auto ins Zentrum zu fahren. «Kassensturz/Espresso» sagt, wo Sie eine solche Plakette brauchen und wie Sie sich diese besorgen.

Die Ferien sind vorbei, doch viele können sich noch nicht an den zurückgekehrten Alltag gewöhnen. Die Unternehmungslust schlummert immer noch. Wie wäre es mit einem spontanen Trip nach München?

Mit dem Auto ist man innert weniger Stunden mitten in der Hauptstadt Bayerns. Schnell ein Hotelzimmer buchen und los geht’s … Stopp! … Nicht so schnell. Haben Sie an die Feinstaubplakette gedacht?

Im Jahre 2008 richtete München nämlich in der Stadtmitte sogenannte Umweltzonen ein. Das heisst: In diesen Gebieten dürfen nur emissionsarme Fahrzeuge verkehren. Und wer ein solches Fahrzeug hat, der muss dies mit einer Umweltplakette – auch Feinstaubplakette genannt – bestätigen. Mit dieser Massnahme wollen die Verantwortlichen die Luftqualität in der Innenstadt verbessern.

Ohne Plakette wird’s teuer

Umweltzonen-Schild

Bildlegende: Wenn Sie in Deutschland dieses Schild sehen, dann herrscht Plakettenpflicht. Keystone

Und München steht bei weitem nicht alleine da. Mittlerweile sind solche Plaketten in über 80 deutschen Städten obligatorisch (siehe Karte). Wer ohne sie in die Umweltzone fährt, muss mit einer Busse von 80 Euro rechnen.

Hinzu kommen noch Bearbeitungs- und Postgebühren. Die Busse fällt auch dann an, wenn das Auto eigentlich für die Zone zugelassen wäre. Diese Regel gilt übrigens nicht für Motorräder und Mofas.

Wenn Sie also mit ihrem Wagen in deutsche Stadtzentren fahren möchten, klären Sie vorher unbedingt ab, ob sie eine Umweltplakette benötigen (siehe Karte). Sie sparen so viel Geld und Ärger. Diese Kleber ist deutschlandweit und zeitlich unbegrenzt gültig.

Bald nur noch grüne Plakette erlaubt

Die Plaketten werden aufgrund des Fahrzeugausweises vergeben. Massgebend sind Treibstoffart (Benzin oder Diesel) und Baujahr des Autos. Diesel-Fahrzeuge, die nach dem 01.01.2006 erstmalig zugelassen wurden und benzinbetriebene Autos mit Inverkehrssetzung nach dem 01.01.1993 erhalten eine grüne Plakette, ältere Fahrzeuge eine gelbe oder rote Plakette.

Allerdings nützen gemäss Frank Nowotka vom Infoportal umwelt-plakette.de die roten Plaketten nichts. Die Städte geben für diese Fahrzeuge ihr OK nicht mehr.

Und auch der Farbe Gelb droht bald das aus, wie Frank Nowotka weiss: «Es gibt nur noch vier Städte, die gelbe Plaketten erlauben, und das wird sich 2015 ebenfalls ändern.» So gibt es also bald nur noch mit Grün grünes Licht für die Innenstadt.

Und wie komme ich zu einer «Umwelt-Vignette»?

Die Feinstaubplaketten können in Deutschland online oder schriftlich bestellt werden, bei:

  • KFZ-Zulassungsstellen (in den jeweiligen Rathäusern)
  • technischen Überwachungsvereinen (z.B. TÜV, Dekra, GTÜ, KÜS, ADAC-Prüfcentren)
  • Oder auch auf umwelt-plakette.de

Die Kosten liegen dabei ungefähr bei 12 bis 15 Euro, inklusive Versand. Deutlich teurer ist das Angebot von umwelt-plakette.de. Dort kostet eine bedruckte Plakette 49.90 Euro.

Gibt man sich mit einer handschriftlich ausgefüllten Plakette zufrieden, kostet sie noch 39.90 Euro für die Schweizer. Interessant: Fahrzeughalter aus anderen Ländern bezahlen 10 Euro weniger!

Auch direkt vor Ort ist möglich

Das Problem bei Online-Bestellungen: Sie sind zwar bequem, für spontane Ausflüge aber ungeeignet, denn die Wartezeit beträgt 7 bis 14 Tage. Eilige Schweizer Fahrzeughalter haben deshalb auch die Möglichkeit, direkt vor Ort eine Plakette zu beziehen, bei einer der oben erwähnten Stellen oder bei einer abgasuntersuchungsberechtigten Werkstatt.

Die Plakette kostet in diesem Falle noch 5 bis 7 Euro. Der Nachteil hier: Diese Stellen sind am Wochenende in der Regel geschlossen. Mit etwas Glück findet man vielleicht eine Werkstatt, die mit einer Tankstelle gekoppelt ist und am Wochenende geöffnet hat.

Bezugsmöglichkeiten in der Schweiz

Die Feinstaubplakette kann aber auch in der Schweiz bezogen werden. Der TCS bietet diesen Service an, allerdings muss die Bestellung mindestens 10 Tage vor Abreise in Auftrag gegeben werden, da sie in Deutschland ausgestellt wird. Die Plakette kostet für Nichtmitglieder 28 Franken, für Mitglieder 24 Franken.

Also einiges mehr als in Deutschland. Gemäss Stephan Müller vom TCS würden mit diesem Betrag die effektiven Kosten der Vignette und der damit verbundene Arbeitsaufwand abgegolten. Eine Gewinnmarge sei in dieser Rechnung nicht einkalkuliert.

Schneller und günstiger geht es bei der deutschen Firma A.T.U.. Die Feinstaubplakette kostet dort 10 Franken und kann in einer der sechs Schweizer Filialen online bestellt oder direkt abgeholt werden. Auch hier braucht es aber eine Vorlaufzeit von 1 bis 2 Tagen. Immerhin: Die Plaketten können auch samstags abgeholt werden.

Wichtig: Egal ob online oder vor Ort, halten Sie immer Ihren gültigen Fahrzeugausweis bereit. Denn ohne ihn gibt es keine Plakette.

So steht dem Ausflug ins Nachbarland nichts mehr im Wege. Ausser vielleicht am Wochenende oder für Autofahrer, die keinen grossen Aufwand betreiben möchten. In einem solchen Fall rät Stephan Müller: «Wem das Prozedere zu umständlich ist, der parkiert am Rand der Umweltzone und fährt mit dem öffentlichen Verkehr in die Innenstadt.»

Stellungnahme A.T.U vom 21.08.

«Der Preis für die Umweltplakette liegt weiterhin bei 10 Franken. Sie ist über alle Schweizer Filialen zu beziehen. Da es aber offenbar noch Informationsdefizite gab, haben wir heute alle Schweizer Filialen zu diesem Thema informiert.»