Die Sitzplatzanweiserin namens SBB

Die SBB will ihre Pendler erziehen. Die meisten von ihnen steigen laut Bundesbahn nämlich im Bereich der Zugsmitte ein, anstatt die Türen auf der Gesamtlänge des Zuges zu nutzen. Mit akustischen Hinweisen am Perron und im Zug sollen Passagiere erfahren, wo sie einsteigen und sitzen sollen.

Gedränge vor einer Zug-Eingangstür

Bildlegende: Laut SBB steigen die meisten Passagiere in der Zugmitte ein. SRF

Nach einer knappen Woche sei es noch zu früh um über Erfolg oder Misserfolg der «Reisendenlenkungs-Kampagne» zu sprechen, meint SBB-Mediensprecher Reto Schärli.

«Wenn man Pendler langfristig an neue Verhaltensweisen gewöhnen will, dauert das.» Interessanterweise würden viele Passagiere lieber in der Mitte stehen, als am Anfang oder am Ende eines Zuges zu sitzen.

Keine Erziehungsmassnahme

In verschiedenen Kommentaren äusserten sich Passagiere kritisch zur Aktion. Man wolle nicht von der SBB erzogen werden noch ständig mit akustischen Durchsagen während der Fahrt belästigt werden. Schärli sagt gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf Radio SRF 1: «Wir haben diese Aktion nie als Erziehungsmassahme verstanden.» Man wolle lediglich Tipps abgeben und den Kundinnen und Kunden helfen, einen Sitzplatz zu finden.

Auch wenn es eine grossangekündigte schweizweite Aktion ist, werden die Durchsagen lediglich auf rund 80 ausgewählten Zügen gemacht. «Wir haben uns explizit auf den punktuellen Einsatz von Durchsagen entschieden, um unsere Passagiere auch nicht mit unnötigen Durchsagen zu nerven.»

Pünktlicher dank richtigem Einsteigen

Verspätungen könnten auch dadurch vermieden werden, dass Passagiere nicht alle durch dieselben Zugstüren drängeln, so Schärli. Die ungleiche Passagierverteilung führe zu langsamerem Wechseln an Bahnhöfen und so zu längeren Aufenthaltszeiten eines Zuges. «Zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend fordern wir deshalb Kunden mit Lautsprecherdurchsagen auf, sich besser auf dem Perron zu verteilen.»

Digitale Anzeigen zurzeit kein Thema

Technische wäre es möglich, den Kunden auf Bildschirmen auf dem Perron und im Zug zu zeigen, wo ein Platz frei ist. Allerdings wäre das eine komplexe und sehr teure Massnahme, meint Mediensprecher Reto Schärli. «So etwas ist Zukunftsmusik und soll von der nächsten Generation geplant und umgesetzt werden.»

Aktion bereits in Regionen getestet

In diversen Regionen wurden bereits punktuelle Aktionen zur Reisendenlenkung durchgeführt. «Bei diesen Tests haben wir mehrheitlich positive Erfahrungen gemacht», so der SBB-Mediensprecher.

Die Schwerpunktwoche auf nationaler Ebene findet nun vom 13. bis 20. Mai 2013 an den Bahnhöfen Basel, Bellinzona, Bern, Chur, Genf, Lausanne, Luzern, Olten und Zürich statt.

SBB: Kunden wollen mehr Information und mehr Disziplin

«Espresso»-Hörer haben im Forum ihren Ärger und Verbesserungsvorschläge formuliert. Sie wünschen sich diese Information schon auf dem Perron.

Ein weiterer Vorschlag zur «Kundenlenkung» der Bahn: «Würden alle rechts gehen, wäre ein gleichzeitiges Ein- und Aussteigen möglich.»