Fünf Vorschläge gegen überfüllte Züge und Busse

Verstopfte S-Bahnen und Busse sind für viele Pendler ein täglicher Ärger. Auch das neu lancierte Abend-GA kann die Pendlerströme kaum umlenken. Das Interesse ist gering. Dabei gäbe es durchaus kreative – und provokative – Ideen, wie man die Stosszeiten im öffentlichen Verkehr entschärfen könnte.

Über das Problem von öffentlichen Verkehrsmitteln, die aus allen Nähten platzen, zerbrechen sich Schweizer Verkehrsplaner seit längerem den Kopf. So zum Beispiel Martina Kühne vom Gottlieb Duttweiler Institut (GDI), einem Forschungsinstitut, das sich mit Zukunftsfragen befasst.

Sie hat kürzlich eine Studie zum Thema veröffentlicht. Oder Ulrich Weidmann, Professor für Verkehrssysteme an der ETH Zürich.

Das Konsumentenmagazin «Espresso» auf Schweizer Radio SRF 1 hat mit Ulrich Weidmann und Martina Kühne fünf Vorschläge diskutiert:

Vorschlag 1: Massive Rabatte in Randzeiten

In den Stosszeiten fahren rund vier Mal mehr Passagiere im öffentlichen Verkehr als sonst. Wieso also nicht jene mit Rabatten belohnen, die ausserhalb dieser Zeit fahren?

«Eine gute Idee», findet Martina Kühne vom GDI. Verkehrsplaner Ulrich Weidmann von der ETH Zürich hingegen zweifelt an der Wirksamkeit von Rabatten für Randzeiten. Durch solche Preissenkungen hätten die ÖV-Unternehmen schlussendlich weniger Geld in der Tasche – Geld, das später für den Ausbau des ÖV fehle.

Vorschlag 2: Stehwagen zu Stosszeiten

«Flexibles Rollmaterial je nach Tageszeit», dieser Vorschlag kommt von Martina Kühne vom GDI. Das bedeutet: Stehwagen zu Stosszeiten, dafür zu Randzeiten mehr Luxus. Zum Beispiel Jassabteile für Ausflügler, Fitness- oder Yogawagen für Sportbegeisterte oder Bürowagen für Leute, die im Zug arbeiten möchten.

Vorschlag 3: Höhere Preise für den ÖV

In diesem Punkt sind sich Ulrich Weidmann von der ETH Zürich und Martina Kühne vom GDI einig: Würden die Preise im öffentlichen Verkehr erhöht, würden sich die Passagiere vermehrt überlegen, zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit zu gehen oder allenfalls gar den Wohnort näher an den Arbeitsort zu verlegen. «Im Extremfall könnte das dazu führen, dass ich mir überlege, ob sich ein langer Arbeitsweg wirklich lohnt», so Kühne.

Vorschlag 4: Flexiblere Arbeitgeber und Arbeitszeiten

Viele Arbeitnehmende haben einen fixen Arbeitsbeginn, zum Beispiel in einer Praxis, im Laden oder am Schalter. Viele von uns hätten jedoch zumindest theoretisch die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten oder sogar für Home Office – wenn der Arbeitgeber das zulassen würde. «Aus meiner Sicht ist das Potenzial in diesem Bereich noch riesig», so die Einschätzung von ETH-Professor Ulrich Weidmann.

Vorschlag 5: Schüler & Ausflügler erst ab 9 Uhr

Dieser Vorschlag ist sicherlich umstritten. Trotz allem: Wenn Schüler erst um 9 Uhr in die Schule müssten, und Ausflügler nicht auch noch zu Stosszeiten unterwegs wären, könnte es relativ schnell eine starke Entlastung geben. Helfen würde vor allem, so ETH-Professor Ulrich Weidmann, wenn die Kinder nicht alle gleichzeitig zur Schule müssten, sondern gestaffelt.