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Umwelt und Verkehr «Mit Swisspass wird die Kundenbetreuung leiden»

Drei Monate nach der Einführung des neuen Swisspass zieht der Verband des SBB-Zugpersonals ein durchzogenes Fazit. Wenn beim Personal nicht aufgestockt werde, drohe ein Abbau beim Service und bei der Kundenbetreuung im Zug. Die SBB widerspricht.

Legende: Audio «Mit Swisspass wird die Kundenbetreuung leiden» abspielen. Laufzeit 4:13 Minuten.
4:13 min, aus Espresso vom 05.11.2015.

Am 1. August 2015 wurde der Swisspass eingeführt. Seither erhalten Kundinnen und Kunden der SBB ihr Halbtax-Abo oder ihr GA als rote Karte. Mehr als eine halbe Million Swisspass-Karten sind derzeit im Umlauf. Während die SBB-Spitze nach drei Monaten eine positive Bilanz zieht, sieht ihr Zugpersonal die Lage düsterer.

Bilanz ist «durchzogen»

Andreas Menet, Zugchef der SBB und Vorstand der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, nimmt auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 kein Blatt vor den Mund: «Meine Bilanz ist durchzogen!» Die Befürchtung, dass die Kontrollen durch den Swisspass viel länger dauern, seien voll eingetroffen. Die Kondukteure hätten mindestens doppelt bis drei Mal so lang wie vorher, so Menet.

Bähnler befürchten «Lücken» bei der Betreuung

Kurt Schreiber von Pro Bahn Schweiz bestätigt diese Einschätzung: «Der Zeitaufwand ist tatsächlich grösser geworden. Ganz klar ein Nachteil fürs Zugspersonal und für die Kontrollen – das kann gewisse Lücken geben.» Und diese «Lücken» könnten sich in Zukunft noch massiv vergrössern.
Derzeit sind erst rund 1/5 aller Halbtax und knapp 40 Prozent aller GAs auf einem Swisspass. Wie es sein wird, wenn alle Kunden auf den Swisspass umgestellt haben, mag sich Andreas Menet, Zugchef der SBB, gar nicht erst ausmalen. Schon jetzt reiche es den Zugbegleitern immer häufiger nicht mehr, den ganzen Zug zu kontrollieren.

Längere Züge werden Problem noch verschärfen

Ebenfalls düster stimmen Andreas Menet die bereits beschlossenen Ausbaupläne der SBB bei den Zügen. Die neuen, längeren Doppelstock-Fernverkehrszüge mit 1400 Plätzen seien bereits bestellt: «Wir befürchten: Wenn es längere Züge mit mehr Sitzplätzen gibt, schaffen wir das mit dem Swisspass definitiv nicht mehr!»
Leiden werden laut Menet nicht zuletzt die Servicequalität und die Kundenbetreuung. Also Informationen über Verspätungen und Anschlüsse, oder die Betreuung der Fahrgäste im Störungsfall. «Es kann sein», erklärt Andreas Menet, Zugchef der SBB, «dass ich als Kunde im Störungsfall keinen Kondukteur erwische.» Die Zugbegleiter fordern deshalb eine Aufstockung des Personals.

SBB widerspricht

Stefan Wehrle, Mediensprecher der SBB, widerspricht. Am Anfang habe es mit den Kontrollen tatsächlich länger gedauert. Doch das habe sich mittlerweile eingependelt. Die Unterschiede zum bisherigen Kontrollsystem «sind minim», so Wehrle.
Die Erfahrung der eigenen Zugbegleiter ist eine andere. Trotzdem hat die SBB bei der Forderung ihres Personalverbandes nach mehr Zugsbegleitern bis jetzt immer abgewunken. So absolut will das Stefan Wehrle von der SBB heute nicht mehr sehen: «Wenn wir tatsächlich merken, dass wir in Spitzenzeiten mit dem bestehenden Personal nicht durchkommen, müssen wir das sicher überdenken.»

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