Neue Swiss-Tarife: Mit Gepäck oft teurer

Wer bei Swiss einen Europa-Flug bucht, muss umdenken. Bisher war ein Gepäckstück zum Aufgeben immer inbegriffen. Damit ist Schluss: Die günstigsten Flüge erhält nur noch, wer einzig mit Handgepäck reist. «Kassensturz» rechnet nach und sagt, wie sich Kunden im Tarifdschungel zurechtfinden.

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Neue Swiss-Tarife: Gepäckaufgabe nicht mehr inbegriffen

2:40 min, aus Kassensturz vom 23.6.2015

Was bei sogenannten Billigairlines üblich ist, führt jetzt auch die Swiss ein: Tickets, bei denen nur das Handgepäck inbegriffen ist. Ab dem 23. Juni hat Swiss für alle Europaflüge ein neues Tarifsystem eingeführt.

19 Franken Zusatzgebühr für Gepäck

In der Economy-Klasse ist im neuen Light-Ticket das Fluggepäck nicht mehr inbegriffen. Wer dennoch einen Reisekoffer einchecken will, muss eine Zusatzgebühr von 19 Franken pro Passagier und Weg zahlen. Oder er bucht von Anfang den teureren Tarif.

«Kundengerechter und individueller», so kündigt die Airline ihre neuen Tarife an. Doch fliegen nun die Passagiere günstiger, oder handelt es sich nur um eine verkappte Preiserhöhung? Sind die neuen Tarife ohne Gepäck immer günstiger als die alten mit Fluggepäck? Und zahlt der Passagier mit Fluggepäck mehr oder weniger?

Preisvergleich 40 Flüge in 10 Städte

«Kassensturz» hat am Tag vor der Umstellung und am Tag danach Ticketpreise erhoben. Im Vergleich: 10 Destination in Europa, insgesamt konnten so 40 Flugpreise verglichen werden (siehe Tabelle mit einem Auszug aus den Resultaten). Fazit:

  • Ohne Fluggepäck günstiger: Die neuen Tarife ohne Fluggepäck waren in praktisch allen Fällen günstiger als die günstigsten Tickets im gleichen Flug vom Vortag. Das heisst: Wer nur mit Handgepäck reist, kann einen Tarif wählen, der noch etwas günstiger ist.
  • Mit Gepäckgebühr oft teurer: Wer hingegen mit Gepäck reist, muss die Preise im Auge behalten. Denn in der Hälfte der verglichenen Flüge kostet der günstigste Light-Tarif mit der Zusatzgebühr für das Gepäck mehr als im alten System der günstigste Tarif mit Fluggepäck. Aber: Bei der Hälfte der verglichenen Flüge beträgt der Gesamtpreis mit Zusatzgebühr weniger oder gleich viel wie am Vortag.
  • Swiss-Empfehlung nicht beachten: Beim Durchforsten des Tarifdschungels fällt ausserdem auf, dass sich der teurere Economy-Classic-Tarif oft nicht lohnt. Wer wie bis anhin das Risiko einer Umbuchung auf sich nimmt, fährt auf jeden Fall mit dem günstigen Light-Tarif am besten. Der Tipp in diesem Fall: Immer den günstigsten Tarif buchen und Zusatzgebühr für Gepäck wählen. Pikant: Auf der eigenen Internetseite empfiehlt die Swiss immer die teure Classic-Variante.

Neu: Günstiger Light-Tari» immer verfügbar

Swiss schreibt in einer Stellungnahme an «Kassensturz»: «Wir empfehlen im Europaverkehr den Classic-Tarif, da in diesem Tarif die wesentlichen Service-Merkmale wie Gepäckabgabe, Sitzplatzreservation und Umbuchbarkeit gegeben sind.»

Den Preisvergleich möchte Swiss nicht kommentieren. Die Airline betont, der Ticketpreis orientiere sich grundsätzlich an Markt und Nachfrage. Deshalb werde jede Strecke einzeln bewertet.

Immerhin: In einem Punkt scheint das neue Tarifsystem tatsächlich transparenter: «Neu ist, dass im Gegensatz zum alten Spar-Tarif die neuen Light-Tarife bis zum letzten Sitz verfügbar sein werden», schreibt Swiss.

Tarife vorher & nachher

Tarife vorher & nachher

Tarif-Vergleich bei 10 Swiss-Destinationen vor und nach dem 22. Juni als PDF-Tabelle