Pendler-Fahrgemeinschaften: So funktionieren sie

Wollen Firmen, dass ihre Mitarbeiter Fahrgemeinschaften bilden, müssen sie etwas dafür tun. Ein gescheitertes Experiment bei Coop zeigt: Es reicht nicht, die Mitarbeiter untereinander zu vernetzen. Vielmehr müssen Firmen Privilegien für Leute schaffen, die gemeinsam im Auto zur Arbeit fahren

Die gute Nachricht: Wenn eine Firma wirklich will, dass ihre Mitarbeiter eine Fahrgemeinschaft bilden, dann klappt es auch. Die Schlechte: Gemäss der Mobilitätsexpertin Monika Tschannen müssen sich die Firmen auch aktiv beteiligen und intern ein Angebot schaffen. «Sehr wichtig ist beispielsweise eine Intranet-Plattform, auf der die Fahrgemeinschaften publiziert werden können.» Das reiche aber nicht.

Zusätzlich zur Kommunikation brauche es noch finanzielle Anreize. So könne man beispielsweise für Fahrgemeinschaften gratis Parkplätze anbieten, während alle anderen eine Gebühr zahlen müssen. Dieses Privileg für Fahrgemeinschaften komme allerdings nicht bei allen Angestellten gut an, sagt Monika Tschannen: «Es ist schwierig das durchzusetzen, weil es nicht von allen Mitarbeitern gewünscht ist. Es braucht Mut.»

Mit dem Modell «Gratis-Parkplätze für Fahrgemeinschaften» startet Caritas Jura in Delémont noch in diesem Sommer. In den vergangenen zwei Jahren hat Caritas erfolglos versucht, den 40 Mitarbeitern Fahrgemeinschaften schmackhaft zu machen. Nun sagt Direktor Jean-Noël Maillard gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1: «Ab Juni kosten unsere Parkplätze vor dem Haus pro Monat 30 Franken, für Fahrgemeinschaften bleiben sie gratis.»

Privilegierte Parkplätze für Fahrgemeinschaften

Die Firma Nestlé in Orbe (VD) organisiert bereits seit drei Jahren Fahrgemeinschaften. Von den 1500 Mitarbeitern beteiligt sich laut Thomas Suter von Nestlé knapp die Hälfte daran. Vor allem bei den Schichtarbeitern sei die Fahrgemeinschaft beliebt. Kein Wunder, denn wer mitmacht, profitiert auch, so Suter: «Für Fahrgemeinschaften haben wir garantierte Parkplätze in der Nähe des Firmengebäudes.» Ausserdem helfe Nestlé, wenn der Fahrer krank werde: In diesem Fall bezahle die Firma den anderen Beteiligten die Heimreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Taxi.

Carpooling braucht Geduld

Gemäss der Mobilitätsexpertin Monika Tschannen ist es wichtig, dass die Firmen Mittel zur Verfügung zu stellen, um Fahrgemeinschaften, das sogenannte Carpooling zu fördern. Ausserdem dürfe man Erfolge nicht zu schnell erwarten, sagt Tschannen: «Verhaltensänderungen brauchen Zeit. Das macht man nicht von heute auf morgen.» Ausserdem sei Carpooling nur eine von vielen Massnahmen, die ein Unternehmen einsetzen könne, um Nachhaltigkeit zu fördern. Wichtig sei die gute Einbettung in ein Gesamtkonzept. Das Unternehmen müsse vor allem bereit sein, vieles auszuprobieren.

Beim gescheiterten Experiment von Coop gab es keine Privilegien für Mitarbeitende, die Fahrgemeinschaften bilden wollten. Coop führte im letzten Herbst eine Umfrage in der Einkaufs- und Verteilzentrale in Wangen bei Olten durch. Von den 900 Angestellten hatten nur gerade 25 Interesse daran, gemeinsam im Auto zur Arbeit zu fahren. Coop bestätigt einen entsprechenden Artikel des Tages-Anzeigers. Im Kreis der 25 Interessierten kamen keine Fahrgemeinschaften zustande.