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Umwelt und Verkehr Plastikmüll auch in Schweizer Gewässern

Forscher der ETH Lausanne haben Gewässer vom Bodensee bis zum Genfersee nach Plastikresten untersucht. Die Erkenntnis des Bundes: Eine direkte Gefährdung für Mensch und Umwelt besteht nicht. Aber Mikroplastik wurde fast überall gefunden.

Legende: Audio Plastikmüll auch in Schweizer Gewässern abspielen. Laufzeit 4:05 Minuten.
4:05 min, aus Espresso vom 12.12.2014.

Über die Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik wurden bereits viele Untersuchungen publiziert. Zur Belastung der Binnengewässer in der Schweiz gab es bis jetzt aber kaum Angaben. Das Bundesamt für Umwelt hat deshalb sechs Schweizer Seen in allen Landesteilen und die Rhone nach Plastik untersuchen lassen.

Überall Plastik

Fast in allen Gewässern wurde Plastik gefunden. Alleine die Rhone hinab schwimmt täglich ein Plastikpaket von 13 Kilogramm. Auch in den untersuchten Stränden wurde viel Kunststoff gefunden. Ausserdem enthielten drei von 40 untersuchten Fischen und acht der neun gefundenen und untersuchten Vogelkadaver im Verdauungstrakt kleine Mengen an Mikroplastik.

Der grösste Teil (60 Prozent) des gefischten Mikroplastiks bestand aus Resten aus Verpackungen – vorwiegend Polyethylen. Die in vielen Pflegeprodukten verwendeten, industriell gefertigten Plastic-Kügelchen machten laut dem BAFU einen «verschwindend kleinen Anteil des gesammelten Mikroplastiks aus». Allerdings fischten die Forscher nur nach Plastikpartikeln die grösser als 0,3 Millimeter waren. Beim BAFU geht man trotzdem davon aus, dass auch in den Kläranlagen ein grosser Teil des Plastiks durch die Filtration aus dem Wasser entfernt werden kann.

Ein ganzer Plastikkontinent

Auch wenn keine direkte Bedrohung für die Umwelt bestehe, macht das Bundesamt für Umwelt klar, dass Plastik grundsätzlich nichts in Gewässern zu suchen hat. Es verweist auf bestehende Massnahmen wie eine Verbesserung des Recycling und den Kampf gegen Littering. Anzustreben sei ausserdem ein Verzicht oder die Reduktion von Kunststoffen in gewissen Anwendungen (Pflegeprodukte).

Gemäss amerikanischen Forschern treiben mehr als fünf Billionen Plastikteile mit einem Gesamtgewicht von 270‘000 Tonnen in den Weltmeeren. Die Folgen sind teils sichtbar – etwa bei Meeresschildkröten, deren Taille von einem engen Plastikring zugeschnürt ist oder bei verhungernden Vögeln und durch Plastik erstickte Pinguine.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub, Bern
    Für's Recycling wird schon recht viel getan. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass noch mehr Produkte gesammelt werden. Zum Beispiel all die schönen, mörderischen Verpackungen, die man kaum öffnen kann. Oder auch billige Plastikteile etc. Ein grosses Problem ist aber auch die Bequemlichkeit der Menschheit und die zunehmende Überfremdung. Menschen aus anderen Kulturkreisen haben oft eine andere Einstellung zu richtige (egal wie) Abfallentsorgung.
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  • Kommentar von Maja Sommer, Zürich
    Warum sollte es in der Schweiz anders sein? Forscher wissen schon lange, dass Plastik überall zu finden ist, sogar in unserem Körper wurde er nachgewiesen. Und die Massnahmen hier sind zum Schreien: "anzustreben ist ein Verzicht von Kunststoffen in gewissen Anwendungen"! Verbieten muss man es. Pflegeprodukte funktionieren heute auch bestens ohne Plastikzeugs. Und wenn sich jeder überlegen würde, was wir sonst noch alles nicht aus Plastik kaufen müssen, wäre schon viel getan...
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  • Kommentar von Rolf Maeder, Aussersafien
    wie bei so vielem liegt die Macht beim Konsumenten der sich jetzt mehr denn je dieser Verantwortung bewusst sein muss. Es gibt Apps mit denen sich Barcodes von Produkten scannen lassen (zB Codecheck) und Inhaltsstoffe (zB Polyethylene, oft bei Nivea) die unbedingt vermieden werden sollten. Wer's nicht für unsere Kindeskinder oder die Natur tun möchte: viele der problematischen Stoffe sind auch unmittelbar durch langfristige Anwendung für uns selbst schädlich. Denn sie wissen nicht, was sie tun!
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