SBB zieht bei Fotos die Schraube an

Die SBB lehnt immer mehr Fotos für Abonnemente wie Halbtax oder GA ab. Vor der Einführung der neuen Kundenkarte «SwissPass» Mitte 2015 setzt die Bahn Ihre Fotostandards konsequenter durch.

Eine «Espresso»-Hörerin hat die strikte Linie der SBB zu spüren bekommen. Als sie am Bahnhof Kerzers FR ein Halbtax-Abo lösen wollte, nahm das Schalterpersonal der BLS das mitgebrachte Foto zwar an, das Verarbeitungszentrum der SBB lehnte es jedoch zwei Tage später ab. Dies wegen eines kleinen Schattens im Hintergrund.

Auch ein zweites Foto, welches die Kundin erneut am Schalter abgab, wurde im Nachhinein abgelehnt. Der Grund diesmal: Der Kopf war um wenige Millimeter zu klein.

Striktere Anwendung der bestehenden Vorgaben

Bei Weitem kein Einzelfall, sagt BLS-Sprecher Michael Blum: «Bei unseren Reisezentren registrieren wir in den letzten Monaten vermehrt Fälle, wo Fotos von der SBB abgelehnt werden. Die betroffenen Kunden müssen wir dann bitten, mit einem neuen Foto vorbeizukommen.» Um das Problem aufzufangen, wurden vier Kundenzentren der BLS testweise mit einer Kamera und einem Drucker ausgestattet. Diese kommen zum Einsatz, wenn das Schalterpersonal beim mitgebrachten Foto der Kunden Einwände der SBB befürchtet.

«Es hat bezüglich der Vorgaben für die Fotos keine Anpassungen auf Seiten der SBB gegeben», sagt Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1. Er verweist jedoch auf ein internes Memo, wonach die Fotostandards seit einiger Zeit konsequenter angewendet werden. Der Hintergrund ist die Lancierung des «SwissPass» Mitte 2015.

Auf «SwissPass»-Karten wird das Foto grösser

Auf der neuen elektronischen Kundenkarte werden Kundendaten gespeichert. «SwissPass» wird schrittweise die bestehenden Abo-Karten ablösen. SBB-Sprecher Christian Ginsig: «Das Foto ist auf der neuen Kundenkarte wesentlich grösser als auf dem Halbtax oder dem GA. Darum ist es wichtig, dass die Fotoqualität gut ist und der Gesichtsausschnitt sehr gross dargestellt werden kann.»

Konkret: Die Breite des Kopfes auf den Fotos darf die vorgegebenen 20 Millimeter nicht unterschreiten. Weitere Ablehnungsgründe sind z.B. Schatten, gewisse Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen. Die Fotostandards der SBB können hier aufgerufen werden.

Auch beim Pass und der ID sind die Vorgaben strikt

Das erste Foto, welches die SBB im Fall der «Espresso»-Hörerin abgelehnt hat, wurde für die Identitätskarte problemlos akzeptiert. Ist die SBB strenger als die Passbüros? «Nein», erklärt Stefan Kunfermann vom zuständigen Bundesamt für Polizei fedpol auf Anfrage von «Espresso». Als die entsprechende Identitätskarte 2005 ausgestellt wurde, galten noch andere Kriterien. Die geringe Grösse des Gesichtsausschnittes habe damals noch kein Problem dargestellt.

Der erkennbare Schatten im Hintergrund hätte laut fedpol eine Verwendung jedoch verhindern müssen. Im zuständigen Passbüro sei damals offenbar ein Fehler passiert. Die Kriterien für die Verwendung von Fotos für Pässe und Identitätskarten würden von den Passbüros normalerweise strikt eingehalten. Diese Kriterien gelten übrigens auch für Führerausweise, werden laut der Vereinigung der Strassenverkehrsämter dort jedoch grosszügig angewandt.