Schweizer Benzinverbrauchs-Zahlen sind unrealistisch

Der VW-Skandal zeigt erneut: Autofahrer können sich nicht auf Hersteller-Angaben verlassen. Der Konsumentenschutz macht Druck mit Klagen. «Kassensturz» zeigt: In den USA zwingt der Staat die Autobranche schon heute zu realistischen Verbrauchsangaben. Was tun die Schweizer Behörden?

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Abgas-Lüge: Jetzt brauchts den Druck der Schweizer Autofahrer

8:17 min, aus Kassensturz vom 13.10.2015

Viele Käufer eines VWs haben Ärger: Ihre Autos sind vom Abgas-Bschiss betroffen. Hersteller VW hat angekündigt, die Wagen zurückzurufen und mit einer Reparatur gesetzeskonform zu machen. Wie und wann genau, ist jedoch noch unklar.

Die Westschweizer Vereinigung der Konsumenten FRC sammelt Daten von Geschädigten. Hunderte haben sich online in eine Liste eintragen. FRC Generalsekretär Mathieu Fleury hat zudem eine Strafklage wegen Täuschung eingereicht.

«Ich glaube, es ist unbestritten, dass die Reparaturkosten übernommen werden müssen. Und VW muss diese Vorrichtungen zum Tricksen entfernen. Klar ist: Die Autos haben an Wert verloren. Dieser Wertverlust muss von AMAG und VW bezahlt werden», sagt Mathieu Fleury.

Autos verbrauchen mehr

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10.03.15: Bschiss beim Benzinverbrauch: So schummeln Autoherst...

18 min, aus Kassensturz vom 10.3.2015

Die Autoindustrie wirbt mit irreführenden Angaben beim Benzinverbrauch: «Kassensturz» berichtete bereits im März über die unrealistischen offiziellen Verbrauchsdaten. Die Fahrt des Kassensturz-Moderators auf der Strasse mit einem Mini Cooper zeigt: Der Mini schluckt 5,2 Liter auf 100km. Der Hersteller verspricht jedoch einen viel tieferen Wert: 3,5 Liter.

Der tiefe Verbrauchswert aus dem Katalog wird nur unter Laborbedingungen auf der Rolle erreicht: Ohne Klima-Anlage, ohne Heizung, Licht, Radio und Bordcomputer.

Höhere Werte im Katalog in den USA

Ganz anders in den USA. Hier misst die zuständige Kontroll-Behörde EPA die Laborwerte vieler Autos nach - auf dem Prüfstand und auf der Strasse. Danach korrigiert sie bei allen Autos die Messwerte um rund 10% nach oben, um zum Beispiel den Einsatz der Klimaanlage mit einzuberechnen. So bekommen die Kunden beim Autohändler realitätsnahe Verbrauchswerte.

Deutsche Auto-Experten bestätigen dies: «In den Vereinigten Staaten stimmen die Angaben fast genau überein. Der Grund: in den Vereinigten Staaten wird kontrolliert. Zudem können die amerikanischen Bürger auch einfacher klagen», sagt Jürgen Resch Bundesgeschäftsführer Deutsche Umwelthilfe.

Bis zu 59 Prozent Unterschied

Tafel 1

Bildlegende: Vergleich 1: USA-Schweiz. SRF

Auf der Internet-Seite von EPA macht Kassensturz die Stichprobe bei vergleichbaren Modellen verschiedener Marken:

Der Honda Civic deklariert in der Schweiz einen Verbrauch von 6,5 Liter Benzin. In den USA umgerechnet 7,1 Liter, also 10% mehr.

Der Nissan Juke Automat: Offizieller Schweizer Verbrauch: 7,4 Liter Benzin, in den USA dagegen 8,7 l oder 18% mehr.

VW Golf 2,0 TDI: Deklarierter Verbrauch in der Schweiz: 4,8 Liter Diesel, in den USA 6,5 Liter, 36% mehr.

Tafel 2

Bildlegende: Vergleich 2: USA-Schweiz. SRF

Noch deutlicher: der Unterschied beim Smart Fortwo. In den USA müssen die Hersteller realistisch deklarieren. Ganze 49% mehr.

Ebenso der Mini Cooper: 58% mehr. Und der Audi A3: 4,1 Liter in Schweiz; jedoch 6,5 Liter in den USA. Das sind 59% mehr!

Die Folge: Schweizer Autofahrer, die sich beim Autokauf auf offizielle Verbrauchsangaben stützen, werden unter Umständen getäuscht.

Tafel 3

Bildlegende: Der BMW verbraucht in der Schweiz weniger als der Honda. In den USA ist es umgekehrt. SRF

Der Honda Civic verglichen mit dem stärkeren BMW 320i steht dieser in der Schweiz mit seinen offiziellen 6,5 Litern schlecht da. Der BMW ist mit 5,3 Litern angeblich sparsamer. Genau umgekehrt mit den realistischeren amerikanischen Zahlen: Honda deklariert 7,1 Liter, BMW jedoch 8,7 Liter.

Autoindustrie: «Das sind die Normen»

Andreas Burgener von Auto Schweiz zweifelt am «Kassensturz»-Vergleich und sagt: Europäische Verbrauchszahlen könne man nicht mit den Amerikanischen vergleichen. Zu gross seien technische Unterschiede bei Motor und Testzyklen. Schweizer Autofahrer würden nicht in die Irre geführt.

«Das sind Normen. Normen, wie fest man einen Pneu pumpen muss, welches Motorenöl man benutzen muss und welchen Treibstoff. Das sind keine Tricks.» Es seien Rahmenbedingungen, die eingehalten werden müssen, sonst würden die Hersteller die Zulassung keine Zulassung erhalten verteidigt der Direktor von Auto Schweiz, Andreas Burgener.

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