Widerstand gegen saubere Lastwagen

Gefährlicher Feinstaub: Jährlich sterben in der Schweiz bis zu 4000 Personen vorzeitig wegen Feinstaubs in der Luft. Mitverantwortlich ist der Schwerverkehr. Das müsste nicht sein: Partikelfilter halten den Staub zurück. Jetzt fordern Experten eine Nachrüstung. Doch die Lastwagenbranche wehrt sich

Video «Gefährlicher Feinstaub: Widerstand gegen saubere LKWs» abspielen

Gefährlicher Feinstaub: Widerstand gegen saubere LKWs

7:30 min, aus Kassensturz vom 24.9.2013

Unbehandelte Abgase von Dieselmotoren sind krebserregend und können Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen auslösen. Baustellenarbeiter, Berufschauffeure und Anwohner stark befahrener Strassen, sind gemäss dem international anerkannten Epidemiologen Nino Künzli besonders gefährdet.

«Sehr viele Substanzen, die auf den ultrafeinen Partikel sitzen, sind krebserregend. Studien zeigen, dass Personen, die nahe an Verkehrsachsen leben, ein erhöhtes Lungenkrebs-Risiko haben», sagt Künzli. Für dieses Risiko mitverantwortlich ist der Lastwagenverkehr mit seinen Dieselmotoren.

Die Lösung: Partikelfilter

Ab nächstem Jahr gilt für neu in Verkehr gebrachte Camions die Abgasnorm Euro 6. Die neuen, strengen Abgasvorschriften können praktisch nur mit einem Partikelfilter eingehalten werden.

Im Auftrag von «Kassensturz» vergleicht Ingenieur Andreas Mayer zwei Lastwagen-Motoren. In den Abgasen des Motors mit Partikelfilter misst der Experte nur wenig Feinstaub. «Der Filter holt bis 99 Prozent der Partikel aus den Abgasen», fasst Andreas Mayer das Resultat zusammen.

Umstrittene Nachrüstpflicht

Obwohl mit dem Partikelfilter eine technische Lösung vorhanden ist, stösst der Schwerverkehr immer noch Unmengen an ultrafeinen Partikeln aus. Die meisten der gefahrenen Lastwagenkilometer werden ohne Partikelfilter zurückgelegt. Das liegt daran, dass in der Schweiz erst ca. 1500 (Stand 31.08.2013) «Euro 6»-Lastwagen unterwegs sind.

Im Vergleich zu knapp den 48‘000 älteren Nutzfahrzeugen, welche in der Regel nicht über einen Partikelfilter verfügen. Angesichts dieser Zahlen fordert der grüne Nationalrat Daniel Vischer per Motion eine Nachrüstpflicht für ältere Modelle: «Gemäss WHO hat der Feinstaub in Dieselabgaben die gleiche Gefährlichkeit wie Asbest. Es ist elementar, dass wir das Risiko nicht länger unterschätzen.»

Euro 6-Logo

Bildlegende: SRF

Von einer obligatorischen Filter-Nachrüstung für ältere Fahrzeuge will der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG nichts wissen. Viele Fuhrhalter würden aber freiwillig auf die neue, umweltfreundliche Norm umsteigen, erklärt ASTAG Direktor Michael Gehrken: «Es wird in Fahrzeuge der neusten Norm investiert. Die Filter-Nachrüstung von älteren Lastwagen macht teilweise aus technischen Gründen keinen Sinn.»

Gelungenes Beispiel: Baumaschinen

Die Bedenken des ASTAG teilen viele Fachleute nicht. Das Beispiel der Baumaschinen zeige, dass eine umfassende Nachrüstungspflicht technisch möglich sei. Bis im Mai 2015 sind sämtliche Baumaschinen, neue und alte, mit Partikelfilter ausgerüstet. Auch drei Viertel aller Busse des öffentlichen Verkehrs sind bereits mit Filter unterwegs.

Bei den Lastwagen sollte das auch möglich sein, ist Medizinprofessor Nino Künzli überzeugt: «Die ultrafeinen Partikel gehören an der Quelle eliminiert. Sie haben in der Luft nichts zu suchen.»

Rund 49'000 Lastwagen in der Schweiz

Die Anzahl der dreckigen «Euro 1»-Lastwagen nimmt langsam ab (rote Linie). Noch gibt es aber erst wenige «Euro 6»-Lastwagen (dunkelgrün). Die Gesamtzahl der Schwerverkehrs-Fahrzeuge bleibt aber gleich bei rund 49'000 (schwarz).

Anzahl Lastwagen pro EURO-Abgas-Klasse

Live-Messtationen

In der Schweiz gibt es über 100 Luft-Messtationen. Deren Werte können live auf der Webseite des Bundesamts für Umwelt eingesehen werden können.

Forum

Links & Downloads