Arztrechnungen überfordern Patienten

Jeder Patient muss eine Arztrechnung erhalten - damit er die Rechnung kontrollieren kann. Doch eine neue Umfrage zeigt: Jeder Neunte erhält keine Rechnung und die meisten verstehen die Zahlen und Abkürzungen nicht.

Arzt mit Stethoskop untersucht Patientin

Bildlegende: Die Abrechnung von Arztkonsultationen sind oft mangelhaft. Colourbox

Arztrechnungen gleichen häufig einem Kauderwelsch aus Zahlen und Abkürzungen, bei dem der Laie erst einmal staunt. Eine Umfrage unter 1100 Personen, ausgeführt im Auftrag vom Vergleichsdienst «Comparis», dem «Konsumentenforum kf» und der «Stiftung SPO Patientenschutz» zeichnet folgendes Bild: Nur jeder Dritte konnte die letzte Arztrechnung gut nachvollziehen. Für die Mehrheit ist sie unverständlich.

Minimale Kontrolle ist möglich

Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung Patientenschutz sagt gegenüber «Espresso»: «Seit der Einführung des Tarifsystems «Tarmed» ist es für Patientinnen und Patienten unglaublich kompliziert, die Rechnung zu verstehen und kontrollieren.» Gewisse Punkte liessen sich aber durchaus kontrollieren, so zum Beispiel das Datum der Konsultation, der Zeitaufwand, aber auch Behandlungen: «Habe ich beispielswiese tatsächlich eine Untersuchung am Herzen mittels EKG bekommen, so wie es auf der Rechnung steht? Oder auch die verrechneten Medikamente sind relativ einfach zu kontrollieren.»

Bei Fehler reagieren

Wenn ein Patient einen Posten nicht nachvollziehen kann, sollte er sich unbedingt an seine Krankenkasse wenden zur Klärung, rät die Patientenschützerin. Sollte sich ein Fehler eingeschlichen haben auf der Rechnung, sollte der Arzt oder Ärztin darauf Aufmerksam gemacht werden. «Und wenn dieser nicht einsichtig ist, sind die Krankenkassen gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Versicherten zu unterstützen, allenfalls sogar bei einer Klage zu begleiten», so Kessler weiter.

Jeder neunte bekommt gar keine Rechnung

Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage: 11 Prozent der Befragten bekommen überhaupt keine Arztrechnung. Wie kann das sein? Patientenschützerin Margrit Kessler weist auf die Kantone Schwyz und Freiburg hin, wo das System «Tiers payant» teilweise in Kraft ist. Das heisst, der Arzt schickt seine Rechnung direkt an die Krankenkasse. Zwar sollte der Patient eine Kopie der Rechnung erhalten, so sieht es das Gesetz vor: «Offenbar hapert es hier in der Praxis. Die Patienten sollten sich an ihren Arzt wenden und diese Kopie verlangen, damit sie die Rechnung kontrollieren können», erklärt Margrit Kessler.

Schweizweit gilt aber «Tiers garant»

Diese zwei Kantone sind allerdings Ausnahmen, in der Regel gilt in der Schweiz das System «Tiers garant», dass ein Arzt seine Rechnung an den Patienten schickt und dieser dann entscheiden kann, ob er den Betrag auch tatsächlich zurückfordern will.