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Versicherungen Eine obligatorische Pflegeversicherung für wenig Geld?

Fast für jedes noch so kleine Risiko gibt es eine Versicherung, doch für die immensen Pflegekosten im Alter nicht. Eine obligatorische Pflegeversicherung muss her, sagen viele. Der Baselbieter August Lienin hat vorgerechnet, wie günstig eine solche Versicherung wäre. «Espresso» hat nachgefragt.

Ein alter Mann sitzt im Rollstuhl und stützt seine Hände auf einen Gehstock
Legende: Vielleicht bald Realität? Eine Versicherung, die für die Heimkosten aufkommt. Keystone

Viele fürchten sich vor hohen Pflegekosten im Alter, die das ganze hart ersparte Geld verzehren. Ein mögliche Lösung: Eine Pflegeversicherung, die im Alter die Heimkosten übernehmen soll.

Die heutige Situation ist unbefriedigend

Der pensionierte Kantonsstatistiker August Lienin beschäftigt sich seit längerem intensiv mit dieser Idee. Er ist der Meinung, dass ein Heimaufenthalt ein Risiko darstellt, wenn der Bewohner jedes Jahr einen Teil seines Vermögens dafür hergeben muss und dieses so nach und nach schrumpft. Zudem erachtet er die heutige Situation als unfair: «Jene, die ihr Geld vor dem Eintritt ins Heim noch verjubeln, bekommen den Heimaufenthalt vom Staat bezahlt, und jene, die ihr Leben lang gespart haben, werden zur Kasse gebeten. Das kann es nicht sein.»

Deshalb hält er eine eine obligatorische Pflegeversicherung für angebracht. Lienin hat kürzlich vorgerechnet: Wenn alle über 55 Jahre jeden Monat um die 14 Franken für eine obligatorische Pflegeversicherung bezahlen würden, dann müsste niemand sein Vermögen für Heimkosten anzehren.

Eigenverantwortung soll belohnt werden

Bezahlen müssten bei diesem Modell alle. Ärmere, die kein Vermögen haben, genauso wie Reiche, die sich die Heimkosten problemlos leisten könnten. Und genau daran stört sich der Baselbieter SVP-Nationalrat Thomas de Courten. Er befürchtet, dass bei einer solchen Versicherung keine Eigenverantwortung mehr getragen würde. Seiner Meinung nach sollten es Senioren, die für die Heimkosten selbst aufkommen, komfortabler haben: «Wer sein Leben lang nicht gespart hat, obwohl er es vielleicht könnte, sollte während des Heimaufenthalts weniger gut gestellt sein, als jener, der selbst für die Kosten aufkommt.»

Auch der Bund sieht Handlungsbedarf

Die obligatorische Pflegeversicherung ist mit Sicherheit ein aktuelles Thema. Denn immer mehr ältere Leute sind auf die Heimpflege angewiesen, die Kosten steigen. Das sieht auch das Bundesamt für Sozialversicherung. Dort heisst es, man werde eine solche Pflegeversicherung prüfen müssen.

Risikowoche im «Espresso»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Keusch, pfäffikon SZ
    Das skrupellose Geschäft mit dem Tod beginnt! Warum erstaunt es nicht, wenn Herr Lienin im finanz. Interesse der willkürlich skrupellos rationierenden Krankenversicherer zur wirtschaftl. Entlastung der obligaten Grundversicherung/KK’s nun eine obligate Pflegeversicherung vorschlägt?! Gefahren & Konsequenzen dieses Vorschlages sind im Leserbrief der SAEZ Nr. 36 / 2013 (http://www.saez.ch/de/aktuelle-ausgabe/details/replik-palaestina-artikel.html ) skizziert.
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  • Kommentar von Evelyne H. Bur, Thun
    Danke für Ihren Einsatz Herr Lienin. Es ist toll, dass es immer wieder engagierte Leute gibt, die weiter als über die Nasenspitze hinaus denken. Eine solche Versicherung wäre echt eine Errungenschaft, wenn man die hohen Kosten betrachtet, die im Alter anfallen können. Nicht Jedermann / Jedefrau ist mit einer goldenen Gesundheit gesegnet. Krankheit aber kann seeeeehr teuer werden. Da Alter für Alle früher oder später ein Thema ist oder wird, wären Beiträge ab 20 Jahren bestimmt in Ordnung.
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  • Kommentar von Thomas Kägi, Hägglingen
    Die Idee von Herrn Lienin erachte ich als sehr gut. Die Kosten dieser Versicherung sollte für die Meisten tragbar sein. Ein Obligatorium fände ich gut. Würde der Beitrag bereits ab 20J. erhoben, würden sich die monatlichen Kosten um einiges reduzieren. Ich unterstütze diesen Vorschlag. Der Vorbehalt von Herrn Courten erachte ich als vernachlässigbar.
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