Falsche 3. Säule-Beratung mit teuren Folgen

Eine junge Kauffrau lässt sich bei der Zürich Versicherung beraten für einen Sparplan einer 3. Säule. Obwohl es sich die Frau längerfristig kaum leisten kann, empfiehlt der Berater eine kombinierte Lebensversicherung. Ein Ausstieg aus dem Vertrag würde sie 6500 Franken kosten.

Aussenansicht eines Zürich-Gebäudes.

Bildlegende: Die Zürich Versicherung räumt Fehler bei der Beratung ein. Keystone

Rhea Zaro ist Kauffrau kurz nach Lehrabschluss. Sie will eine 3. Säule. Zufällig bekommt ein Versicherungsvertreter der Zürich Versicherung dies mit. Er trifft sich mit ihr zu einem Beratungsgespräch. Und verkauft ihr ein teures Vorsorgepaket: Jeden Monat muss Rhea Zaro 550 Franken in das Vorsorge-Premium-Paket der Zürich einzahlen. Viel Geld für eine junge Frau kurz nach Lehrabschluss.

«Man sieht vom Schiff aus, dass so etwas nicht lange gut gehen kann. Die Prämie ist viel zu hoch», sagt der unabhängige Versicherungsspezialist Stefan Thurnherr vom Vermögenszentrum VZ gegenüber «Espresso».

3. Säule ist nicht gleich 3. Säule

Was Rhea Zaro beim Abschluss dieses Vertrages nicht bewusst war: Es gibt eine Vielzahl 3. Säulen. Banken und Versicherungskonzerne kämpfen um die langfristigen Sparer.

Dabei locken besonders die Versicherer gerne mit Paketen. Sie kombinieren simple Säule-3a-Sparkonti mit Lebensversicherungen. Der Kunde unterzeichnet einen Vertrag und verpflichtet sich zur Zahlung einer bestimmten Prämie.

Mit dieser Prämie äufnet er zum einen sein Sparkonto, bezahlt aber auch die Leistung der dazugehörigen Versicherung. Meist eine Todesfall- oder Prämienausfall-Versicherung. Für Thomas Steiger, Geschäftsleitungsmitglied der Zürich, hat diese Kombination einen entscheidenden Vorteil: «Falls der Kunde invalid wird und seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, bezahlt die Zürich die Prämie weiter.»

Fehlerhafte Beratung

Bei Rhea Zaro ging es mit dem Modell der Zürich nicht lange gut. Zwei Jahre sind seit Vertragsbeginn vergangen. In dieser Zeit hat sie gut 13‘000 Franken in das Vorsorgepaket der Zürich einbezahlt. Nun zieht Rhea Zaro mit ihrem Freund in eine neue Wohnung und muss mehr Mietzins bezahlen. Das Geld wird knapp. Sie will die Versicherung mit der Zürich kündigen.

Dass sie dabei die Hälfte dessen, was sie einbezahlt hat, verlieren würde, hat ihr der Verkäufer verschwiegen. «Über Kündigungsbedingungen oder die Rückkaufwerte hat er kein Wort gesagt», sagt Rhea Zaro. Der Versicherungsberater ist leider für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar. Er arbeitet nicht mehr bei der Zürich. Hätte Rhea Zaro gekündigt, hätte sie 6500 Franken an die Zürich verloren.

Für Junge gilt: Vorsorgekonto nur bei einer Bank

Nachdem «Espresso» die Zürich Versicherung auf den Fall von Rhea Zaro aufmerksam gemacht hat, geht nun etwas. Die Zürich gesteht Fehler bei der Beratung ein. «Die Prämie ist zu hoch. Einer jungen Frau wie Rhea Zaro verkaufen wir dieses Produkt normalerweise mit einer tieferen Prämie, die dem Budget angepasst ist», sagt Thomas Steiger von der Zürich. Er will mit Rhea Zaro jetzt eine Lösung suchen.

«  Bei einer jüngeren Person muss man flexibel bleiben, weil sich die Lebenssituation dramatisch verändern kann. Und das geht meiner Ansicht nach nur bei einer Bank, eine Versicherung ist in jungen Jahren das falsche Gefäss um zu sparen. »

Stefan Thurnherr
Versicherungsexperte

Versicherungsexperte Stefan Thurnherr rät dann auch, ein Vorsorgekonto nur bei einer Bank anzulegen: «Bei einer jüngeren Person muss man flexibel bleiben, weil sich die Lebenssituation dramatisch verändern kann. Und das geht meiner Ansicht nach nur bei einer Bank, eine Versicherung ist in jungen Jahren das falsche Gefäss um zu sparen.»

Weitere wichtige Tipps:

  • Überlegen Sie sich gut, wie viel Sie tatsächlich langfristig auf die hohe Kante legen können.
  • Überschlafen Sie die Offerte des Versicherungsberaters. Lassen Sie sich nie bei einem Erstgespräch zu einem Abschluss überreden.
  • Bedenken Sie: Wer vorzeitig aus einem langfristigen Lebensversicherungs-Vertrag aussteigt, verliert viel Geld.
  • Mehr Informationen finden Sie ausserdem in diesem Merkblatt.
Video «Was der Verkäufer verschweigt» abspielen

Was der Verkäufer verschweigt

9:23 min, aus Kassensturz vom 18.1.2011

Korrekt

In einer ersten Version des Audiobeitrages von «Espresso» ist erwähnt, dass der Verlust 10'000 Franken beträgt. Das ist nicht korrekt. Das wäre der maximale Verlust gewesen. Die Kundin würde bei einem Rücktritt jedoch jetzt 6500 Franken von den einbezahlten 13'000 Franken verlieren.