HMO- und Hausarztmodelle werden deutlich teurer

Letzte Woche hiess es, die Prämien der Grundversicherung würden «moderat» ansteigen. Die Rede war von 2,2 Prozent im Schnitt. «Espresso» hat die Zahlen genauer betrachtet: Über Hälfte der Versicherten zahlen nächstes Jahr fast 4 Prozent mehr. Ausgerechnet HMO-Versicherte trifft es am meisten.

Der Schein trügt vor allem bei Versicherten, die ein bestimmtes Modell gewählt haben, also keine Standard-Versicherung haben.

Das sagt Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte beim Vergleichsdienst Comparis. Er stellte exklusiv für das Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF1 Berechnungen an. Diese zeigen, dass zum Beispiel HMO-Versicherte im Schnitt mit 3,9 Prozent Prämiensteigerung rechnen müssen, Versicherte im Hausarztmodell mit 3,7 Prozent und Telmed-Versicherte mit 3,4 Prozent. Das ist deutlich mehr, als das Bundesamt für Gesundheit BAG für Standard-Versicherte verkündet hat.

Einige Kantone legen sogar gewaltig zu. So müssen zum Beispiel Aargauer und Genfer für das HMO-Modell neu über 7 Prozent mehr bezahlen. Im Kanton Neuchâtel steigen die HMO-Prämien im Schnitt sogar um 9,7 Prozent (siehe Grafik und Tabelle).

«Die Rabatte waren zu gross»

In einem «10vor10»-Beitrag begründete Gesundheitsminister Alain Berset den überdurchschnittlichen Anstieg bei diesen Modellen so: «Wir sind der Meinung, dass die Rabatte zu gross waren, die Kosten waren nicht immer gedeckt. Wir haben nun den Versicherungen einige Jahre Zeit gegeben, dies zu korrigieren.»

Über die Hälfte der Versicherten hat heute ein Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell. Sie müssen deshalb davon ausgehen, dass sich ihre Grundversicherung im Vergleich noch mehr verteuert. Allerdings – und das zeigen die Berechnungen von Comparis auch – sind diese alternativen Modelle preislich immer noch attraktiver. Felix Schneuwly: «Es stimmt, dass diese Prämien prozentual überproportional ansteigen. Absolut gesehen lohnen sich diese Modelle jedoch nach wie vor, denn die Prämien sind immer noch günstiger.»

Zeit, sich Gedanken zu machen

Die Versicherten sollten daher jetzt überlegen, ob sie die eingeschränkte Arztwahl noch in Kauf nehmen wollen, wenn die Einsparung mit einem HMO-, Hausarzt- oder Telmed-Modell im Vergleich zum Standard jetzt kleiner wird.