Baupleite mit Fertighäusern: Familien vor Ruin

Effiziente Bauweise, modernes Design, schlüsselfertige Übergabe: Das verspricht ein Bauunternehmer. Stattdessen stürzt er Familien ins Desaster. Das Geld ist weg, aber ihre Häuser sind eine Baustelle. «Kassensturz» deckt auf: Der Unternehmer hat auch andernorts Geld in den Sand gesetzt.

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Baupleite mit Fertighäusern: Familien vor Ruin

7:01 min, aus Kassensturz vom 24.11.2009

Das Traumhaus der Familie Petrelli hätte seit letztem August stehen sollen. Stattdessen steht die Familie aus Luzern heute vor dem Nichts. Ihr Bauland ist immer noch eine grüne Wiese. Adrian Petrelli fühlt sich betrogen: «Wir haben viel Geld bezahlt, insgesamt 120‘000 Franken. Und was haben wir davon? Nichts!» Das einzige was der Familie bleibt, ist viel Papier: Baupläne und die Korrespondenz mit der Firma WKP, einem Generalunternehmer und Verkäufer von Fertighäusern.

Handwerker nicht bezahlt

Ein paar Meter weiter steht das Haus der Familie Spörri – immerhin schon mit Aussenwänden. Doch beziehen können die Spörris ihr Haus noch lange nicht: Der Innenausbau kommt seit Monaten nicht voran – die Handwerker haben die Baustelle verlassen, weil WKP sie nicht mehr bezahlt habe. Obwohl er der Firma 75 Prozent der Verkaufssumme – insgesamt 320'000 Franken – überwiesen habe. Auch Stephan Spörry konnte letzten August nicht einziehen: «Es war ein totaler Albtraum», sagt er.

Gleich nebenan: Das Haus der Familie Hartmann. Der Innenausbau ist fast fertig. Mathias Hartmann muss aber selber Hand anlegen: Zusammen mit dem Vater verlegt er die letzten Böden – Arbeiten, die schon lange WKP hätte ausführen sollen. Matthias Hartmann hat letztes Jahr mit WKP einen Bauvertrag über 545'000 Franken abgeschlossen – für die schlüsselfertige Übergabe des Hauses. 500'000 Franken hat er schon überwiesen.

In Zahlungsschwierigkeiten

Im Internet preist sich WKP als europaweiten Fertighaus-Anbieter an. Zur Auswahl stehen verschiedene Haustypen: Vom kleinen Häuschen bis zur repräsentativen Villa ist alles zu haben. WKP gehört der Portalis Handels- und Beteiligungs AG und hatte bis vor kurzen ihren Sitz in Altendorf SZ. Die Firma scheint dort inzwischen aber ausgezogen zu sein.

Firmenchef Bodo Walther wollte sich vor der Kamera nicht äussern. Am Telefon gibt er aber offen zu, dass seine Firma derzeit mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen habe. Dies aufgrund der gesamtwirtschaftlich schwierigen Lage. Firmenchef Bodo Walther weist alle Vorwürfe von sich: Er sagt, seine Kunden seien Schuld. Se hätten Gelder zurückbehalten, was seine Firma jetzt in Schwierigkeiten bringe.

Gelder zweckentfremdet

Einer, der den WKP-Chef persönlich kennt, ist Alois Budemaier. Als selbständiger Unternehmer hat er für WKP ein Jahr lang im Kanton Wallis Häuser verkauft – auf Provisionsbasis. Nach einem Jahr allerdings hat er die Zusammenarbeit im Streit beendet. Die Häuser von WKP seien eigentlich gut, aber der Bauunternehmer komme seinen Verpflichtungen nicht nach. Alois Budemaier: «Er subventioniert mit dem Geld die nächste Baustelle.» Schliesslich seien die Kundenreklamationen zu gross gewesen. «Und wir musste die Übung mit der WKP abbrechen.»

Letzte Woche ist über die Portalis AG der Konkurs eröffnet worden. Ihr Chef hat vor kurzem eine neue Firma gegründet: Die Waltsar AG, spezialisiert auf Planung und Realisierung von Bauten aller Art, wie es im Handelsregister heisst. Das Nachsehen haben die Hausbesitzer im Kanton Luzern. Die Luzerner Familien sind nicht die einzigen, die mit WKP Probleme hatten. Einige Kunden wollen jetzt gerichtlich gegen die Firma vorgehen.