Hohe Mieten an schlechter Lage: So zocken Vermieter Schwache ab

Viele Ausländer und sozial Schwächere mit tiefem Einkommen zahlen zu hohe Mieten. Von ihnen können Vermieter fast jeden Preis verlangen, denn sie haben es schwer, überhaupt eine Wohnung zu finden.

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Hohe Mieten an schlechter Lage: So zocken Vermieter Schwache ab

9:03 min, aus Kassensturz vom 11.4.2006

Seit bald vier Jahren lebt die Familie Sivaramakrishnan zu fünft in einer 3-Zimmer-Wohnung an einer lauten und verkehrsreichen Durchgangsstrasse in Zürich. Die Wohnung ist in einem heruntergekommenen Zustand. Für die Bleibe zahlt die srilankesische Familie jeden Monat inklusive Nebenkosten 1740 Franken. Mehr als die Hälfte seines Lohnes gibt Vater Sivaramakrishnan monatlich seinem Vermieter ab. Immobilienexperten der rennomierten Firma Wüest und Partner kommen zum Schluss: Diese Wohnung ist zu teuer. Die Lage an der Weststrasse ist miserabel: Hier fahren täglich 65'000 Fahrzeuge durchs Quartier. Alte Liegenschaft, schlechter Zustand der Wohnung, kleine Wohnfläche. Mit diesen Angaben errechnet Wüest und Partner den Mietwert. 1060 Franken wäre für diese Wohnung ein fairer Preis. Die Familie muss aber 1540 Franken bezahlen plus Nebenkosten. Das sind 480 Franken mehr als angemessen wäre.

Schwere Wohnungssuche für Ausländer

Eine günstigere Wohnung findet die Familie Sivarakrishnan nicht. Wer als Ausländer eine Wohnung sucht, hat es schwer. Niklaus Scherr vom Mieterverband Zürich kennt viele Fälle, in denen Ausländer benachteiligt wurden. «Es ist offenkundig, dass benachteiligte Personen oft schlechte Wohnungen haben und dafür auch noch zu viel bezahlen», sagt Scherr. Viele Menschen, die im ausgetrockneten Wohnungsmarkt die schlechtesten Karten haben, erhoffen sich deshalb von der Zürcher Stiftung Domicil Hilfe. Die Stiftung ermöglicht ihnen Zugang zu freien Wohnungen. Oft dauert es sehr lange, bis Caroline Zurwerra von der Stiftung Domicil zusammen mit ihren Klienten etwas findet. «Für Leute aus Sri Lanka zum Beispiel ist die Situation schwierig. Sie müssen oft in alten schlechten Liegenschaften zu fünft in einer kleinen Wohnung leben und für diese ist es ganz schwierig, eine Wohnung zu finden», sagt Zurwerra.

Zahlen ausländische Mieter mehr Mietzins als schweizerische? Das wollte das Statistische Amt der Stadt Zürich wissen und kam vor zwei Jahren in einer Studie zum Schluss:

« Ausländische Haushalte zahlen sehr häufig etwas mehr Mietzins als die schweizerischen. »

Das Statistische Amt verglich dabei die Unterschiede innerhalb eines Stadtkreises. Viele Ausländer sind ihren Vermietern ausgeliefert. «Das beginnt mit einer überhöhten Anfangsmiete, geht weiter mit falschen Akkontozahlungen und so weiter», weiss Scherr vom Mieterverband. Bezahlen jedoch Ausländer gleich viel, dann meist für weniger Leistung. Laut Zahlen des Bundesamts für Statistik benötigt ein Schweizer oder eine Schweizerin durchschnittlich 46 Quadratmeter Wohnfläche. Eine Person ausländischer Herkunft lebt auf 33 Quadratmetern. Das ist bei vergleichbarer Miete fast ein Drittel weniger Wohnfläche.

Die Schweizer Nachbarn zahlen weniger Miete

Die Familie Sivaramakrishnan lebt auf einer Wohnflähe von 70 Quadratmetern. Was sie nicht wissen: Einen Stock über ihnen wohnen auf exakt derselben Fläche drei junge Schweizer in einer frisch renovierten Wohnung. Die Schweizer zahlen insgesamt 1650 Franken Miete. Die Sivaramakrishnans unter ihnen 1740 Franken. Die Wohnung an der Weststrasse vermietet die Erbengemeinschaft Neufeld in Zürich.

Von einer Benachteiligung der Ausländer will der Vermieter trotzdem nichts wissen: «Das sieht zwar auf den ersten Blick so aus. Aber unter dem Strich bleibt weniger, da die Ausländer die Wohnung stärker beanspruchen als die Schweizer. Meistens sind auch mehr Leute drin als angemeldet, und gerade Tamilen kochen den ganzen Tag und waschen oft. Da sieht eine Wohnung nach drei Monaten schon ganz anders aus», sagt Ronald Neufeld. In einem Brief schreiben die Erben Neufeld, bis vor einem Jahr habe ihr verstorbener Grossvater die verschiedenen Liegenschaften verwaltet. Im Brief heisst es weiter: «Wir machen unser Möglichstets, Altasten wie zum Beispiel ungleiche Mietzinse für dieselben Wohnungen, auszugleichen. Ebenfalls werden alle Wohnungen renoviert, bevor sie weiter vermietet werden.»