Verdrecktes Trinkwasser: Vermieter foutiert sich darum

Seit Wochen fliesst aus dem Hahn Wasser, das schwere Übelkeit verursacht. Die Wohnungsmieter sind gezwungen, das Wasser abzukochen. Grund: Eine verdreckte Entkalkungsanlage im Keller. Doch der Vermieter ignoriert die Klagen. «Kassensturz» sagt, was sich Mieter gefallen lassen müssen.

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Verdrecktes Trinkwasser: Vermieter foutiert sich darum

5:51 min, aus Kassensturz vom 7.5.2013

Was bei uns in der Schweiz aus dem Wasserhahn fliesst, ist in aller Regel sauberes Trinkwasser. Umso unglaublicher wirkt diese Geschichte. Als die «Kassensturz»-Zuschauerin Eveline Fringeli in ihrer neuen Mietwohnung in Buchs Zürich den ersten Kaffee trank, wurde ihr plötzlich übel. Mit Tee und Leitungswasser, so denkt sie, legt sich die Übelkeit bald wieder. Doch weit gefehlt. «Je mehr Leitungswasser ich trank, desto übler wurde mir.»

Nicht nur in der Wohnung von Eveline Fringeli ist es um die Qualität des Leitungswassers schlecht bestellt. Hört man sich im Haus um, berichten mehrere Mieter von schlechtem Leitungswasser. Sie behelfen sich teilweise seit mehr als einem Jahr mit Mineralwasser. Oder kochen das Leitungswasser ab.

Entkalkungsanlage verseucht Wasser

Mehrfamilienhaus

Bildlegende: In dieser Liegenschaft kommt nur Gammelwasser aus dem Hahn. SRF

Der Grund für das schlechte Hahnenwasser steht im Keller. Eine Entkalkungsanlage. Die Anlage besteht aus einem Druckbehälter, gefüllt mit speziellem Harz und einem Behälter mit Salzlauge. Normalerweise sind solche Anlagen für das Trinkwasser ungefährlich. Doch nicht, wenn sie nicht regelmässig einen Service erhalten. Das Kunstharz, welches das Wasser entkalkt, muss von Zeit zu Zeit mit der Salzlauge regeneriert werden. Befindet sich im Behälter mit der Salzlauge Schmutz und allenfalls gesundheitsschädliche Keime, können diese bei der Regeneration auch in den Druckbehälter und somit ins Kunstharz gelangen. Durch dieses Harz fliesst nach der Regeneration wieder Leitungswasser. Ein potenzieller Gefahrenherd.

Normalerweise wird jeder Service an einer solchen Anlage in einem Serviceheft festgehalten. Dieses Heft sollte – auch zugänglich für die Mieter – bei der Anlage liegen. Bei der Anlage in Buchs fehlt dieses Heft. Der Brunnenmeister von Buchs, der für die Trinkwasserversorgung der Gemeinde zuständig ist, hat die Anlage inspiziert und kommt zum Schluss: «Diese Anlage wurde seit längerer Zeit nicht mehr gewartet.»

Verwaltung dementiert

verschmutzte Innenseite der Entkalkungsanlage

Bildlegende: Nicht gerade appetitlich: Der Salzbehälter ist völlig verdreckt. SRF

Der Salzbehälter der Anlage in der Liegenschaft in Buchs ist voller Dreck. Evelyn Fringeli entdeckte es und alarmierte Heinz Matter, den Brunnenmeister der Gemeinde. «Eine Anlage in solch schlechtem Zustand hab ich noch nie gesehen», sagt Brunnenmeister Matter. Er zögerte nicht lange: «Ich nahm die Anlage sofort vom Leitungsnetz». Das war im März dieses Jahres. Die Verwaltung der Liegenschaft dementiert, dass die Anlage überhaupt noch in Betrieb gewesen sein. «Laut unseren Informationen wurde die Anlage bereits 2010 vom Netzt genommen», schreibt die Verwaltung Eisenegger Treuhand AG auf Anfrage von «Kassensturz».

Mieter müssen sich wehren

Ob nun das Trinkwasser schlecht ist, oder andere gravierende Mängel in einer Mietwohnung auftauchen: «Wichtig ist, dass sich die Mieter wehren und ihre Rechte einfordern», sagt Felicitas Huggenberger, Geschäftsführerin des Mieterverbandes Zürich. Wenn Mängel auftauchen, «müssen die Mieter sofort eine Mängelrüge schreiben und dem Vermieter eine Frist zur Beseitigung der Mängel setzen», sagt Huggenberger. Geschieht bis Ablauf der Frist nichts, «können die Mieter den Mietzins bei der Schlichtungsbehörde der Gemeinde deponieren. Spätestens bei dieser Massnahme würden die meisten Verwaltungen handeln, so Huggenberger.