Wenn der Pöstler nicht mehr kommt

Die 77-jährige Ida Hischier lebt seit ihrer Geburt in einem Weiler oberhalb des Walliser Bergdorfs Unterems. Seit sie sich erinnern kann, ist der Pöstler zum Haus gekommen. Seit ein paar Monaten kommt er nicht mehr. Die Begründung der Post: «Zu gefährlich.»

Zum Weiler Prupresen gehören mehrere Häuser, allerdings ist Ida Hischier die Einzige, die das ganze Jahr dort lebt. Dass die umliegenden Häuser nicht ganzjährig bewohnt sind, ist für die Frage nach der Postzustellungspflicht entscheidend. In der entsprechenden Postverordnung heisst es unter Artikel 31:

«Die Post ist zur Hauszustellung von Postsendungen verpflichtet, wenn:

  • das betreffende Haus zu einer Siedlung, bestehend aus mindestens fünf ganzjährig bewohnten Häusern auf einer maximalen Fläche von einer Hektare, gehört; oder
  • die Wegzeit für die Bedienung eines ganzjährig bewohnten Hauses von einer Siedlung nach Buchstabe a aus insgesamt nicht mehr als zwei Minuten beträgt.»

Die Post ist also nicht verpflichtet, den Weiler zu bedienen. Trotzdem hatten die Pöstler in den letzten Jahren der älteren Dame die Post gebracht. Auch nach einem schweren Unfall vor ein paar Jahren auf der vereisten Strasse. Im Herbst 2015 allerdings teilte der aktive Pöstler Ida Hischier mit, dass er ab November nicht mehr bis zum Haus komme, da es zu gefährlich sei. Auch das ist so in der Postverordnung verankert. Dazu heisst es, die Post sei nicht verpflichtet, die Post zum Haus zuzustellen, wenn: «… unverhältnismässige Schwierigkeiten wie schlechte Strassenverhältnisse oder die Gefährdung des Zustellpersonals in Kauf zu nehmen wären.»

900 Häuser erhalten keine Post

Als Alternative bot der Pöstler der überrumpelten Frau an, einen Briefkasten an der Kantonsstrasse zu montieren, über einen Kilometer weit weg. Lieber wollte Ida Hischier die Post künftig an die Adresse ihrer Tochter im Dorf unten zugestellt bekommen. Diese würde ihr die Briefe dann bei Gelegenheit vorbeibringen. Dass dies allerdings keine Lösung für immer sein kann, realisiert die ältere Kundin erst jetzt. Ihre Angehörigen versuchen nun über die Schlichtungsstelle der Post, der Postcom, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Post-Sprecher Bernhard Bürki erklärte gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1: «Es kommt selten vor, dass Pöstler abgelegenen Häusern die Post nicht, oder nicht mehr zustellen. Insgesamt werden in der ganzen Schweiz 1,8 Millionen Häuser bedient. Und lediglich 900 Häuser erhalten keine Post.»

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