Wohnungsnot: Horrende Mietzinse für Bruchbuden

Wohnraum wird immer knapper. Vermieter nutzen das aus und verlangen bei einem Mieterwechsel bis zu 40 Prozent mehr Miete.
Kassensturz zeigt: Ein ganz Dreister verlangt für eine Bruchbude, in der es weder warmes Wasser, noch Dusche noch Bad hat, von der Nachmieterin 450 Franken mehr.

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Wohnungsnot: Horrende Mietzinse für Bruchbuden

12 min, aus Kassensturz vom 12.3.2002

Bis vor kurzem wohnte Bettina Zuppinger an der Bertastrasse 26 im Zürcher Stadtkreis 3. Vermieter: Hans Haller. Die Wohnungen in diesem Haus sind in einem erbärmlichen Zustand: Wasserschaden an den Decken, Löcher im Parkett, schlecht dichtende Fenster. Die Balkone sind mit Eisenarmierungen abgestützt. Und das auch nur, weil die gesamte Mieterschaft beschlossen hatte «wenn er nichts macht mit den Balkonen, dann wird keine Miete mehr bezahlt», wie es Zuppinger ausrückt.

Für ihre 3-Zimmer-Wohnung, eine Kaltwasserwohnung ohne Bad, ohne Dusche zahlte sie 1155 Franken. Ihre Nachmieterin erhielt einen Mietzinsaufschlag von 450 Franken. Begründung des Vermieters Hans Haller: Anpassung an die ortsüblichen Mietzinsen.

Die Vermieter können auf die Mieter Druck machen: In Schweizer Städten herrscht Wohnungsnot. In Basel stehen 1,5 Prozent der Wohnungen leer, Lausanne und Genf haben noch 0,5 Prozent. Ganz dramatisch sieht es in Zürich aus: Praktisch keine Leerwohnungen. Die Wohnungsnot lässt die Mietpreise steigen. Peter Niederöst, Vertrauensanwalt des Zürcher Mieterverbandes:

« «In erster Linie nützen die Vermieter bei Mieterwechsel die Situation aus, den Mietzins nach oben anzupassen. Das gilt für kleine wie auch für institutionelle Vermieter.» »

Kündigen um die Miete erhöhen zu können

Viele Vermieter kündigen ihren Mietern, weil sie dann die Preise anheben können. Immer mehr Mieter müssen sich wehren. 1999 suchten 483 Personen wegen Kündigung Rat beim Mieterverband. Letztes Jahr waren es bereits 731.

Elisabeth Derisiotis, Präsidentin des Zürcher Mieterverbandes wohnt in einem Haus, das von Livit, der grössten Liegenschaftenverwaltung der Schweiz, verwaltet wird. Für ihre 4 1/2 Zimmer-Wohnung zahlt sie 1388.-. Die Mieter im zweiten Stock bezahlen 1632.-, der Herr im ersten Stock 1950.-, also 40,5 Prozent mehr als Elisabeth Derisiotis. «Die Verwaltung hat schon seit Jahren die Praxis, bei jedem Mieterwechsel 250 oder 300 Franken aufzuschlagen», erzält Derisiotis.

Hans Haller hat Bettina Zuppingers Wohnung um 38 Prozent verteuert. Zudem erhielt die Nachfolgerin nur noch einen auf ein Jahr befristeten Mietvertrag. Ein legaler Trick mit massiven Nachteilen für die Mieterin: Laut Niederöst kann der Vermieter «in Zeiten von sinkendem Hypothekarzins mit diesem Trick den Mietzins über die ganze Mietzeit erhalten.»

Mit seinen Verträgen zieht Hans Haller seine Mieter über den Tisch: Von einer Vermieterin verlangt er, dass sie den Mietzins nicht anfechtet. Diese Vereinbarung ist ungültig. Bei den Nebenkosten listet er unter anderem auch den Unterhalt oder die Verwaltung auf, die laut Niederöst «soweit es um die allgemeine Liegenschaftenverwaltung geht» beide nicht geschuldet sind. Hans Haller will zu all dem nichts sagen. Bettina Zuppinger ist froh, hat sie eine andere Wohnung gefunden. Hans Haller kümmerts nicht. Dank der Wohnungsnot findet er auch weiterhin Mieter.