Trockenes Zelt nicht garantiert

«Kassensturz» hat zehn 3-Personen-Zelte getestet. Die teuren Modelle halten ihre Versprechen weitgehend, günstige Modelle hingegen sind nicht wasserdicht. Atmungsaktiv ist keines der Zelte. Das mitgetestete Wurfzelt lässt sich zwar blitzschnell aufstellen, aber nur mit Mühe wieder einpacken.

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Nicht alle Zelte halten dicht

7:42 min, aus Kassensturz vom 7.6.2011

Für einmal geht die Rechnung für den Käufer auf: Die teuren Zelte im «Kassensturz»-Test schneiden deutlich besser ab als die billigen. Keine Überraschungen also im Labor-Test der Empa St. Gallen und im Praxistest

Ganz im Gegenteil. Denn innerhalb der teuren und innerhalb der und günstigen «Klasse» gibt es deutliche Unterschiede. Und der Test zeigt vor allem, dass man sich auf Herstellerangaben überhaupt nicht verlassen kann.

Das teuerste Zelt ist nicht das beste

Zuerst zu den Marken-Zelten: Die vier Modelle der Outdoor-Marken Jack Wolfskin, Salewa, The North Face und Kelty kosten zwischen als 289 und 359 Franken.

Testsieger ist nicht etwa das teuerste Zelt im Test, The North Face Rock 3. Die fehlenden Lüftungslöcher haben diesem Zelt in der Endabrechnung das Gesamturteil «sehr gut» vermiest; aber auch die Verarbeitung der Nähte hat die Experten der Empa St. Gallen nicht vollends überzeugt.

Das Zelt landet damit gemeinsam mit Kelty Gunnison 3.1 auf dem dritten Platz. Kelty hat nur eine Schwäche: Die Nähte und Abdichtungen sind schlecht verarbeitet. Bei diesem Zelt kann Wasser durch undichte Stellen eindringen.

Das ist schade, denn das Aussenzelt ist wasserdicht, und auch der Zeltboden kann unter normalen Umständen das Wasser abhalten.

Urteil «sehr gut» für Jack Wolfskin und Salewa

Die Klassenbesten im Test, Jack Wolfskin und Salewa, verdienen sich in keinem einzigen Kriterium «ungenügende» Noten. Die schlechtesten Bewertungen holen sich diese beiden Zelte beim Aufbau: Die zusätzliche Stange für den Vorbau macht den Aufbau für ungeübte Camper etwas schwieriger.

Wer ein günstiges Zelt sucht, muss Qualitätsabstriche machen. Die weiteren 6 Zelte im Test kosten zwischen 70 und 110 Franken.

Wurfzelt: Aufbau top – Abbau flop

Darunter war auch ein sogenanntes Wurfzelt, NRG Iseo 3 von Manor. Es erspart ungeduldigen Campern das Zusammenstecken von Stangen und fummeliges Einfädeln der Stangen in die Führungslaschen.

Dieses Versprechen kann das Zelt ohne Abstriche einhalten. Befreit man das Zelt aus seiner Hülle, springt es von selbst in die richtige Form.

Schwachpunkt Nähte und Abdichtungen

Anders sieht es mit dem Einpacken aus: Im Test hat es die Prüfpersonen vor grössere Probleme gestellt. Auch die gutgemeinte Bedienungsanleitung hilft nur beschränkt weiter. Wer noch nie ein Wurfzelt eingepackt hat, wird auf eine Geduldsprobe gestellt.

Einen fatalen Schwachpunkt machte die Empa bei allen günstigen Zelten aus. Die Qualität der Nähte, Abdichtungen und Reissverschlüsse sind ungenügend. Nach einer Regennacht muss man am Morgen mit einem nassen Zelt rechnen.

Dichtigkeitsangaben sind oft ein Bluff

Die Wasserdichtigkeit der Aussenzelte und Zeltböden ist hingegen sehr unterschiedlich. McKinley zum Bespiel hat ein wasserdichtes Aussenzelt, die «ungenügenden» Schlusslichter K-Tec und Easy Camp hingegen haben im Empa-Dichtigkeitstest schwache Werte erreicht.

Sie sind nicht nur undicht, sie bluffen auch mit einer besseren Dichtigkeit. Die gemessenen Werte im Wassersäulen-Test liegen deutlich tiefer als in den Unterlagen angegeben. Das gilt nicht nur für K-Tec und Easy Camp, sondern auch für Trevolution und NRG.

Diesjährige K-Tec-Zelte besser?

Marketingleiter Olaf Wernas schreibt zur Athleticum-Eigenmarke K-Tec, wahrscheinlich habe der «Kassensturz» ein Zelt aus der letztjährigen Lieferung gekauft.

Die Nähte sollten gemäss Aussagen von Athleticum bei den diesjährigen Woodstock-Modellen verschweisst sein. Da sie sich äusserlich nicht unterscheiden, hilft das beim Kauf nicht weiter.

Keine Kommentare zum eigenen Bluff

Die Migros will gemäss eigenen Angaben beim Trevolution-Zelt die kritisierten Punkte für nächstes Jahr anschauen und «wo nötig und möglich verbessern».

Der Lieferant des NRG-Zeltes vermutet, die Zeltbeschichtung habe durch mehrfachen Auf- und Abbau bereits Schaden genommen. Das trifft aber nicht zu, da die Empa die Zelte ab Laden getestet hat.

Weder die Migros noch der NRG-Vertreiber gehen ihren Stellungnahmen auf die falsch deklarierten Dichtigkeit überhaupt ein.

Kein einziges Zelt ist atmungsaktiv

Auf dem Datenblatt des Herstellers von Easy Camp Eclipse 300 steht zum Beispiel «breathable» – also «atmungsaktiv». Testleiter Markus Weder hält fest: «Keines der Zelte ist aus Materialien gefertigt, die als atmungsaktiv bezeichnet werden können.» Das zeigen die Testresultate. Auch das ist also nicht mehr als ein billiger Bluff.

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Empa-Experte Weder: «Viele schlecht verarbeitete Nähte»

1:53 min, vom 3.6.2011

So wurde getestet

  • Die Empa St. Gallen hat mit dem sogenannten Wassersäulentest gemessen, wie wasserdicht die Aussenzelte und Böden sind. Zusätzlich hat sie überprüft, ob die Reissverschlüsse gut verarbeitet und die Nähte sauber vernäht und verschweisst sind.
  • Die Empa hat auch den Wasserdampf-Durchgangswiderstand (RET) gemessen, um die Atmungsaktivität der Zelte zu bestimmen.
  • Eine Jury hat in einem Praxistest die Zelte auf- und abgebaut und Noten vergeben für die Einfachheit von Auf- und Abbau und für die Bedienungsanleitungen.
  • Ein Zeltexperte hat die Qualität des Materials und die Konstruktion bewertet, zum Beispiel, ob es beim Ein- und Ausstieg ins Zelt regnet.