Übersetzungsapps im Test: Schlechte Noten für viele

Das Smartphone ist auch ein Dolmetscher: Apps bieten Sofort-Übersetzungen in bis zu 100 Sprachen an. Doch eignen sich die Apps für den Gebrauch in den Ferien, und übersetzen sie korrekt? «Kassensturz» hat mithilfe von professionellen Übersetzern Apps getestet und sagt, welche nur Kauderwelsch reden.

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Übersetzungsprogramme im Test: Schlechte Noten für viele Apps

9:17 min, aus Kassensturz vom 14.4.2015

Das Smartphone kann auch ein Dolmetscher sein. In bis zu hundert Sprachen übersetzen Übersetzungsapps ganze Sätze. Doch das, was in der Fremdsprache herauskommt, entspricht oft nicht dem, was auf Deutsch eingetippt wurde.

Alle acht von «Kassensturz» getesteten Übersetzungsapps konnten nur einen Teil der Sätze verständlich ins Spanische, Griechische und Thailändische übersetzen. Ernüchternd waren besonders die Übersetzungen ins Thailändische.

Gratis Übersetzungen

«Kassensturz» hat mit acht der bekanntesten Übersetzungs-Apps für iOS- und Android-Handys 22 Sätze ins Spanische, Griechische und Thailändische übersetzt und die Resultate von Dolmetschern begutachten lassen (siehe unten «So wurde getestet»).

Alle getesteten Apps lassen sich gratis herunterladen und nutzen. Kostenpflichtige Upgrades, zum Beispiel für die Nutzung ohne Werbung oder für zusätzliche Funktionen, sind nur bei einem Teil der Apps möglich.

Thailändisch meist unverständlich

Mit den Übersetzungen ins Thailändische haben alle Apps die meisten Schwierigkeiten. Von insgesamt 22 sind 17 bis 19 übersetzte Sätze unverständlich – da ist die Chance gering, dass das rüber kommt, was man seinem Gegenüber mitteilen wollte. «Ich finde es eigentlich furchtbar von den Übersetzungen her», sagt Behörden- und Gerichtsdolmetscher Suppamitkitsana. Er hat für «Kassensturz» die Übersetzungen ins Thailändische bewertet.

Spanisch am besten

Am besten kommen sämtliche Apps mit der spanischen Sprache zurecht. «My Language» für iOS schafft es sogar, 6 der 22 vorgegebenen Sätze (siehe «So wurde getestet») sehr gut zu übersetzen, «nur» 9 bleiben unverständlich. Dafür erhält die App die beste Teilbewertung im Test, die Schulnote 4,5.

Griechisch ungenügend

Die Übersetzungen ins Griechische sind alle «ungenügend». Mit einer Ausnahme ist mindestens jede zweite Übersetzung unverständlich. «Speak & Translate» übersetzt zwar lediglich 10 der 22 Sätze unverständlich, «gut» übersetzt ist aber nur ein Satz. Die übrigen 11 sind trotz grammatikalischer Fehler gerade noch verständlich, also auch nicht brillant übersetzt.

Babylon übersetzt am schlechtesten

«Babylon» für iOS und Android übersetzt die «Kassensturz»-Sätze (siehe «So wurde getestet») mit Abstand am unverständlichsten. Die App scheitert selbst an dem Satz, den die meisten Apps in allen drei Sprachen perfekt übersetzt haben: «Wo finde ich die Toiletten?»

Als einzige App gelingt es Babylon jedoch, den Satz «Von wo kommt der Fisch?» perfekt ins Spanische zu übersetzen. Ins Griechische und Thailändische gelingt keine verständliche Übersetzung.

iOS- und Android-Version meist gleich

Drei Apps sind sowohl für iOS- als auch für Android-Smartphones erhältlich: «Babylon», «iTranslate» und der «Google Übersetzer». Alle drei haben im Test auf beiden Betriebssystemen identisch übersetzt. «Translator» für Android und der «iHandy Übersetzer» für iOS haben fast dasselbe Icon, die Benutzeroberfläche sieht gleich aus.

Zwei Sätze übersetzte die Android-App jedoch im Gegensatz zur iOS-Version nur zur Hälfte ins Spanische, die zweite Hälfte fehlte in der Übersetzung ganz. Dies führt zu einer schlechteren Bewertung von «Translator». Da der iOS-«Schwester» «iHandy Übersetzer» dieser Fehler nicht passiert, schafft sie es sogar zu den Testsiegern.

Übersetzungen via Englisch

In allen drei Sprachen ist eine Fehlerquelle offensichtlich: Die Apps übersetzen von Deutsch zuerst ins Englische und erst dann ins Spanische, Griechische oder Thailändische. Die Frage, ob der Tisch noch frei sei, wird zur Frage, ob der Tisch gratis sei.

Das Deutsche «frei» wird zum englischen «free», das dann auf Spanisch, Griechisch und Thailändisch mit «gratis» übersetzt wird. In allen drei Sprachen gibt es zahlreiche ähnliche Fehlübersetzungen.

Maschinelle Übersetzungen, wie sie die getesteten Apps anbieten, basieren auf bereits vorhandenen Übersetzungen, die statistisch ausgewertet werden. Als Grundlage können die unterschiedlichsten, mehrsprachig vorhandenen Texte dienen, wie beispielsweise Reiseführer, Filmtexte oder Informationen von Institutionen.

Je mehr Daten vorliegen, desto wahrscheinlicher sind gute Ergebnisse. Sätze, die exakt einem Satz der Datenbank entsprechen, können sogar korrekt übersetzt werden. Individuell formulierte Sätze haben eine kleinere Wahrscheinlichkeit für eine perfekte Übersetzung.

iTranslate lernt von «Kassensturz»

«iTranslate» für iOS und Android, von Sonico Mobile entwickelt, gehört zu den am schlechtesten bewerteten Übersetzungsapps im Test. Alexander Marktl von Sonico schreibt «Kassensturz»: «Wir verarbeiten generell viel User-Feedback, um die Qualität zu Übersetzungen konstant zu erhöhen.»

Man werde die «Kassensturz»-Testbeispiele ansehen und die eigene Übersetzungstechnologie entsprechend korrigieren oder erweitern.

Ungeeignet für vertrauliche Texte

Selbst wenn die Übersetzungen dereinst eine gute Qualität erreichen sollten, über eines muss sich jeder Nutzer und jede Nutzerin im Klaren sein: Wird ein Text einmal zum Übersetzen in eine App eingegeben, landet er bei Google und Co. Unveröffentlichte Konzepte oder Firmengeheimnisse verlieren ihre Vertraulichkeit durch die Nutzung einer Übersetzungsapps.

Scannen und Sprechen

Für «Kassensturz» hat SRF-Digital-Redaktor Peter Buchmann die Handhabung aller getesteten Übersetzungsapps geprüft (siehe «Handhabungstest»). Die attraktiven Zusatzfunktionen «Scannen» und «Sprechen» (teils gratis, teils kostenpflichtig) funktionieren bisher noch nicht einwandfrei.

Handy

Bildlegende: Das Handy filmt die Speisekarte und zeigt auf dem Screen das Menu in Deutsch an. SRF

Eindrücklich ist zwar, wie beim Scannen eines Textes im selben Schriftbild eine «Übersetzung» auf dem Bildschirm erscheint und wie aus einem deutsch gesprochenen Satz plötzlich ein griechischer wird, beide Features haben jedoch ein Problem: Solange die Übersetzung nur teilweise korrekt ist, bleiben dies amüsante Spielereien.

Störende Werbung

Bei einigen Apps stört die Werbung sehr. Je nach Smartphone verdeckt die Werbung bei «iTranslate» beispielsweise die Buttons für die Zusatzfunktionen «Historie» und «Favoriten». Bei «Sprechen und Übersetzen» für iOS stört die aggressive Pop-up-Werbung. Am frechsten wirbt «Speak & Translate»: Der vermeintliche Button zum Weiterleiten von Übersetzungen verschickt eine Werbebotschaft für die App.

So wurde getestet

  • 22 Sätze zu den Themen: Tourismus, Restaurant, Flirt, Shoppen, Arzt.
  • Jeder Satz wurde von jeder App per Texteingabe von Deutsch ins Spanische, Griechische und Thailändische übersetzt.
  • Jede Übersetzung wurde per Screenshot originalgetreu festgehalten.
  • Jede Originalübersetzung wurde von einem Jury-Mitglied in seiner Muttersprache bewertet: Sehr gut: perfekt übersetzt; Gut: gut verständlich, alle Begriffe stimmen, minime Fehler; Genügend: (gerade noch) verständlich, Begriffe stimmen, grammatikalische Fehler; Ungenügend: Begriffe und Grammatik falsch, Übersetzung unverständlich.

Die Jury

Sprachstudio

Bildlegende: Die drei Experten. SRF

  • Spanisch: Paula Bazo Castellanos, Institut für Übersetzen und Dolmetschen ZHAW.
  • Griechisch: Triantafyllia Konstantinidou, Language Competence Centre ZHAW.
  • Thailändisch: Boonroek Suppamitkitsana, Behörden- und Gerichtsdolmetscher.

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