Unsinnige Transporte quer durch Europa

Die Grossverteiler lassen tonnenweise Schweizer Rüebli zur Verarbeitung an die Nordsee karren. Auch Schweizer Rahm reist hunderte Kilometer, bevor er als Schlagrahm im Kühlregal landet.

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UnsinnigeTransporte

9:16 min, aus Kassensturz vom 19.11.2002

Die Rüebli von Walter Lüdi sind anders ale herkömmliche Schweizer Sorten. Und darauf ist der Düdinger Bauer stolz: «Das Rüebli, Sugar Snack heisst es, ist sehr glatt und sehr süss», erzählt er. Wer die Sorte bei Migros oder Coop sucht, findet sie im Kühlregal - Geschrumpft auf einen Viertel der ursprünglichen Grösse. Tatort ist Espel in Holland.

Vom Hof des Bauern Lüdi starten die Rüebli zu einer langen Reise. Zuerst geht's nach Utzensdorf zum Lager der Firma Steffen-Ris. Steffen-Ris organisiert den Rüebli-Transport für die Grossverteiler Migros und Coop. 500 Tonnen spediert das Unternehmen jährlich nach Holland. Ziel ist eine kleine Firma an der Nordsee, 800 Kilometer von hier, wo die Rüebli verarbeitet und als Baby-Karotten abgepackt werden.

Abfüllung im Ausland auch beim Rahm

Nicht nur Rüebli, auch Schweizer Rahm legt hunderte Kilometer zurück, bevor er in den Kühlregalen von Coop und Migros landet: Die Aargauer Zentralmolkerei in Suhr liefert im Auftrag von Coop alle zwei Wochen 15 Tonnen Schweizer Rahm nach Italien. Im 720 Kilometer entfernten Jesi bei Ancona wir der Rahm in die Sprührahmdosen von Coop abgefüllt. Dann geht’s über die Autobahn zurück in die Schweiz. Per Bahn aber auch per Lastwagen spediert Migros jede Woche 12 Tonnen Rahm zum Abfüllen nach Dilsen in Belgien und wieder zurück.

Der Güterverkehr in den Alpenländern hat im Jahr 2001 eine Rekordhöhe erreicht. 67 Prozent dieses Verkehrs, das sind 91,4 Millionen Tonnen, rollt über die Schweiz. Rahm von Coop und Migros zum Abfüllen nach Italien und Belgien, Rüebli zum Schneiden nach Holland: Gegen solche Transporte kämpft die Organisation Alpeninitiative.

Deren Geschäftsleiter Alf Arnold:

« «Wenn man alle diesen sinnlosen Transporte zusammennimmt, entsteht genau diese krank machende Blechlawine.» »

Harte Vorwürfe an Coop und Migros. Doch Felix Wehrle, Mister Naturaplan von Coop will vor der Kamera nicht Stellung nehmen. Schriftlich lässt er ausrichten:«

« Die Produkte werden auf entsprechend darauf ausgerichteten leistungsfähigen Maschinen im Ausland verarbeitet, weil es diese Maschinen - soweit uns bekannt - in der Schweiz nicht gibt.» »

Und warum verkauft die Migros solche Produkte?

« «Es ist ein Kundenbedürfnis», sagt Kurt Staub von der Infostelle Umwelt. »